Rumänien: Kirchliches Wirken und ökumenisches Engagement einer Minderheitskirche

Peter Kallay aus Rumänien berichtet im folgenden Interview, wie sein Glaube, das Engagement der Kirche und die weltweite Kirchengemeinschaft sein Leben als nicht-ordinierte Führungsperson in einer kleinen, ökumenisch orientierten Minderheitskirche prägen. 

25 Jul 2025
Image
Peter Kallay beim Seminar für Laien in kirchlichen Leitungsämtern nahe Genf. Foto: LWB/C. Kästner-Meyer

Peter Kallay beim Seminar für Laien in kirchlichen Leitungsämtern nahe Genf. Foto: LWB/C. Kästner-Meyer

Peter Kallay von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien  

(LWI) – Rumänien ist überwiegend christlich-orthodox geprägt, aber die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien vertritt eine kleine, gleichwohl dynamische Minderheit. Für Peter Kallay bedeutet die Tatsache, dass er sowohl ungarischsprachig als auch lutherisch ist, Diversität, Ökumene und kirchliches Engagement praktisch zu leben. Er versucht, sein Engagement als nicht-ordinierte Führungsperson in seiner Kirche und sein Promotionsstudium in Wirtschaftsinformatik bestmöglich unter einen Hut zu bringen, und berichtet im Folgenden, was es für ihn bedeutet, eine Führungsrolle zu übernehme, sich um andere Menschen zu kümmern und Teil einer globalen Kirchengemeinschaft zu sein.  

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Kirche und Ihre Rolle in der Kirche. 

Ich bin Mitglied in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien. Es gibt hier bei uns zwei lutherische Kirchen – eine deutschsprachige und eine ungarischsprachige – und ich bin Mitglied in der ungarischsprachigen Gemeinde.  

Die meisten Menschen in Rumänien sind rumänisch-orthodox, daher sind wir sowohl in Bezug auf unsere Nationalität als auch in Bezug auf unsere Konfession eine Minderheit. Aus diesem Grund haben Identität und Zugehörigkeit in unserer Kirche einen großen Stellenwert. Ich bin Presbyter in meiner Gemeinde, und in meiner Gemeinde und auf Dekanatsebene für die Kontrolle der Finanzen zuständig. Im letzten Jahr bin ich zudem in die Synode gewählt worden. Unsere Gemeinde ist klein, aber wir sind sehr offen und fühlen uns der Ökumene verpflichtet – vielleicht weil wir gleich in doppelter Hinsicht eine Minderheit sind. Wir heißen alle Menschen willkommen, egal wo sie herkommen oder welchen Glauben sie haben.  

Was sind in Ihren Augen die Vorteile, aber auch die Herausforderungen für Sie als nicht-ordinierte Führungsperson? 

Ein Pluspunkt ist, dass ich meine Kompetenzen und Fähigkeiten nutzen kann, um meine Gemeinde praktisch zu unterstützen. Aber es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Ich arbeite auch noch und promoviere ich in Wirtschaftsinformatik. Daher ist es manchmal schwierig, genug Zeit für ein umfassendes Engagement in der Gemeinde zu finden. Es ist fast, als hätte ich einen zweiten Job. Aber einen, für den ich immer Zeit finde.  

Ihre Kirche engagiert sich sehr aktiv in der Diakonie. Erzählen Sie uns etwas darüber? 

Ja, viele unserer Mitglieder sind schon alt, daher besuchen wir sie zu Hause, unterstützen sie, wenn nötig, finanziell und bringen die Predigten oftmals zu ihnen nach Hause. Einfach da sein und zuhören sind genauso wichtig wie die Hilfe. Zudem haben wir ein buntes Kinderprogramm. Im Sonntagsgottesdienst gibt es immer auch ein Kinderprogramm.  

Es geht genauso sehr darum, da zu sein und zuzuhören, wie darum, zu helfen.

Peter Kallay, Romänien

Was haben Sie beim Seminar für Laien in kirchlichen Leitungsämtern gelernt, an dem sie vor Kurzem teilgenommen haben? 

Es war großartig, so viele Menschen aus aller Welt kennenzulernen und von den Herausforderungen zu erfahren, mit denen sie in ihren Kirchen konfrontiert sind. Auch fand ich es sehr wertvoll, mehr über die LWB-Strategie zu erfahren. Sie ist ein gutes Bindeglied zu unseren Arbeitsschwerpunkten in Rumänien, insbesondere die Ökumene und das diakonische Engagement. Sie gibt uns ein gutes Werkzeug an die Hand.  

In Rumänien herrschte lange Zeit Kommunismus und die Kirche wurde dabei oftmals marginalisiert. Wie sah ihr persönlicher Glaubensweg in der Kindheit aus? 

Ich hatte Glück. Wir waren gläubig und für uns war es auch in der Zeit des Kommunismus kein Problem, unseren Glauben zu praktizieren. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen. Aber ich weiß, dass es nicht für alle einfach war. Viele Pfarrpersonen und Priester wurden wegen ihres Glaubens inhaftiert, und die lutherische Kirche war ganz besonders mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert.  

Wann haben Sie persönlich den Ruf vernommen, sich mehr in der Kirche zu engagieren? 

Als ich 18 oder 19 war, begann ich, mich mehr für die Kirche zu interessieren. Und ab da habe ich mich auch stärker engagiert. In meiner Familie gibt es aber auch einen lutherischen Geistlichen: Mein Urgroßvater war Pastor einer lutherischen Gemeinde. Ich habe zudem deutsche Wurzeln, aber die Verbindung zu diesem Teil meiner Familiengeschichte habe ich verloren.  

Und was bedeutet es für Sie heute, Teil des Lutherischen Weltbunds zu sein? 

Am wichtigsten ist wohl, zu wissen, dass man nicht allein ist. Wenn man in der sehr großen Welt Mitglied einer sehr kleinen Kirche ist, kann man sich manchmal sehr allein fühlen. Aber durch den LWB weiß man, dass es, egal wo man hinkommt, in fast allen Ländern der Welt jemanden gibt, der dich unterstützen kann – als gläubige Einzelperson, aber auch als Kirche. Man weiß, an wen man sich wenden kann; dass man Teil eines größeren Ganzen ist.  

LWB/C. Kästner-Meyer