LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær (links) und der CEO des Auguste Viktoria-Krankenhauses, Dr. Fadi Atrash (rechts), im Gespräch bei einem Besuch am 5. November. Ebenfalls im Bild: LWB-Regionalreferentin Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan (Mitte). Foto: LWB/Albin Hillert
Medizinische Hilfe und berufliche Ausbildung stärken Resilienz und Hoffnung
(LWI) – „Die weltweite Gemeinschaft von Kirchen ist weiterhin fest entschlossen, die Präsenz und Arbeit des LWB-Weltdienstes auszubauen und die notleidenden Menschen hier im Heiligen Land zu unterstützen“, sagte LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær vergangene Woche in Jerusalem bei einem Besuch des LWB-Weltdienstprogramms dort.
Im Rahmen seines einwöchigen Aufenthalts im Heiligen Land, bei dem er sich unter anderem auch mit Vertreterinnen und Vertretern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land sowie mit Partnerorganisationen und politisch Verantwortlichen traf, besuchte der LWB-Präsident das Auguste Viktoria-Krankenhaus in Ost-Jerusalem und informierte sich über die dort angebotenen Ausbildungsprogramme im Rahmen des Länderprogramms in Jerusalem und im Westjordanland.
Nach den schlimmen Erfahrungen der Corona-Pandemie und dem jüngsten Gaza-Krieg ist das Leben der palästinensischen Bevölkerung jetzt geprägt von den Belastungen der Militärbesatzung und dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck und der Not, die sowohl den lokalen Gemeinschaften als auch der Gesellschaft insgesamt das Leben schwer machen.
Das Weltdienstprogramm des LWB in Jerusalem unterstützt trotz allem weiterhin Menschen in Not und bietet ihnen Möglichkeiten, sich zu bilden und zum Aufbau eines resilienten Gemeinwesens beizutragen. Insgesamt erreicht es jedes Jahr Zehntausende Menschen.
Für Würde und Gerechtigkeit: das Auguste Viktoria-Krankenhaus
Am Mittwoch traf der LWB-Präsident, Bischof Henrik Stubkjær, Mitarbeitende und Patientinnen und Patienten im Auguste Viktoria-Krankenhaus (AVH).
Das von Weitem erkennbare Krankenhaus auf dem Ölberg in Ost-Jerusalem feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen und 75 Jahre Dienst an Patientinnen und Patienten aus dem Westjordanland und vor allem aus dem Gazastreifen.
Eine alles andere als leichte Aufgabe.
„Die gesamte politische Situation sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland ist eine gewaltige Herausforderung. Unsere Patientinnen und Patienten, unsere Studierenden und unsere Angestellten sind mit zunehmender Gewalt und Ungewissheit konfrontiert. Die wirtschaftliche Not wächst“, erklärt Sieglinde Weinbrenner, Verantwortliche des LWB-Länderprogramms in Jerusalem.
Konkret heißt das: „Die größte Herausforderung ist die Ungewissheit über die Zukunft Palästinas, vor allem, was die Lage in Gaza betrifft. Das bedeutet, dass unsere Arbeit und unsere Projekte schwer planbar sind. Dennoch versuchen wir, auf alle möglichen Szenarien vorbereitet zu sein, und werden sehen, wie wir unsere Nothilfe verstärken können, wenn diese dringend benötigt wird“, fügt sie hinzu.
Letzten Endes geben wir ihnen die bestmögliche Behandlung, und das in Würde. Das ist das Wichtigste.
Dr. Fadi Atrash, CEO des Auguste Viktoria-Krankenhauses
Für den CEO des AVK, Dr. Fadi Atrash, steht fest, dass das Krankenhaus inzwischen zu einer wichtigen Stütze im palästinensischen Gesundheitswesen geworden ist.
Es werde ständig weiterentwickelt und biete mit den neuesten Innovationen eine erstklassige Gesundheitsversorgung in modernen Einrichtungen. Dabei gehe es nicht nur um medizinische Spitzenleistungen, sondern es sei auch um eine Frage der Gerechtigkeit, so Atrash.
„Wir im AVK versuchen, den Menschen in Palästina die bestmögliche Technologie und die lebensnotwendigen Behandlungen bereitzustellen, und zwar mit Rücksicht auf ihr eigenes kulturelles und religiöses Umfeld. Wir wollen den Menschen zu Gerechtigkeit verhelfen und ihnen eine Behandlung zukommen lassen, die ihre Bedürfnisse berücksichtigt, ihnen das Gefühl gibt, dass sie menschenwürdig behandelt werden... Letzten Endes geben wir ihnen die bestmögliche Behandlung, und das in Würde. Das ist das Wichtigste“, erklärte er.
LWB-Präsident Stubkjær, der sich während seines Besuchs im Heiligen Land auch für eine stärkere Unterstützung des AVK bei den lokalen politischen Akteuren und der breiteren internationalen diplomatischen Gemeinschaft einsetzte, betonte, das AVK sei einzigartig aufgestellt, um kranken Menschen in der aktuellen Situation zu helfen, und sei bereit, auch für Menschen aus dem Gazastreifen lebensrettende Krebsbehandlung bereitzustellen, sobald die Einreise nach Ostjerusalem wieder möglich sei, und medizinische Hilfsgüter zu liefern, sobald diese nach Gaza zugelassen würden.
