LWB engagiert sich bei UN-Menschenrechtsrat für gefährdete Gemeinschaften in Venezuela

Bei der 59. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats rief der Lutherische Weltbund (LWB) die Regierung Venezuelas und die internationale Gemeinschaft zu einem besseren Umgang mit einer der langwierigsten und am wenigsten beachteten humanitären Krisen in Lateinamerika auf.

27 Jun 2025
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Carmen Garcia verlas die Erklärung des LWB vor dem Menschenrechtsrat. Foto: LWB/C. Kästner-Meyer

Carmen Garcia verlas die Erklärung des LWB vor dem Menschenrechtsrat. Foto: LWB/C. Kästner-Meyer

„International vergessen und vernachlässigt“

(LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) hat die internationale Gemeinschaft und die venezolanische Regierung dazu aufgerufen, zeitnah wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um eine der langwierigsten und am stärksten vernachlässigten humanitären Krisen in Lateinamerika zu bewältigen.

In einer Stellungnahme zur 59. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen machte der LWB auf die katastrophalen Lebensbedingungen in Venezuela aufmerksam, insbesondere auf den Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen und die zunehmende Einschränkung zivilgesellschaftlicher und demokratischer Freiräume. Präsentiert wurde die Erklärung von Carmen Garcia, der regionalen Programmkoordinatorin des LWB für Lateinamerika und die Karibik.

Als glaubensmotivierte humanitäre Hilfsorganisation mit langjähriger lokaler Präsenz kennen wir das Ausmaß dieser Krise und die zunehmende Gefährdung von Millionen Menschen aus nächster Nähe.

Carmen Garcia, Koordinatorin des Regionalprogramms Lateinamerika und Karibik

„Als glaubensmotivierte humanitäre Hilfsorganisation mit langjähriger lokaler Präsenz kennen wir das Ausmaß dieser Krise und die zunehmende Gefährdung von Millionen Menschen aus nächster Nähe,“ heißt es in der Stellungnahme des LWB.

Indigene Gemeinschaften stark betroffen

Besonders schwer trifft die humanitäre Krise indigene Gemeinschaften im Amacuro-Delta, etwa das Volk der Warao. Sie leiden unter anhaltender Vertreibung, Umweltzerstörung durch illegalen Bergbau sowie mangelndem Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung und Bildung. „Kindersterblichkeit, Unterernährung sowie ein Mangel an sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung gehören für diese Gemeinschaften zum Alltag“, betonte der LWB in seiner Stellungnahme.

Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem humanitären Länderprogramm des LWB in Kolumbien und Venezuela. „Als internationale humanitäre Hilfsorganisation mit religiösem Hintergrund können wir dank unserer kontinuierlichen Präsenz vor Ort besonders gefährdete Gemeinschaften unterstützen, sektorübergreifende Projekte umsetzen und uns ein unmittelbares Bild vom Ausmaß der Not machen“, erklärte Garcia vor dem Menschenrechtsrat. Sie stammt selbst aus Venezuela und war bis 2024 LWB-Länderbeauftragte für Kolumbien und Venezuela.

Menschenrechtsorientierte Maßnahmen erforderlich

In seiner Stellungnahme fordert der LWB eine humanitäre Antwort, die sich an den Grundsätzen der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der menschlichen Würde orientiert. „Hunger und Unterernährung sind Menschenrechtsfragen“, bekräftigte der LWB in seiner Erklärung und schloss sich damit der Position des UN-Sonderberichterstatters zum Recht auf Nahrung an.

Der LWB ruft alle Akteure dazu auf, die humanitäre Hilfe und die bestehenden Kooperationsmechanismen auszuweiten, den diskriminierungsfreien Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu gewährleisten und den Rechten sowie dem Wohlergehen der am stärksten betroffenen Gruppen – insbesondere indigener Gemeinschaften, Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen – oberste Priorität einzuräumen.

Mündliche Erklärung des Lutherischen Weltbundes auf der 59. Sitzung des Menschenrechtsrats

ITEM 4: Interactive dialogue on High Commissioner’s report on Venezuela

Mr President,

The Lutheran World Federation (LWF) thanks the High Commissioner for his important report. 

The humanitarian crisis in Venezuela continues to be one of the most serious and protracted in the region, but it seems to be forgotten and neglected internationally. Despite some specific progress, the situation continues to be characterized by the deterioration of social and economic rights, the collapse of basic services, and the erosion of civic and democratic space, which deepens the vulnerability of millions of people.

As a faith-based international humanitarian organization, our constant presence on the ground allows us to support the most vulnerable communities, implement multi-sector projects, and witness first-hand the magnitude of the needs.

The Venezuelan population faces serious deficiencies in key sectors such as food security, health, and access to water, sanitation, and hygiene (WASH). We highlight the critical situation of the Indigenous peoples of the Amacuro Delta, such as the Warao, who suffer from neglect, displacement, river pollution due to illegal mining, and a lack of health and education services. Infant mortality, malnutrition, and lack of access to clean water and medical care are everyday realities for these communities.

  • We call on the international community and the Venezuelan government to redouble their efforts to assist the most vulnerable, especially indigenous peoples, women, children, and persons with disabilities. It is essential to strengthen cooperation and humanitarian assistance mechanisms, guarantee non-discriminatory access to basic services, and protect the space for humanitarian organizations to operate.
  • We urge all parties to facilitate humanitarian access and prioritize the well-being of the affected population.
  • We call up on the international community, the government of Venezuela and all humanitarian actors to a humanitarian response based on human rights, justice, and dignity for all. “Hunger and malnutrition are a human rights issue” – as stated by the UN Special Rapporteur on the right to food.
  • We reaffirm our commitment to act in accordance with the humanitarian principles of neutrality, impartiality, and independence, avoiding any political confrontation and focusing on protecting the lives and rights of those most in need.

Thank you Mr. president 

Der LWB beteiligt sich aktiv an der 59. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats (16. Juni bis 9. Juli 2025) und engagiert sich insbesondere für die Menschenrechte im Irak und in Venezuela sowie für den Schutz von Frauen und Mädchen. Zudem ist der LWB an der Organisation einer Begleitveranstaltung beteiligt, die sich mit der Förderung von Rechten und Geschlechtergerechtigkeit in Zeiten schwindender zivilgesellschaftlicher Freiräume befasst, um den Stimmen der Gemeinschaften, denen er weltweit dient, mehr Gehör zu verschaffen.

LWB/C. Kästner-Meyer