Der Erzbischof der Schwedischen Kirche, Nathan Söderblom (vierter von links, vordere Reihe), sitzt auf diesem Foto aus dem Jahr 1925 zwischen anderen ökumenischen Führern. Foto: Universität Uppsala
LWB-Generalsekretärin bei Jubiläum der Weltkirchenkonferenz in Schweden
(LWI) - Die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, gehört zu den zahlreichen christlichen Führungskräften, die an der Ökumenischen Woche in Schweden teilnehmen. Sie findet vom 18.–24. August in Stockholm statt. In diesem Jahr schaut diese Veranstaltung auf die „Weltkonferenz für praktisches Christentum“ zurück, die ebenfalls in Stockholm stattfand und für die frühe ökumenische Bewegung eine wegweisende Zusammenkunft war.
Schwedens Ministerpräsident und Mitglieder der königlichen Familie werden gemeinsam mit zahlreichen lutherischen, anglikanischen, katholischen, orthodoxen und anderen Kirchenleitenden an der Versammlung teilnehmen. Geplant sind eine Gebetswache, Andachten, kulturelle Veranstaltungen sowie mehr als 70 Seminare und Rundtischgespräche. Am Wochenende wird ebenfalls ein „Reach Peace“-Jugendfestival gefeiert, das sich besonders an junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren aus unterschiedlichen christlichen Traditionen richtet.
LWB-Generalsekretärin Burghardt zeigte sich erfreut darüber, an den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum der Konferenz in Stockholm teilnehmen zu dürfen. „Heute gilt: lutherisch zu sein bedeutet, ökumenisch zu sein. Aus historischer Sicht kann die Bedeutung dieser ersten Versammlung kirchlicher Führungskräfte gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Den Vorsitz der Konferenz hatte der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom, der von vielen als der Architekt der modernen ökumenischen Bewegung angesehen wird“, sagte sie.
Lutherisch zu sein, bedeutet, ökumenisch zu sein, und aus historischer Sicht kann die Bedeutung der Weltkonferenz von Stockholm nicht hoch genug eingeschätzt werden.
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt
„Europa war nach dem Ersten Weltkrieg verwüstet, und die Christenheit musste eine tiefe Spaltung der Kirchen bewältigen. In dieser Zeit gelang Söderblom eine Begegnung christlicher Führungskräfte, um die Einheit durch praktischen Dienst zu fördern. Dies war die Vision der ‚Bewegung für praktisches Christentum‘, an deren Spitze er sich stellte“, sagte Burghardt. „Die Weltkonferenz von Stockholm nutzte die Aufbruchstimmung der Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahre 1910 und legte neben der Bewegung, Glauben und Kirchenverfassung den Grundstein für eine internationale ökumenische Bewegung. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges entstand daraus der Ökumenische Rat der Kirchen“, fügte sie hinzu.
Die Organisatoren der jährlich stattfindenden Ökumenischen Woche sind Mitglieder des Christenrates von Schweden, der ebenfalls im Nachgang der Stockholmer Konferenz gegründet wurde. Friedensarbeit und Versöhnung, die zentralen Themen der Konferenz 1925, seien auch für die Kirchen und Gesellschaften der heutigen Zeit von hoher Relevanz, so die Veranstalter.
Friedensarbeit und Versöhnung waren zentrale Themen der Konferenz 1925 und sind auch für die Kirchen und Gesellschaften der heutigen Zeit weiterhin von hoher Relevanz.
Christenrat von Schweden
Rund 600 Delegierte, darunter etwa 60 Frauen, nahmen am 19. August 1925 an der Eröffnung der Konferenz teil. Die Atmosphäre war angespannt: Zum ersten Mal begegneten deutsche Kirchenleitende persönlich Delegierten aus Frankreich, England und weiteren Ländern, die im Ersten Weltkrieg auf gegnerischen Seiten gestanden hatten.
Die katholische Kirche hatte zwar keine Delegierten zu der Versammlung entsandt, aber die an der Konferenz teilnehmenden orthodoxen, lutherischen, anglikanischen und anderen protestantischen Kirchenleitenden teilten gemeinsam die Hoffnungen auf Frieden und Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und Nationen. 1930 wurde Söderblom als erster Kirchenführer mit dem Nobelpreis geehrt aufgrund seines wegweisenden Engagements für „eine neue Denkweise, die erforderlich ist, wenn der Friede zwischen den Nationen Wirklichkeit werden soll.“
An der Ökumenischen Woche 2025 werden u. a. der Sekretär des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Erzbischof Flavio Pace, und der schwedische Kardinal Anders Arborelius sowie der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Prof. Dr. Jerry Pillay, teilnehmen. Die Teilnahme an allen Seminaren und offenen Veranstaltungen ist kostenlos. Weitere Einzelheiten und ein vollständiges Programm finden Sie auf der Website des Christenrates von Schweden.