„Auch wenn überall die Mittel knapp sind, ist wichtig, dass jeder kleine Betrag, der an das Auguste Viktoria-Krankenhaus fließt, unser gemeinsames Bekenntnis zu dieser so wichtigen Hilfe für die Palästinenserinnen und Palästinensern und die lokale Bevölkerung im Heiligen Land zeigt. Es geht um Menschenwürde“, mahnte Stubkjær.
Der Leiter der Röntgentechnik und Beauftragte für Strahlensicherheit, Samih Anati, zeigt dem LWB-Präsidenten Bischof Stubkjær, der LWB-Regionalreferentin für Asien, Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, und der Verantwortlichen für die internationalen Programme des LWB-Weltdienstes, Caroline Tveoy, während eines Besuchs im Auguste Viktoria-Krankenhaus medizinische Geräte. Foto: LWB/Albin Hillert
Die LWB-Vertreterin in Jerusalem, Sieglinde Weinbrenner, zeigt im Auguste Viktoria-Krankenhaus eine Ladung medizinischer Hilfsgüter, die für die Versorgung von Menschen in Gaza bestimmt sind und auf einen weiteren Transportversuch warten. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær besucht das Berufsausbildungszentrum des LWB in Ramallah, Westjordanland. Foto: LWB/Albin Hillert
Junge Erwachsene bestärken, sich in Gemeinwesen einzubringen
Neben dem AVK bietet das Programm des LWB-Weltdienstes in Jerusalem jungen Palästinenserinnen und Palästinensern an zwei Orten Möglichkeiten für eine Berufsausbildung an: In Beit Hanina und in Ramallah. Die Ausbildungszentren bieten sowohl einjährige als auch zweijährige Ausbildungsprogramme in Berufen wie Zimmerei, Automechanik, Innenarchitektur, Grafikdesign und Druck, Telekommunikation und Elektroinstallation an.
Für die Verantwortliche des LWB-Länderprogramms, Weinbrenner, ist die Verknüpfung der verschiedenen Teilbereiche des Länderprogramms ein wichtiger Aspekt.
„Beide Bereiche – Gesundheit und Bildung – sind der Kirche ein wichtiges Anliegen, und wir sehen, dass wir sowohl in die Gesundheit als auch in die Bildung der Menschen investieren müssen“, erklärte sie.
„Bei der beruflichen Bildung versuchen wir immer, den Markt genau im Blick zu haben, um zu wissen, was benötigt wird, damit die Auszubildenden bei der Arbeitssuche auch Erfolg haben. Wenn man ein Einkommen hat, ist das die Grundlage für die Gründung einer Familie und die Planung der Zukunft. So kann man seine Zukunft selbst in die Hand nehmen“, führte sie aus.
Programmdirektor Yousef Shalian, der den LWB-Präsidenten am 6. November zu einem Besuch im Ausbildungszentrum in Ramallah empfing, betonte die Chancen, die eine Berufsausbildung selbst in Zeiten großer Herausforderungen für die palästinensische Gesellschaft bietet.
Er verwies insbesondere auf die Bedeutung der Förderung von Chancen für junge Männer und junge Frauen gleichermaßen.
„Sowohl während der Pandemie als auch während des jüngsten Krieges sind vor allem Frauen besonders betroffen gewesen“, sagte Shalian. Der LWB habe gemeinsam mit neun anderen vergleichbaren Ausbildungszentren in den letzten fünf bis sechs Jahren mehr als 1.000 junge Frauen in Jerusalem und im Westjordanland ausgebildet – auch in traditionellen Männerberufen.
„Selbst in der gegenwärtigen Wirtschaft haben unsere Auszubildenden, Männer wie Frauen, eine ausgezeichnete Beschäftigungsquote, denn auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt herrscht ein großer Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Wir beobachten, dass praktische Qualifikationen und Selbständigkeit auf dem heutigen Markt immer wichtiger werden, denn die überwiegende Mehrheit der privaten Unternehmen in Palästina sind kleine Betriebe und keine großen Konzerne“, so Shalian.
„Wenn man qualifiziert und leistungsfähig ist, bieten sich einem viele Möglichkeiten“, fügte er hinzu.
Bei einem Treffen mit den Auszubildenden des Ausbildungszentrums in Ramallah - derzeit 140 Teilnehmende an einjährigen Ausbildungsprogrammen und insgesamt etwa 350 Absolventinnen und Absolventen pro Jahr, einschließlich der Kurzlehrgänge – zeigte sich LWB-Präsident Stubkjær bewegt von ihrem Engagement und ihrer Entschlossenheit.
„Wir haben erfahren, dass viele der jungen Leute entweder schon einen Job haben oder ihr eigenes Unternehmen gründen wollen“, sagte Stubkjær.
„Dass wir als weltweite Kirchengemeinschaft diese Arbeit vor Ort durchführen, erscheint mir sehr sinnvoll. Wir können wirklich sehen, dass wir so auch eine Gesellschaft unterstützen, jungen Menschen Vertrauen geben, sie zurüsten, um zum Aufbau ihres eigenen Gemeinwesens, ihrer eigenen Zukunft beizutragen. Das macht Hoffnung“, schloss er.
LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjæer war vom 4. bis 9. November zu Besuch im Heiligen Land und hat Vertreterinnen und Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, des LWB-Weltdienstprogramms sowie Vertretungen von Partnerorganisationen und der Politik getroffen. Begleitet wurde er dabei von Pfarrerin Dr. Rospita, LWB-Regionalreferentin für Asien, Caroline Tveoy, Leiterin der internationalen Programme des LWB, und Sieglinde Weinbrenner, Vertreterin des LWB in Jerusalem.