Namibia: Weisheit in diakonische Arbeit einfließen lassen – in ganz Afrika 

Frauen in Führungspositionen in lutherischen Kirchen aus ganz Afrika sind in Namibia zu einem viertägigen Workshop zusammengekommen, um gemeinsam nachzudenken, sich auszutauschen und Konzepte für eine inklusive Diakonie zu erarbeiten.  

24 Nov 2025
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Teilnehmerinnen am „Woven Wisdom Workshop“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia im November 2025. Foto: David Mang’enda 

Teilnehmerinnen am „Woven Wisdom Workshop“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia im November 2025. Foto: David Mang’enda 

Viertägiger Workshop in Nordnamibia rüstet Frauen mit Kompetenzen für transformatives Leitungswirken und Arbeiten zu 

(LWI) – Eine Gruppe von Frauen aus lutherischen Kirchen in neun afrikanischen Ländern hat sich in einem Workshop mit dem Titel „Woven Wisdom: Women Leading the Future of Diakonia in a Changing World” (Gewebte Weisheit: Frauen gestalten die Zukunft der Diakonie in einer sich verändernden Welt) inspirieren lassen und wurden zu mehr Selbstbestimmung zugerüstet. An der vom Lutherischen Weltbund (LWB) geförderten Veranstaltung vom 10. bis 14. November nahmen 28 Frauen verschiedener Generationen aus Angola, Botswana, Malawi, Sierra Leone, Südafrika, Sambia, Simbabwe, Tansania und dem Gastgeberland Namibia teil.  

Der Workshop bot einen wichtigen Rahmen für den Austausch über diakonische Arbeit in den Gemeinden, bewährte Praxisbeispiele, die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit und die Zurüstung von Frauen mit Kompetenzen, um im jeweils eigenen Umfeld eine transformative Führungsrolle zu übernehmen. Im Rahmen von Exkursionen, Peer-Learning und partizipativen Dialogen wurden Erfahrungen ausgetauscht und Möglichkeiten diskutiert, wie Herausforderungen wie die Klimakrise und Gender-Ungleichheit sowie die Risiken und Chancen der sich rasch entwickelnden Digitalisierung bewältigt werden können. 

Zu Beginn des Workshops wurden die Teilnehmerinnen in Windhuk von Mitgliedern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (ELKIN) empfangen und machten sich dann auf die achtstündige Reise in den Bezirk Oniipa im Norden des Landes. „Die Reise selbst stärkte unser Zusammengehörigkeitsgefühl schon“, erzählte eine Teilnehmerin. „Wir haben uns während der Fahrt von unseren Erfahrungen berichtet und von Herausforderungen und Hoffnungen erzählt und das hat schon viel Zusammenhalt unter uns geschaffen.“  

Es verändert sich etwas, wenn Frauen starke Beziehungen aufbauen und ihre Weisheit, ihren Glauben und ihren Mut miteinander verbinden.

Rebekka Meissner, Programmreferentin für Diakonie und die Projekte von Mitgliedskirchen 

Der Generalsekretär der ELKIN, Pfarrer Dr. Naufiku, zitierte in seiner Ansprache bei der Eröffnungssitzung ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, gehe allein; wenn du aber weit gehen willst, gehe gemeinsam mit anderen.“ Er fügte hinzu: „Wenn wir die Herausforderungen der heutigen Zeit meistern wollen, brauchen wir Einigkeit und ein gemeinsames Ziel.“ Damit regte er die Teilnehmerinnen an, das im Workshop erworbene Wissen an ihre Schwesterkirchen weiterzugeben.  

Ein zentrales Thema des Workshops war „Selbstreflexion im Führungswirken“; die LWB-Programmreferentin für Diakonie und die Projekte von Mitgliedskirchen, Rebekka Meissner, stellte es vor. Sie ermutigte die Teilnehmerinnen, ihre Motivationsgründe, ihre emotionalen Reaktionen und die Auswirkungen ihres Handelns als religiöse Führungskräfte in einem Gemeindekontext zu analysieren. Anhand von Beispielen aus der Bibel wurde auch die Bedeutung eines „dienenden Führungswirkens“ und eines von Demut und Empathie geprägten Führungswirkens betont.  

