Kirche in Nepal ordiniert erstmals zwei Frauen ins Pfarramt

Die Ordination von zwei Frauen in Nepal ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter in der Kirche und ein Zeichen der Hoffnung für andere Frauen und Mädchen in der gesamten Region Asien.

07 Nov 2025
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Rev. Rinki Rachel Soren (left) and Rev. Sushila Murmu (right) at their ordination service on Reformation Day. Photo: NELC

Pfarrerin Rinki Rachel Soren (li.) und Pfarrerin Sushila Murmu (re.) bei ihrer Ordination am Reformationstag. Foto: ELKN

Evangelisch-Lutherische Kirche Nepals setzt Meilenstein für Gendergerechtigkeit und Frauen in Führungspositionen

(LWI) – Am Reformationstag hat die Evangelisch-Lutherische Kirche Nepals (ELKN) Geschichte geschrieben und einen großen Schritt hin zu mehr Gendergerechtigkeit gemacht: Mit Pfarrerin Rinki Rachel Soren und Pfarrerin Sushila Murmu ordinierte sie erstmals zwei Frauen in das Pfarramt. Über 325 Menschen nahmen an dem Ordinationsgottesdienst am 31. Oktober 2025 in Laxmipur in Distrikt Morang teil. 

Murmu engagiert sich seit vielen Jahren in der Frauenarbeit in Nepal und unterstützt Frauen in dem Gebirgsland in spirituellen, emotionalen und praktischen Belangen. „Ich helfe ihnen dabei, im Glauben zu wachsen und die Herausforderungen des täglichen Lebens zu bewältigen“, erzählt sie. Bereits vor ihrer Ordination übernahm sie verschiedene Leitungsaufgaben, unter anderem im Vorstand der ELKN. Als Pfarrerin kann sie nun auch Taufen und Abendmahlsgottesdienste feiern, Beerdigungen durchführen, Kirchen- und Hausgottesdienste sowie Hauskreise leiten und wenn nötig andere Pfarrpersonen vertreten.

„Es ist ein Segen, denn mein Weg war nicht nur meine eigene Entscheidung. Ich bin Gottes Ruf gefolgt, und das hat mein Leben von Grund auf verändert“, erzählt Soren. Sie lebt in Lalitpur im Kathmandutal und absolviert derzeit ein Masterstudium. Als Pfarrerin möchte sie vor allem mit jungen Menschen und Frauen arbeiten, sie zum Glauben ermutigen und das Zeugnis der Kirche durch Engagement im Umfeld der Gemeinde stärken. „Ich hoffe, dass junge Menschen und Frauen erkennen, wie wertvoll sie in Gottes Augen sind. Ich hoffe, dass sie Leitungsverantwortung übernehmen und Veränderung mitgestalten“, ergänzt Soren, die selbst Jugendleiterin ist. 

Reformation hat nicht nur in der Vergangenheit stattgefunden, sondern geht überall dort weiter, wo die Kirche im Glauben und Gehorsam gegenüber Gott erneuert wird.

Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, LWB-Regionalreferentin für die Region Asien

Als Vertreterin der Lutherischen Weltbundes (LWB) gratulierte Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, Regionalreferentin des LWB für die Region Asien, den beiden neu ordinierten Pfarrerinnen. „Dieser historische Meilenstein ist ein eindrucksvolles Zeugnis für das Wirken des Heiligen Geistes, der Frauen und Männer gleichermaßen zum Dienst in der Kirche Christi beruft. Dass diese heilige Feier am Reformationstag stattfindet, ist kein Zufall, sondern ein Zeichen göttlicher Fügung: Reformation hat nicht nur in der Vergangenheit stattgefunden, sondern geht überall dort weiter, wo die Kirche im Glauben und Gehorsam gegenüber Gott erneuert wird.“ 

