„Nicht nur ein Job, sondern eine Berufung“

Ob in Geflüchtetensiedlungen in Uganda oder in Konfliktzonen in Äthiopien und Myanmar – für die die humanitären Einsatzkräfte des LWB ist ihre oft gefährliche Arbeit eine Berufung, die auf Glauben und Mitgefühl basiert.

19 Aug 2025
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Daicelis Beria, who works with indigenous communities in Delta Amacuro, Venezuela. Photo: LWF Colombia-Venezuela

Daicelis Beria, die mit indigenen Gemeinschaften in Delta Amacuro, Venezuela arbeitet. Foto: Kolumbien-Venezuela

LWB-Einsatzkräfte berichten über ihre Motivation, Menschen in Krisengebieten zu helfen

(LWI) – „Humanitäre Arbeit ist nichts für Menschen, die schnell den Mut verlieren“, sagt Caroline Wainaina, LWB-Gebietsmanagerin im Geflüchtetenlager Kakuma in Kenia. „Das ist eine Aufgabe für diejenigen, die bereit sind, die Last anderer Menschen mitzutragen und sich mit Mut, Mitgefühl und Hoffnung einzubringen.“ 

Caroline gehört zu den mehr als 7.000 LWB-Mitarbeitenden, die weltweit in Krisengebieten im Einsatz sind. Ihr Dienstort Kakuma ist eines der größten Geflüchtetenlager weltweit und bietet all den Menschen vorübergehend Schutz, die sich vor Krieg und Gewalt in der Region in Sicherheit gebracht haben. Ihr Glaube gibt ihr Halt, wenn die Ressourcen angesichts der überwältigenden Not so hoffnungslos unzureichend sind.

Wir machen weiter, weil jedes Lächeln, jedes gerettete Leben uns daran erinnern, wie wichtig unsere Arbeit ist.

Caroline Wainaina, Kenia 

„Ich glaube daran, dass Gott mir ein humanitäres Herz gegeben hat“, sagt sie. „Es schmerzt, wenn Menschen leiden, und es schlägt dafür, den Menschen ihre Würde zu erhalten. Jedes Lächeln, jedes gerettete Leben erinnern uns daran, wie wichtig unsere Arbeit ist.“

Nicht aufgeben in schwierigen Situationen 

So wie sie identifizieren sich viele humanitäre Hilfskräfte weltweit mit ihrer Arbeit. „Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn beim LWB in Äthiopien musste ich mich mit begrenzten finanziellen Mitteln, schlechter Infrastruktur und prekären Sicherheitslagen auseinandersetzen“, berichtet Yibrah Amare, der in der Region Tigray in Äthiopien für die Existenzsicherungsprogramme zuständig ist „Trotzdem konnten wir Menschen helfen, deren Zuhause zerstört wurde und die über keinerlei Mittel mehr verfügten.“

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Caroline Wainaina in her office. Photo: LWF Kenya-Somalia

Caroline Wainaina in ihrem Büro. Foto: LWF Kenia-Somalia

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Yibrah Amare at his duty station. Photo: LWF Ethiopia

Yibrah Amare an seinem Dienstort Foto: LWB Äthiopien

Die Realität der Arbeit in der Not- und Entwicklungshilfe ist extrem – vielerorts steigt der Bedarf angesichts aufflammender Konflikte, während die verfügbaren Mittel gekürzt werden. Hilfsdienstmitarbeitende sind oft gezwungen, die schwierigste aller Entscheidungen zu treffen. Wem wird geholfen, wem nicht? „Jetzt gerade sagte eine Mutter zu mir: ‚Bis vor kurzem hatte ich noch genug, um zu träumen. Jetzt habe ich nur noch genug, um zu überleben‘“, erzählt Daicelis Beria, die mit indigenen Gemeinschaften im Bundesstaat Delta Amacuro, Venezuela arbeitet. „Mittelkürzungen spürt man nicht in den Büros. Man erkennt  sie in den Augen der Menschen, die keine medizinische Hilfe mehr erhalten, in den Augen der Kinder, die keinen sicheren Ort mehr zum Spielen haben, in den Augen der Frauen, die in besonders schutzbedürftigen Lebenssituationen keine Unterstützung mehr bekommen.“ 

Arbeit unter Bedrohung

 „Mein ganzes Leben lang habe ich Menschen geholfen, gesund zu bleiben – erst als Ärztin, jetzt als Psychologin“, sagt Mariana Buhaievska, beim LWB in der ukrainischen Frontstadt Charkiw zuständig für mentale Gesundheit und psychologische Unterstützung. „Unter dieser konstanten Stressbelastung ist es wichtiger denn je, den Menschen zur Seite zu stehen und sie daran zu erinnern, auf sich selbst zu achten. Nur so überstehen sie auch psychisch den nächsten Tag und können für andere Menschen da sein.“

Für viele LWB-Mitarbeitende sind nicht nur knappe Mittel, sondern auch die Sicherheitslage zunehmend ein Problem. In der Ukraine arbeitet das LWB-Team in Charkiw unter der ständigem Beschuss von Raketen und Drohnen. In Gaza sind das medizinische Personal und Krankenhäuser selbst zur Zielscheibe von Angriffen geworden, und Lebensmittel und Wasser sind nicht nur für die Patienten und Patientinnen knapp, sondern auch für Ärztinnen und Pfleger, die versuchen, sie zu versorgen. „Wir reden immer über Menschenrechte, aber keines dieser Rechte existiert hier“, sagt Alaa, die als Krankenschwester auf der Krebststation eines Partnerkrankenhaus des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Gaza arbeitet.

Sie appelliert an den Schutz von zivilem Leben und humanitärer Arbeit besonders in den gewalttätigsten Konflikten: „Meine Arbeit bestand immer aus dem Dienst an hilfsbedürftigen Patienten. Heute sind nicht nur die Patienten und Patientinnen hilfsbedürftig, sondern auch ich.“

LWF/C. Kästner-Meyer