Die Bischöfin von Grönland, Paneeraq Munk, ist zusammen mit Dekanin Juaanna Platou, Dekanin Kirsten Grønvold, Dekanin Maannguaq Dalager und der Leiterin des Diözesanbüros in Nuuk, Marianne Hansen-Heilmann, zu Gesprächen mit LWB-Generalsekretärin Anne Burghardt und weiteren Mitarbeitenden in Genf in das LWB-Büro der Kirchengemeinschaft gekommen. Foto: LWB/P. Hitchen
Nach Annektionsdrohungen der USA berichten fünf führende Vertreterinnen der Kirche in Grönland von Herausforderungen
(LWI) – Seit die US-Regierung Anfang des Jahres ihre Drohungen verschärft hat, sich die größte Insel der Welt einzuverleiben, hat sich das Leben für die Kirchenleitungen in Grönland dramatisch verändert. „Alle sind irgendwie betroffen, und die Menschen haben Angst vor dem, was passieren kann“, berichtete Bischöfin Paneeraq Munk im Rahmen ihres Besuchs beim Lutherischen Weltbund (LWB) in Genf mit vier weiteren leitenden Kirchenvertreterinnen.
Die fünf für die Diözese Grönland, ihre drei Dekanate und das Diözesanbüro in der Hauptstadt Nuuk zuständigen Frauen waren Anfang Februar in die Schweiz zu Gesprächen mit Verantwortlichen des LWB und weiteren Vertreterinnen und Vertretern von Kirchen und Zivilbehörden in Genf gekommen. Sie bedankten sich für das ihnen entgegengebrachte Engagement und berichteten über die 300-jährige Geschichte ihrer Kirche und die Herausforderungen aufgrund der aktuellen geopolitischen Krise in der Region.
„Normalerweise reden wir gar nicht über Politik“, sagte Bischöfin Munk, „aber wir sehen auch, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, als Verantwortliche in der Kirche über Frieden und Menschenrechte in unserem Land zu sprechen.“ Und weiter fügte sie hinzu: „Früher haben wir ein ruhiges Leben geführt, aber jetzt wollen so viele Presseleute und andere mit uns sprechen. Das ist für uns schon eine Umstellung.“
Bishöfin Paneeraq Munk im Gespräch mit LWB-Generalsekretärin Anne Burghardt während ihres Besuchs mit anderen führenden Vertreterinnen der grönländischen Kirche im Genfer LWB-Büro der Kirchengemeinschaft. Foto: LWB/S. Kit
Unsere Kirchen sind offen und die Menschen kommen, um eine Botschaft der Hoffnung zu hören.
Paneeraq Munk, Bischöfin von Grönland
Munk wurde bereits 2020 zur Bischöfin gewählt, konnte aufgrund der COVID-19-Pandemie jedoch erst 2021 offiziell in ihr Amt eingeführt werden. Damit begann ihre Amtszeit genau 300 Jahre nach der Christianisierung Grönlands durch den norwegischen Missionar Hans Egede. Seit ihrer Ordination im Jahr 2004 wirkte sie als Pfarrerin an verschiedenen Orten in der weitläufigen Polarregion. Vielen Menschen ist sie zudem durch ihre Predigten in verschiedenen Radioprogrammen bekannt.
Da über 90 Prozent der grönländischen Bevölkerung der lutherischen Kirche angehören, ist der Einfluss der Kirchenleitung nach wie vor groß. Die Verantwortlichen der Kirche sehen es auch als ihre Pflicht an, die Menschen in dieser Krisenzeit zu unterstützen. Die Drohungen der US-Regierung „treffen uns direkt ins Herz, und nach dem, was in Venezuela passiert ist, sind die Menschen hier besorgt, was mit ihnen geschehen wird“, so Munk. „Aber unsere Kirchen sind offen, unsere Pfarrerinnen und Pfarrer sind da, und wir haben gesehen, dass mehr Menschen kommen, um eine Botschaft der Hoffnung zu hören“, sagte sie.
Gebete für Frieden und Wahrung der Menschenrechte
Die Vertreterinnen der Kirche brachten ihren Dank für die große politische Unterstützung aus Dänemark und anderen europäischen Ländern für das Selbstbestimmungsrecht Grönlands und die zahllosen Solidaritätsbekundungen zum Ausdruck, die sie seit Beginn der Krise erhalten hätten. Mitte Januar hatte die Leitung des LWB die USA in einer Erklärung aufgerufen, „bei allen politischen Entscheidungen in Bezug auf Grönland Zurückhaltung und Respekt zu üben und den Dialog zu suchen“ und der Kirche und den Menschen in Grönland ihre „uneingeschränkte Unterstützung“ zugesagt. „Zu wissen, dass wir nicht alleine sind, bedeutet uns sehr viel“, so Bischöfin Munk.
Im vergangenen Monat wurden in vielen der insgesamt 17 Kirchengemeinden der Insel Abendandachten veranstaltet, bei denen die Menschen zusammenkommen konnten, um zu beten und sich auszutauschen. Kirchenleitende haben Gebete verfasst und passende Kirchenlieder vorgeschlagen und zudem betont, wie wichtig es sei, eine Botschaft der Hoffnung und Geschlossenheit zu vermitteln. „Wir beten dafür, dass Politikerinnen und Politiker miteinander reden und dass sie die Menschenrechte achten, insbesondere die Rechte der indigenen Bevölkerung“, erklärte Munk. „Und wir glauben fest daran, dass auch wieder bessere Zeiten für unser Land kommen werden.“
Eine Delegation hochrangiger Kirchenvertreterinnen aus Grönland war am 5. Februar zu Besuch im LWB-Büro der Kirchengemeinschaft: Bischöfin Paneeraq Munk, Dekanin Juaanna Platou, Dekanin Kirsten Grønvold, Dekanin Maannguaq Dalager und die Leiterin des Diözesanbüros in Nuuk, Marianne Hansen-Heilmann.