Meissner berichtete, wie die Teilnehmerinnen sich anhand von Geschichten, Kunst und anderen kreativen Aktivitäten miteinander austauschten und lobte die offene und vertrauensvolle Atmosphäre des Workshops. Sie sagte: „Die Frauen haben sich gegenseitig gestärkt, indem sie über ihren Schmerz und über Unrecht sprachen, um Unterstützung baten und Lebenserfahrungen, Wissen und ihre Weisheit miteinander teilten. Es verändert sich etwas, wenn Frauen starke Beziehungen aufbauen und ihre Weisheit, ihren Glauben und ihren Mut miteinander verbinden.“  

Zurüsten statt Bevormunden  

Linda Chikerema, verantwortlich für Diakonie, Mission und Sozialdienste bei der ELKIN, moderierte eine Sitzung zum Thema „Bedürfnisse indigener Bevölkerungsgruppen“. Dabei betonte sie, dass Diakonie nur dann wirksam sein könne, wenn sie „kontextbezogen und kultursensibel“ sei. Wirksames Handeln setze voraus, „dass den Menschen zugehört wird, historische Ungerechtigkeiten anerkannt und gemeinsam Maßnahmen entwickelt werden, die die Menschen zu mehr Selbstbestimmung zurüsten, anstatt sie zu bevormunden“, erklärte sie. Eine weitere Moderatorin, Dr. Emma Nangolo, führte die Teilnehmerinnen durch anregende Gespräche über Gendergerechtigkeit und erläuterte, wie man kritische Themen in respektvoller und konstruktiver Weise diskutieren könne.   

Die Teilnehmerinnen besuchten auch das Dorf Omutunde, eine von Frauen geleitete Selbsthilfegruppe von und für Menschen mit HIV/AIDS. Die Mitglieder der Gruppe präsentierten Projekte, mit denen sie Einkomen generieren, wie z. B. Perlenstickerei, die Herstellung von Marulaöl und einen Sparverein, und erläuterten, wie durch die generationenübergreifende Zusammenarbeit Nachhaltigkeit entstehe. Sie berichteten auch, wie die im Rahmen des Good-Governance-Projekts der ELKIN entwickelten Verwaltungsstrukturen den Mitgliedern bei der Verwaltung ihrer Ressourcen und der Zahlung von Schulgebühren geholfen und die Resilienz der Gemeinschaft gestärkt haben.  

Weisheit, Lebenserfahrung und Mitgefühl fließen in konkretes Handeln ein 

Bei einem weiteren Projektbesuch im Engela Parish Institute konnten die Teilnehmerinnen die Folgen der jüngsten Unwetter auf die Infrastruktur der Gemeinde mit eigenen Augen sehen. Im Rehabilitationszentrum der ELKIN wurden verschiedene Angebote für Menschen mit Behinderung vorgestellt, wie zum Beispiel der Druck in Braille-Schrift oder gemeindenahe Betreuung. Bei den Besuchen wurde deutlich, wie ganzheitliche Diakonie, also die Kombination von sozialer, wirtschaftlicher und seelsorgerischer Unterstützung, Gemeinwesen verändern kann.  

Der Workshop konnte den Teilnehmerinnen mit Erkenntnissen aus der Bibel, praktischen Hilfsmitteln, einer Schulung zum Thema Medienkompetenz sowie der Einbindung des Gemeinwesens das nötige Rüstzeug vermitteln, um transformative Maßnahmen zu ergreifen, die den einzelnen Menschen respektieren und kulturelle Besonderheiten berücksichtigen. Die Teilnehmerinnen verließen Oniipa nicht nur mit besseren Fähigkeiten, sondern auch mit einem Netzwerk von Gleichgesinnten, die sich dafür einsetzen, Wissen und Weisheiten in ganz Afrika in konkrete Taten umzusetzen.  

„Als Frauen haben Sie die Aufgabe, Ihre Weisheit und Ihr Wissen, Ihre Lebenserfahrung und Anteilnahme in alle Facetten Ihrer Arbeit einfließen zu lassen und überall Hoffnung, Heilung und Veränderung zu bewirken“, sagte Pfarrer Joseph Ngula, der Leiter der Abteilung Mission, Diakonie und Sozialdienste bei der ELKIN, zum Abschluss.  

LWF/E. Williams and ELCIN/L. Chikerema