Uhuru Dempers, Leiter des Referats für soziale Entwicklung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELKRN), bei der vorbereitenden Sitzung zum UPR in Genf. Foto: LWB/S. Ndlovu
Berichte über Engagement für gerechtere und nachhaltigere Zukunft bei vorbereitender Sitzung zum Universellen Periodischen Überprüfungsverfahren der UN
(LWI) – Auf den Salomonen erleben Kinder, wie einstige Landschaften vom Meer verschluckt werden. In Sierra Leone fordern Frauen ihre Einbindung in die wichtige Arbeit zur Schaffung von Frieden und den Aufbau von Klimaresilienz. In Namibia drängen Klimaaktivistinnen und -aktivisten auf eine gerechte Energiewende zum Wohle vulnerabler Bevölkerungsgruppen.
Bei einer vorbereitenden Sitzung zum Universellen Periodischen Überprüfungsverfahren (UPR) vor dem UN-Menschenrechtsrat haben Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten dem Lutherischen Weltbund (LWB) und Partnern wie Franciscans International und FIAN International vor Kurzem von ihrer Arbeit für Umwelt- und Klimagerechtigkeit unter anderem in den genannten Ländern berichtet.
Im Rahmen des informellen Dialogs am 13. Februar konnte den direkt Betroffenen eine Stimme gegeben und das Verständnis für die Lage der vom Klimawandel betroffenen Bevölkerungsgruppen vertieft werden. Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen berichteten über ihre Anliegen und Schwerpunkte. Gemeinsam mit den Partnern wurden sinnvolle Ansätze zur Unterstützung ihrer Advocacyarbeit auf nationaler und internationaler Ebene erarbeitet.
Folgen des Klimawandels für die Menschenrechte
In den Gesprächen sei „die wachsende Bedeutung des UPR als staatlich gesteuerter UN-Mechanismus zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschenrechte“ betont worden, erklärt Elena Cedillo, LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit. Der UN-Mechanismus sei eine gute Möglichkeit, einen menschenrechtsbasierten Ansatz in Klimapolitik und nationale Gesetze zu integrieren. Mit Empfehlungen aus der Zivilgesellschaft könnten die Staaten dabei unterstützt werden, das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt umzusetzen.
Ignatius Uhuru Dempers, Leiter des Referats für soziale Entwicklung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELKRN), hob die Zusammenhänge zwischen Klimagerechtigkeit, wirtschaftlicher Ungleichheit, Schuldengerechtigkeit und der geplanten Energiewende des Landes hervor. Er setzt sich im Rahmen seiner Arbeit für die ELKRN und den Namibischen Kirchenrat für eine gerechte Energiewende ein, die benachteiligten Menschen zugutekommt und soziale Gerechtigkeit wahrt.
Die Mitbegründerin und nationale Koordinatorin eines Frauennetzwerks für ökologische Nachhaltigkeit in Sierra Leone, Gertrude Gbessay Karimu, äußerte sich besorgt darüber, dass die Stimmen von Frauen häufig aus Diskussionen über Klima-, Umwelt- und Landpolitik ausgeklammert würden. Sie betonte die zentrale Bedeutung von Landrechten für Frauen als wirksames Mittel zur Stärkung ihrer Klimaresilienz. „Die Geschichte Sierra Leones zeigt: Der Zugang von Frauen zu Land ist nicht nur eine Frage von Geschlechtergerechtigkeit. Er ist entscheidend für Klimaresilienz, Friedensförderung und die Entwicklung im Land insgesamt. Investitionen in Landrechte für Frauen sind eine kosteneffiziente Strategie zur Anpassung an den Klimawandel und für die Friedensarbeit“, betonte sie.
Uns sind unsere Kinder und die künftigen Generationen wichtig. Wie können wir widerstandsfähiger werden und uns besser anpassen?
Rodrick Holness Hollands, Rechtsanwalt und Klimaschützer aus den Salomonen
Der Rechtsanwalt und Klimaschützer Rodrick Holness Hollands von den Salomonen ist für sein Engagement im vor allem von jungen Menschen mitgetragenen Kampf um Klimagerechtigkeit in der Region bekannt. Er mobilisiert Menschen an der Basis, engagiert sich in der internationalen Advocacyarbeit und übernimmt Führungsverantwortung in verschiedenen Organisationen im Pazifikraum. „Jeden Morgen wachen hier kleine Kinder auf und sehen, wie ihre Insel vom Meer verschluckt wird. So sieht Klimaungerechtigkeit auf den Salomonen aus“, sagt er. „Aber uns sind unsere Kinder und die künftigen Generationen wichtig. Wie können wir widerstandsfähiger werden und uns besser anpassen?“
Die Vertreterin des Forums für die Überwachung des UPR-Mechanismus in Mosambik, Sousa Gonçalves Chele, unterstrich, dass das südafrikanische Land „aufgrund von Wirbelstürmen und Dürren gleich in zweierlei Hinsicht zu den weltweit gefährdetsten und am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Ländern gehört, und das hat auch auf die Menschenrechte negative Auswirkungen“. Sie hob eine Initiative hervor, die das Forum in Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Ministerien, dem Institut für Katastrophenschutz und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) unter anderem zur Bewältigung dieser Herausforderungen ins Leben gerufen hat.
Angesichts der immer gravierenderen Auswirkungen des Klimawandels betonten die Teilnehmenden die zentrale Bedeutung der Menschenrechte und der Stimmen von Menschen vor Ort im Klimaschutz als Voraussetzung für eine gerechte und nachhaltige Zukunft. Der Dialog und weitere Treffen der Aktivistinnen und Aktivisten mit diplomatischen Vertretungen in Genf haben erneut gezeigt, wie wichtig die Solidarität zwischen Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, der Zivilgesellschaft und der Menschenrechtsbewegung vor Ort ist.
Sikhonzile Ndlovu, die leitende LWB-Referentin für Gendergerechtigkeit, fasste es so zusammen: „Es ist ermutigend zu sehen, dass Vertreterinnen und Vertreter verschiedene Akteure, die aus dem Glauben heraus handeln, aus unterschiedlichen Kontexten zusammenkommen, um sich auf internationaler Ebene gemeinsam für Menschenrechte einzusetzen. An Orten wie Genf, dem Sitz wichtiger multilateraler Plattformen wie etwa dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte, vermittelt unsere gemeinsame Präsenz eine starke Botschaft: Der Einsatz für Gerechtigkeit ist zugleich moralische Pflicht und eine Frage der Menschenrechte. Wenn wir uns über Bevölkerungsgruppen, Regionen und Glaubenstraditionen hinweg gegenseitig unterstützen, sprechen wir nicht mehr nur über Veränderungen, sondern werden zu einer kollektiven Kraft, die diese Veränderungen auch herbeiführt.“