Die neuen Vertrauenspersonen in Kakuma (v.l.): Sahara Khalif Jama, Kher Gatluak, Nyawal Gatwech Puot. Photo: LWB/M. Lukulu
Einführung von Vertrauensleuten am Weltflüchtlingstag setzt auf Verantwortung durch die Gemeinschaft
(LWI) – Mit einer starken Solidaritätsbekundung haben Geflüchtete und Hilfsorganisationen im Flüchtlingslager Kakuma den Weltflüchtlingstag 2025 begangen. Unter dem globalen Motto „Solidarität mit Geflüchteten“ kamen am 18. Juni Schutzsuchende, Mitglieder der Bevölkerung des Aufnahmelandes, Vertreterinnen und Vertreter von Regierung und humanitären Partnern zur Einführung der neu gewählten Vertrauensleute. Mit dieser Veranstaltung wurde das wichtige Instrument der Vertretung und Selbstverwaltung im Lager wiederhergestellt.
Das im Nordwesten Kenias gelegene Flüchtlingslager Kakuma und die benachbarte Kalobeyei-Siedlung gehören zu den größten und bekanntesten Flüchtlingsunterkünften des Landes. Im 1992 gegründeten Lager Kakuma leben Menschen aus über zwanzig Ländern, u. a. Südsudan, Somalia, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo und Burundi. Mit Kalobeyei, das 2016 eröffnet wurde, sollte das Miteinander mit der Bevölkerung des Gastlandes durch einen entwicklungsorientierten Ansatz gestärkt werden. An beiden Standorten leben insgesamt über 250.000 Menschen, darunter Flüchtlinge und Einheimische aus der Turkana-Region, die direkt neben der weltweit ältesten Flüchtlingssiedlung leben.
Führungsstruktur wieder herstellen
Bereits seit Entstehung des Lagers ist der Lutherische Weltbund (LWB) in Kakuma aktiv und koordiniert zusammen mit dem UNHCR und den kenianischen Behörden die humanitäre Hilfe in den Bereichen Bildung, Wasser, sanitäre Einrichtungen, Schutz, Jugendarbeit, Friedensförderung und Existenzsicherung.
2019 hatten erstmals demokratische Wahlen von Vertreterinnen und Vertretern von Geflüchteten stattgefunden. Aufgrund der COVID-19-Pandemie, logistischer Herausforderungen und finanzieller Engpässe kam es danach zu Verzögerungen.
Die neu gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Geflüchteten leben seit Jahren in verschiedenen Gebieten von Kakuma und gelten in ihrer Bevölkerung als Vertrauenspersonen. So zum Beispiel Sahara Khalif Jama. Sie stammt ursprünglich aus Somalia und ist seit 2014 Gemeindeleiterin. Jama wurde von ihrer Gemeinschaft ermutigt, sich erneut zur Wahl zu stellen. „Sie vertrauen mir“, sagt sie. Sahara hat geholfen, die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Geflüchteten abzubauen und Treffen mit den lokalen Oberhäuptern zu organisieren. „Ich stehe ihnen nahe. Sie wissen, dass sie mich ansprechen können“, sagt sie. Gekürzte Nahrungsmittelhilfen und wachsende Unsicherheit sind derzeit die größten Probleme. Aber die junge Frau hofft, ihre Führungsqualitäten eines Tages in einem friedlichen Somalia anwenden zu können.
Refugee voices matter: Die Stimme der Geflüchteten
Der Wahlprozess war das Ergebnis einer umfassenden Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen wie LWB, Dänischer Flüchtlingsrat, FilmAid Kenya, DRS und UNHCR. Sie halfen dabei, diesen fairen, integrativen und von der Gemeinschaft selbst getragenen Prozess zu unterstützen.
Ehrenamtliche Kräfte aus der Gemeinschaft der Geflüchteten wurden in Moderation, Logistik und Mobilisierung geschult. Für die Durchführung des Prozesses wurden Wahlkomitees gegründet.
Ich habe beschlossen, dass ich meinem Volk dienen möchte.
Kher Gatluak, Vertrauensperson im Kakuma-Geflüchtetencamp
Die neu gewählten Vertrauenspersonen übernehmen nun ihre Funktion in einer der weltweit vielfältigsten Flüchtlingssituationen. Neben dem Schlichten von Streitigkeiten und der Stärkung des Zusammenhalts gehört die Zusammenarbeit mit humanitären Organisationen und die Sicherstellung ihrer umfassenden Mitwirkung an der Entscheidungsfindung zu ihren Aufgaben.
„Ich habe beschlossen, dass ich meinem Volk dienen möchte“, sagt der südsudanesische Flüchtling Kher Gatluak, der jetzt Vertrauensmann von Block 8 in Kakuma 1 ist. Bereits seit einiger Zeit wurde er gerufen, wenn es darum ging, Streit zu schlichten und die Harmonie zwischen den verschiedenen Nationalitäten zu fördern. Schon vor seiner Wahl arbeitete er mit humanitären Organisationen zusammen und kümmerte sich um die Anliegen der Menschen.
Im Einsatz für die Menschen
„Ich möchte der Gemeinschaft helfen. Ich habe gesehen, wie die Menschen leiden. Alleinstehende Mütter, Witwen und unbegleitete Kinder haben es besonders schwer“, sagt Nyawal Gatwech Puot, die 2004 mit fünf Kindern in Kakuma ankam. Als eine der wenigen Frauen, die zur Vertrauensperson der Zone gewählt wurden, kümmert sie sich vor allem um die Bedürfnisse von Frauen und Kindern. Der akute Mangel an Nahrung und Wasser sei das größte Problem, sagt sie. „Ältere Frauen sind auf sich allein gestellt. Kinder ohne Eltern leiden Hunger. Wir brauchen menschenwürdige Hilfe mit wichtigen Dingen wie Wasser.“
Ich möchte der Gemeinschaft helfen.
Nyawal Gatwech Puot, Vertrauensperson im Kakuma- Geflüchtetencamp
„Als Vertrauensperson geht es nicht darum, Anführer oder Anführerin zu sein. Es geht darum, anderen zu helfen“, sagte Carolyne Wainaina, LWB-Gebietsleiterin zu den neu gewählten Vertrauensleuten. „Respektieren Sie die Menschen, die Sie vertreten, fördern Sie den Frieden in diesen multikulturellen Gemeinschaften und arbeiten Sie eng mit den Behörden und den humanitären Partnern zusammen, so dass Fortschritt erzielt werden kann.“