Pfarrerin Heidi Lengler mit Pfr. Michael Jonas aus Rom (links) und Pfr. Carsten Gerdes, dem Dekan der ELKI (rechts), bei ihrer Ordination am 7. September 2025. Foto: Aline Aurich
Gebürtige Brasilianerin Heidi Lengler wird Pfarrerin für kleine lutherische Gemeinden auf der süditalienischen Insel
(LWI) – Mit deutschen Wurzeln in Brasilien geboren und aufgewachsen und in Italien für den Pfarrdienst auf der süditalienischen Insel Sizilien ordiniert: Pfarrerin Heidi Lengler sieht sich als Missionarin, die dazu berufen ist, eine Gemeinschaft für Menschen aufzubauen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, aus verschiedenen Kulturkreisen kommen und verschiedene Religionen haben.
Als eine der ersten Frauen, die in Italien für den Pfarrdienst ausgebildet und ordiniert wurde, beschreitet sie neue Pfade und möchte neue Brücken bauen. Ihr Ziel sei es, das Evangelium in die Welt zu tragen und neue Beziehungen zu pflegen. Wie ihre Vorgänger in Catania, der zweitgrößten Stadt Siziliens, ist sie für die verschiedenen lutherischen Gemeinden auf der ganzen Insel zuständig, aber anders als sie wird sie ihren Dienst vorwiegend auf Italienisch versehen, ihrer Zweitsprache neben ihrer Muttersprache Portugiesisch.
Die lutherische Gemeinde in Sizilien zählt zu den jüngsten der 15 Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI). Sie wurde Anfang der 1990er Jahre in Catania gegründet und weitete sich in der Folge auf andere Städte wie Palermo, Messina, Taormina und Comiso aus. Die Gemeinde hat rund 100 Mitglieder, von denen die meisten Frauen sind, die mit italienischen Männern verheiratet sind. Da sie keine eigenen Kirchengebäude hat, finden die Gottesdienste in den anglikanischen Kirchen in Taormina und Palermo statt.
Kunst, Musik und Gemeindearbeit
„Die meisten Gemeindeglieder sind schon älter und mit italienischen Männern verheiratet, die in der katholischen Kirche geblieben sind. Ich möchte ihre Lebensgeschichten hören, von ihnen lernen und die Situation vor Ort verstehen“, erzählt Lengler, die am 7. September in Rom ordiniert wurde. „Sie sind es gewohnt, in kleinen, voneinander isolierten Gruppen zu leben und Gottesdienst zu feiern. Eine meiner ersten Aufgaben wird es also sein, sie alle zusammenzubringen, um herauszufinden, was sie brauchen.“
Pfarrerin Lengler, die im südbrasilianischen Estrela geboren wurde, arbeitete nach ihrem Kunst- und Theologie-Studium 16 Jahre lang als Lehrerin an lutherischen und staatlichen Schulen in ihrer Heimat. Ihre Großeltern waren in den 1880er Jahren von Deutschland nach Brasilien ausgewandert, aber die Familie bewahrte sich ihre ausgeprägt lutherische Identität. Lengler wuchs in und mit der Kirche auf und übernahm verschiedene Leitungsrollen in der Jugendarbeit, in Musikgruppen und in der Gemeindearbeit.
Pfarrerin Heidi Lengler bei ihrer Ordination in Rom am 7. September 2025. Foto: Aline Aurich
Pfarrerin Heidi Lengler mit dem Dekan der ELKI, Pfr. Carsten Gerdes. Foto: Thiago Alves Compagnoni
Pfarrerin Heidi Lengler wird von Mitgliedern der lutherischen Gemeinde Siziliens begrüßt. Foto: Lutherische Gemeinde, Catania
„Ich habe mich in vielen Bereichen des kirchlichen Lebens engagiert, aber erst eine Schulkoordinatorin brachte mich auf die Idee, über eine Berufung zum Pfarrdienst nachzudenken“, erklärt Lengler. „Ich nahm ein zweites Studium in Brasilien auf, erhielt dann aber die Einladung für in Studiensemester in Heidelberg in Deutschland und danach in Venedig. Hier lernte ich die ELKI kennen. Sie boten mit hier eine Kuratie an und so lernte ich die lutherische Gemeinde in Rom kennen, aber auch die Gemeinden in Mailand, Neapel und in Ispra-Varese an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz.“
Ihr Studium in Venedig fiel mit der COVID-19-Pandemie zusammen, eröffnete ihr aber auch die Möglichkeit, die lebendige ökumenische und interreligiöse Szene in der Lagunenstadt kennenzulernen. Während ihres Aufenthalts studierte sie am Institut für Ökumenewissenschaften und lebte in einem Kloster mit Franziskaner-Mönchen zusammen – als einzige Frau unter lauter katholischen Männern. „Ich glaube, anfangs hatten sie ein bisschen Angst vor mir. Aber wir haben uns gut aneinander gewöhnt, und ich habe mich dort sehr willkommen gefühlt“, erinnert sie sich. „Wir haben auch eine interreligiöse Gruppe gegründet und trafen uns jeden Monat mit buddhistischen, hinduistischen, jüdischen und muslimischen Gläubigen zur Vertiefung des interreligiösen Dialogs.“
Ökumenisches Engagement kann „Türen öffnen und andere einladen, die Gemeinde besser kennenzulernen“.
Pfarrerin Heidi Lengler, die neu eingesetzte Pfarrerin der lutherischen Gemeinde auf Sizilien
Diese ökumenische Prägung war wichtig für Lengler und bereitete sie auf ihre Arbeit auf Sizilien vor. Auf der Insel gibt es 17 katholische Diözesen und eine bedeutende orthodoxe Präsenz. „Hier in Italien funktioniert die Ökumene gut“, berichtet sie. „Ich war sehr dankbar, dass so viele ökumenische Gäste zu meiner Ordination in Rom und zu meiner Einsetzung hier auf Sizilien gekommen sind.“ Sie hofft, auf diesen Beziehungen aufbauen zu können, „Türen zu öffnen und andere dazu einzuladen, die Gemeinde besser kennenzulernen“.
Nach wenigen Wochen in ihrer neuen Rolle muss sich Lengler noch in die Kultur, die Dialekte, die Bürokratie und die Lebensweisen einfinden, die sich zum Teil erheblich vom Rest der italienischen Halbinsel unterscheiden. „Es läuft alles nach einem anderen Rhythmus hier. Manche machen sich Sorgen, ob ich mich hier gut einleben würde, insbesondere weil ich noch keinen italienischen Führerschein habe und es schwierig ist, auf der Insel herumzukommen“, sagt sie. „Aber ich habe keine Angst, und ich lerne viel über das Leben hier.“
Bisher wurden die Pfarrpersonen auf Sizilien immer aus Deutschland entsandt und hielten die Gottesdienste auf Deutsch, einer Sprache, die Lengler nicht fließend beherrscht. „Wir werden weiterhin deutsche Kirchenlieder singen und auch auf Deutsch beten, aber meine Predigten werde ich auf Italienisch halten. Viele Menschen, die zu meiner Einsetzung kamen, haben sich gefreut, eine Pfarrerin zu sehen, die ihre Sprache gut beherrscht“, berichtet sie. „Ich hoffe, dass ich dadurch leichter mit den Familienmitgliedern ins Gespräch komme und auch das Interesse von Menschen wecken kann, die bisher noch nicht in unserer Gemeinde aktiv sind“, sagt sie abschließend.