Uruguay: Frauen im ordinierten Amt beraten über Fundamentalismus und Machtverhältnisse

Stärkung der pastoralen Arbeit von Frauen in den südamerikanischen Kirchen.

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Pastorinnen der Evangelischen Kirche am La Plata und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche versammelten sich in Uruguay zum vierten Pastorinnen-Treffen. Foto: SEDI

Pastorinnen der Evangelischen Kirche am La Plata und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche versammelten sich in Uruguay zum vierten Pastorinnen-Treffen. Foto: SEDI

Amtsträgerinnen aus Argentinien und Uruguay setzen sich mit den Auswirkungen von Fundamentalismus auf das kirchliche Leben auseinander

(LWI) – Anfang Juni kamen Pfarrerinnen und Diakoninnen aus Argentinien und Uruguay zusammen, um gemeinsam über Strategien im Umgang mit dem wachsenden Problem des Fundamentalismus in ihren Ländern nachzudenken. Das vierte Treffen ordinierter Frauen der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (IELU) fand im Centro Emmanuel in Colonia Valdense, Uruguay, statt. Insgesamt nahmen siebzehn Amtsträgerinnen der beiden Kirchen sowie Kolleginnen aus der Region teil. 

Das vom Lutherischen Weltbund (LWB) unterstützte Treffen bot Raum für theologische Reflexion, gemeinsamesFeiern und die Stärkung der pastoralen Arbeit von Frauen in Südamerika. Es war Teil einer seit 2016 laufenden Veranstaltungsreihe, die an einen früheren Begegnungszyklus aus den 2000er Jahren anknüpft. Nach einer pandemiebedingten Pause wurde die Reihe im Jahr 2023 fortgeführt. Das nächste Treffen ist für 2027 geplant.

Der diesjährige Schwerpunkt lag auf aktuellen Formen des Fundamentalismus und deren Auswirkungen auf das kirchliche Leben sowie auf Leben und Dienst von ordinierten Frauen. „Wir haben gemeinsam darüber nachgedacht, wie sich diese Entwicklungen auf unsere Gemeinschaften, unsere pastorale Praxis und unsere eigenen Wege im ordinierten Amt auswirken,“ berichtete Pfarrerin Karla Steilmann von der IERP. 

Auch wenn Frauen im ordinierten Amt in den Kirchen des südlichen Südamerikas eine Realität sind, spüren wir doch, dass in zunehmend fundamentalistisch geprägten Kontexten unsere Sicht- und Hörbarkeit abnimmt.

Pfarrerin Mariela Pereyra, Kirchenpräsidentin der IELU

Auf dem Programm standen unter anderem eine Bibelarbeit zum Buch Esra, gemeinsame Gottesdienste und Gelegenheiten zu kritischen Reflexionen. Der Evangelische Dienst für Diakonie (SEDI) stellte zudem eine neue spanischsprachige Arbeitshilfe mit dem Titel „Ist es von Gott?“ vor. Daran schloss sich eine interaktive Einheit an, bei der soziale Fragen aus diakonischer Perspektive beleuchtet wurden. 

Unter den Teilnehmerinnen waren sechs Pfarrerinnen der IERP, acht Pfarrerinnen der IELU sowie drei Gastreferentinnen: Bischöfin Izani Bruch von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile (IELCH), Pfarrerin Dr. Marcia Blasi, LWB-Programmreferentin für Gendergerechtigkeit und Frauenförderung, sowie Pfarrerin Carmen Michel von der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), Koordinatorin des Frauennetzwerks für Lateinamerika und die Karibik. 

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Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie sie sich gegenseitig unterstützen und ihre Seelsorgearbeit stärken können. Foto: Karla Steilmann

Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie sie sich gegenseitig unterstützen und ihre Seelsorgearbeit stärken können. Foto: Karla Steilmann

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Das Treffen von Frauen im ordinierten Amt fiel mit dem 10. Jahrestag einer Demonstration zusammen, der ein Ende von Femiziden und Gewalt gegen Frauen forderte. Foto: SEDI

Das Treffen von Frauen im ordinierten Amt fiel mit dem 10. Jahrestag einer Demonstration zusammen, der ein Ende von Femiziden und Gewalt gegen Frauen forderte. Foto: SEDI

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Gottesdienst und Bibelarbeit waren ein wichtiger Teil des Treffens, dessen Schwerpunkt auf Strategien zur Bekämpfung des zunehmenden religiösen Fundamentalismus in der Region lag. Foto: Karla Steilmann

Gottesdienst und Bibelarbeit waren ein wichtiger Teil des Treffens, dessen Schwerpunkt auf Strategien zur Bekämpfung des zunehmenden religiösen Fundamentalismus in der Region lag. Foto: Karla Steilmann

Als besonders wertvoll empfanden die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, Erfahrungen in einem geschützten Raum des gegenseitigen Vertrauens und der Fürsorge auszutauschen. „Eines unserer Ziele war, Strategien der Schwesternschaft zu entwickeln, um uns in den fortdauernden Herausforderungen gegenseitig den Rücken zu stärken. Auch wenn Frauen im ordinierten Amt in den Kirchen des südlichen Südamerikas eine Realität sind, spüren wir doch, dass in zunehmend fundamentalistisch geprägten Kontexten unsere Sicht- und Hörbarkeit abnimmt – und das betrifft die Kirchen als Ganzes ebenso wie uns als weibliche Amtsträgerinnen,“ erklärte IELU-Präsidentin Pfarrerin Mariela Pereyra. 

Die Teilnehmerinnen sprachen auch über strukturelle Herausforderungen im ordinierten Amt, besonders im Hinblick auf Machtverhältnisse innerhalb der Kirche. Sie betonten die Notwendigkeit eines offeneren Dialogs zwischen Frauen und Männern im ordinierten Amt sowie einer stärker kritisch ausgerichteten exegetischen Ausbildung, um eine kontextsensible und befreiende pastorale Praxis zu fördern. 

Das vom 3. bis 4. Juni abgehaltene Treffen endete mit einem starken Gefühl der Erneuerung und Ermutigung. Blasi sagte: „Frauen im ordinierten Amt brauchen solche Begegnungen unbedingt, um Erfahrungen unter Kolleginnen auszutauschen und sich gegenseitig zu stärken. Der LWB bekräftigt sein Engagement und seine Unterstützung für ordinierte Frauen.“ Die Teilnehmerinnen äußerten ihre Entschlossenheit, solche Räume weiter auszubauen, und unterstrichen die Notwendigkeit institutioneller und finanzieller Unterstützung, um deren Zukunft zu sichern.

LWB/E. Albrecht
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