Carmen Garcia verlas die Erklärung des LWB vor dem Menschenrechtsrat. Foto: LWB/C. Kästner-Meyer
„International vergessen und vernachlässigt“
(LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) hat die internationale Gemeinschaft und die venezolanische Regierung dazu aufgerufen, zeitnah wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um eine der langwierigsten und am stärksten vernachlässigten humanitären Krisen in Lateinamerika zu bewältigen.
In einer Stellungnahme zur 59. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen machte der LWB auf die katastrophalen Lebensbedingungen in Venezuela aufmerksam, insbesondere auf den Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen und die zunehmende Einschränkung zivilgesellschaftlicher und demokratischer Freiräume. Präsentiert wurde die Erklärung von Carmen Garcia, der regionalen Programmkoordinatorin des LWB für Lateinamerika und die Karibik.
Als glaubensmotivierte humanitäre Hilfsorganisation mit langjähriger lokaler Präsenz kennen wir das Ausmaß dieser Krise und die zunehmende Gefährdung von Millionen Menschen aus nächster Nähe.
Carmen Garcia, Koordinatorin des Regionalprogramms Lateinamerika und Karibik
„Als glaubensmotivierte humanitäre Hilfsorganisation mit langjähriger lokaler Präsenz kennen wir das Ausmaß dieser Krise und die zunehmende Gefährdung von Millionen Menschen aus nächster Nähe,“ heißt es in der Stellungnahme des LWB.
Indigene Gemeinschaften stark betroffen
Besonders schwer trifft die humanitäre Krise indigene Gemeinschaften im Amacuro-Delta, etwa das Volk der Warao. Sie leiden unter anhaltender Vertreibung, Umweltzerstörung durch illegalen Bergbau sowie mangelndem Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung und Bildung. „Kindersterblichkeit, Unterernährung sowie ein Mangel an sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung gehören für diese Gemeinschaften zum Alltag“, betonte der LWB in seiner Stellungnahme.
Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem humanitären Länderprogramm des LWB in Kolumbien und Venezuela. „Als internationale humanitäre Hilfsorganisation mit religiösem Hintergrund können wir dank unserer kontinuierlichen Präsenz vor Ort besonders gefährdete Gemeinschaften unterstützen, sektorübergreifende Projekte umsetzen und uns ein unmittelbares Bild vom Ausmaß der Not machen“, erklärte Garcia vor dem Menschenrechtsrat. Sie stammt selbst aus Venezuela und war bis 2024 LWB-Länderbeauftragte für Kolumbien und Venezuela.
Menschenrechtsorientierte Maßnahmen erforderlich
In seiner Stellungnahme fordert der LWB eine humanitäre Antwort, die sich an den Grundsätzen der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der menschlichen Würde orientiert. „Hunger und Unterernährung sind Menschenrechtsfragen“, bekräftigte der LWB in seiner Erklärung und schloss sich damit der Position des UN-Sonderberichterstatters zum Recht auf Nahrung an.
Der LWB ruft alle Akteure dazu auf, die humanitäre Hilfe und die bestehenden Kooperationsmechanismen auszuweiten, den diskriminierungsfreien Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu gewährleisten und den Rechten sowie dem Wohlergehen der am stärksten betroffenen Gruppen – insbesondere indigener Gemeinschaften, Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen – oberste Priorität einzuräumen.
Der LWB beteiligt sich aktiv an der 59. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats (16. Juni bis 9. Juli 2025) und engagiert sich insbesondere für die Menschenrechte im Irak und in Venezuela sowie für den Schutz von Frauen und Mädchen. Zudem ist der LWB an der Organisation einer Begleitveranstaltung beteiligt, die sich mit der Förderung von Rechten und Geschlechtergerechtigkeit in Zeiten schwindender zivilgesellschaftlicher Freiräume befasst, um den Stimmen der Gemeinschaften, denen er weltweit dient, mehr Gehör zu verschaffen.