Namibia: Kirche bringt Good Governance voran

Ein über sechs Jahre laufendes Projekt in Namibia definiert Governance neu als geistliche Pflicht, Förderung von Transparenz, Inklusion und ethischer Leitungsverantwortung. Dabei wurden Frauen und Jugendliche bestärkt und die Glaubwürdigkeit der Kirche im Land verbessert.

26 Jun 2025
Image
Good governance ist mit den theologischen Grundlagen der Kirche verbunden. Foto: LWB/Johanan Celine Valeriano

Good governance ist mit den theologischen Grundlagen der Kirche verbunden. Foto: LWB/Johanan Celine Valeriano

Miteinander verknüpft: Good Governance und die geistliche Grundlage der Kirche 

(LWI) – Mit ihrer Abteilung für Mission, Diakonie und soziale Dienste (DMDSS) hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN) ihr Sechsjahres-Programm „Church as a Vehicle of Good Governance” (Kirche bringt Good Governance voran) gestartet. Unterstützung bekam sie bei diesem Vorhaben vom Lutherischen Weltbund (LWB). 

„Mit der Initiative sollten Schwachstellen bezüglich der Leitungsstruktur sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft angegangen werden, um einen transformativen Wandel herbeizuführen“, sagte DMDSS-Projektberaterin Linda Chikerema. „Das Projekt beruht theologisch darauf, dass Governance als spirituelles und moralisches Gebot neu definiert wird, indem die Grundprinzipien Gerechtigkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz in den Auftrag und die Arbeit der Kirche einbezogen werden.“

Das Projekt beruht theologisch darauf, dass Governance als spirituelles und moralisches Gebot neu definiert wird, indem die Grundprinzipien Gerechtigkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz in den Auftrag und die Arbeit der Kirche einbezogen werden.

Linda Chikerema, Projektreferentin ELKIN

Vision und Phasen des Projekts 

Das Projekt wurde angeregt als Reaktion auf systemische Ungleichheit, Korruption und die Marginalisierung von Frauen, Jugendlichen und ländlichen Bevölkerungsgruppen. Die ELKIN sah in diesen Problemen nicht nur politisches Versagen, sondern auch ein theologisches Anliegen. Im Sinne ihrer Verfassung unternahm die Kirche den Versuch, das Thema Governance in ihren spirituellen Rahmen einzubetten.

Das Projekt zielte in erster Linie darauf ab, die kirchlichen Leitungsansätze für eine transparente und kosteneffiziente Erbringung von Dienstleistungen zu verbessern, die Rechenschaftspflicht und Transparenz auf allen Leitungsebenen zu stärken und Interessengruppen und Advocacy innerhalb und außerhalb der Kirche zu stärken.

Das Projekt hatte eine klare Vision und wurde in zwei verschiedenen Phasen umgesetzt. In der ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der institutionellen Reform und der Einführung von Systemen und Verfahren zur Gewährleistung von Transparenz und Integrität.

In der zweiten Phase ging es zum einen um den Aufbau von Kapazitäten, insbesondere für Frauen und Jugendliche, und zum anderen um die Förderung der sozialen Integration und um Advocacy. 

Große Errungenschaften 

Das Projekt stärkte die institutionellen Kapazitäten der ELKIN dank der klaren Aufgabendefinition, der Einführung von Standardverfahren und einer besseren Koordination zwischen den Diözesen und Abteilungen erheblich.

Image
Frauen nehmen an einem Workshop zum Thema Good Governance teil. Foto: ELKIN

Frauen nehmen an einem Workshop zum Thema Good Governance teil. Foto: ELKIN

Image
Eines der Kirchengebäude der ELKIN. Foto: ELKIN

Eines der Kirchengebäude der ELKIN. Foto: ELKIN

Image
Participants in a workshop on good governance. Photo: ELCIN

Teilnehmende eines Good Governance Workshops. Foto: ELKIN

Mit Governance-Systemen wie z.B. transparente Finanzinstrumente, Überwachungsmechanismen und Verfahren zur Beilegung von Konflikten werden das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit gestärkt. Gezielte Schulungen für kirchliche Mitarbeitende und Führungskräfte befassten sich mit den Themen ethische Führung, Korruptionsbekämpfung, Geschlechtergerechtigkeit und Finanzwissen und förderten so eine Kultur der Integrität.