„Ich bete dafür, dass die neu ordinierten Pfarrerinnen weiter in ihrer Berufung, ihrer Glaubensüberzeugung und ihrem Engagement wachsen“, unterstrich Pfarrerin Dr. Marcia Blasi, LWB-Programmreferentin für Gendergerechtigkeit und Frauenförderung, die zu den internationalen Gästen der historischen Feier gehörte. „Als Fürsprecherin für Gendergerechtigkeit weiß ich es sehr zu schätzen, dass die ELKN diesen bemerkenswerten Schritt hin zu mehr Inklusivität und Gleichberechtigung im Pfarrdienst unternommen hat.“ 

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The newly ordained pastors, next to Bishop Joseph Soren and guests at the ordination service, give a blessing to the congregation. Photo: NELC

Die neu ordinierten Pastorinnen spenden zusammen mit Bischof Joseph Soren und Gästen beim Ordinationsgottesdienst den Segen an die Gemeinde. Foto: ELKN

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LWF Program Executive for Gender Justice and Women’s Empowerment, Rev. Dr. Marcia Blasi, at the ordination service on Reformation Day. Photo: NELC

Die LWB-Programmreferentin für Gendergerechtigkeit und Frauenförderung, Pfarrerin Dr. Marcia Blasi, beim Ordinationsgottesdienst am Reformationstag. Foto: ELKN

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The newly ordained pastors distribute Holy Communion during their ordination service. Photo: NELC

Die neu ordinierten Pastorinnen teilen während ihrer Ordination das Abendmahl aus. Foto: ELKN

Pfarrer Parshu Gurung, ein Berater der Nepal Christian Society, nannte die Entscheidung der ELKN zur Frauenordination einen „großen Schritt für den Glauben“ und äußerte die Hoffnung, dass andere Kirchen diesem Beispiel folgen werden. 

Im Namen der Biratnagar Christian Women Society im Distrikt Morang betonte Anita Subba: „Führungsverantwortung zu übernehmen ist für Frauen nicht immer leicht. Oft sind sie mit Hindernissen und entmutigenden Erfahrungen konfrontiert. Aber ich hoffe und bete, dass unsere neu ordinierten Pfarrerinnen mit der Kraft und Stärke des allmächtigen Gottes alle Herausforderungen überwinden und weiterhin unbeirrt ihrer göttlichen Berufung folgen.“ 

„Unser mutiger Schritt zur Frauenordination ist Ausdruck unseres Bekenntnisses zur Gleichberechtigung und zu den Werten der Bibel“, erklärte ELKN-Bischof Joseph Soren. „Wir leben zwar in einer von Männern dominierten Welt, in der Frauen der Weg zu gleicher Teilhabe und Leitungsverantwortung immer noch erschwert wird. Aber die ELKN arbeitet daran, die Schranken zu durchbrechen und eine Gemeinschaft aufzubauen, in der Männer und Frauen gemeinsam Gott dienen können“, führte er aus. Er hoffe, dass diese kontinuierlichen Bemühungen andere inspirieren können, zu verstehen, dass Gleichberechtigung ein Teil von Gottes Plan für alle Menschen ist.

In der überwiegend hinduistischen Gesellschaft Nepals arbeitet die ELKN durch Bildungsangebote und Gesundheitsdienste sowie durch spirituelle Begleitung und wirtschaftliche Förderung insbesondere mit den Dalit und anderen marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Die Kirche hat zehn Gemeinden, denen überwiegend Angehörige der Santal und Dalit angehören, drei Gebetszentren und rund 1.400 getaufte Mitglieder. Zu ihren wichtigsten Arbeitsfeldern zählen Evangelisierung, Kinder- und Jugendarbeit, Bildungsangebote, Weiterbildungsmaßnahmen, interreligiöse Zusammenarbeit und die Familienarbeit. Die ELKN arbeitet außerdem aktiv mit der Bibelgesellschaft, anderen lokalen Gemeinden und interreligiösen Netzwerken zusammen. Auch Katastrophenhilfe und andere Hilfsmaßnahmen, etwa im Rahmen der COVID-19-Pandemie, gehören zu ihren Aufgaben.

LWF/E. Williams