Wichtige Strategien - eine neue Personalpolitik, ein Verhaltenskodex und eine Richtlinie zur Gendergerechtigkeit - wurden aktualisiert und im Rahmen von Schulungen vermittelt.

Praktische Arbeitshilfen wie Schulungshandbücher, Prüfungsvorlagen und eine Strategie zur Mobilisierung von Ressourcen wurden festgeschrieben.

Mit Predigten und Podiumsdiskussionen förderte das Projekt Rechenschaftspflicht und gesellschaftliche Verantwortung und stärkte Frauen und Jugendliche in Leitungsaufgaben und Advocacy.

Die wichtigsten Erfolge 

Der ELKIN ist der Wandel von einer schwachen Institution zu einer glaubwürdigen, zielgerichteten Einrichtung mit integrierter Führung und einer stärkeren zivilen Präsenz gelungen. Die Kirchenleitenden haben angefangen, ihre Führungsaufgabe als Dienst zu sehen und partizipative Entscheidungsfindung zu fördern. Sie sind so zu ethischen Vorbildern und Verfechtern sozialer Gerechtigkeit geworden.

Mit dem Projekt wurde erstmals eine Gender-Politik der ELKIN eingeführt, wofür u.a. die erste Ordination der weiblichen Bischöfin, Pfarrerin Hilja Nghaangulwa, steht.

Das DMDSS-Sekretariat führte eine ergebnisorientierte Kultur ein, definierte die Aufgaben der Mitarbeitenden neu und konnte neue Partnerschaften gewinnen. Die Pfarrpersonen erweiterten ihren Aufgabenbereich und setzten sich für die Bevölkerung ein, die Kirchenmitglieder engagieren sich stärker in Leitungsaufgaben und Entwicklung. In den Bereichen Advocacy, Klimagerechtigkeit und soziales Unternehmertum hat die Jugend die Verantwortung übernommen.

Die ELKIN gewann auch im Inland an Ansehen und beteiligte sich an Dialogen, Kampagnen und interreligiösen Plattformen.

Herausforderungen und Erkenntnisse 

Im Laufe der sechs Jahre stieß die ELKIN bei der Umsetzung ihrer Governance-Reformen auf manche Herausforderungen. Trotzdem stärkte das Projekt Transparenz, Partizipation und ethische Führung.

Dank einer strategischen Planung, der effizienten Nutzung kirchlicher Netzwerke und flexibler Schulungsmaterialien konnte Ressourcennmangel bewältigt werden. 

Das Thema Governance wurde in die Gottesdienste, die Verwaltung und die Ausbildung eingebunden, wodurch die Abhängigkeit von externer Finanzierung reduziert und Nachhaltigkeit gewährleistet wird.

Zur Unterstützung weiterer Reformen gibt es eine Exit-Strategie und ein Advocacy-Toolkit.

Institutionelle Widerstände wurden durch Verhandlungen, generationenübergreifende Foren und die Veranschaulichung von Führungsaufgaben als theologische Verantwortung überwunden. Seit längerer Zeit tätige Führungskräfte nahmen an Seminaren zum Thema biblisches Leiten teil und halfen dabei, alte Denkmuster zu überwinden. Kulturell akzeptierte Trägheit und Missverständnisse in Bezug auf die Rechenschaftspflicht waren Thema von Sensibilisierungskampagnen und Dialogen. Das Projekt förderte partizipative Regierungsführung und Inklusion, stärkte marginalisierte Gruppen und stellte traditionelle Machtdynamiken in Frage.

„Das Projekt lässt eine veränderte Identität der Kirche zurück“, resümiert Chikerema. „Die ELKIN dient nun als Modell für institutionelle Reformen in der Kirche. Sie zeigt, dass eine theologisch fundierte Leitung dauerhaft zu einem sozialen und institutionellen Wandel führen kann.“ 

LWB/A. Weyermüller
Themen:
Land:
Namibia
Region: