Pfr. Dr. Deonal Sinaga, Leiter der Koinonia-Abteilung der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche. Foto: LWB/A. Hillert
Protestantisch-Christliche Batak-Kirche führte Proteste gegen große Zellstofffabrik in Nordsumatra an
(LWI) – „Heute ist ein historischer Tag für uns, die Menschen in Sumatra und in ganz Indonesien. Und auch für die Umwelt ist es eine gute Nachricht.“ Pfarrer Dr. Deonal Sinaga, Leiter der Koinonia-Abteilung der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP) in Indonesien, brachte damit die Freude vieler Menschen in seiner Heimatregion Nordsumatra zum Ausdruck, nachdem die Regierung die Schließung von 28 großen Unternehmen angekündigt hatte, die mutmaßlich zu einer Reihe verheerender Naturkatastrophen beigetragen haben.
Am 20. Januar, zwei Monate nachdem ein außergewöhnlicher tropischer Wirbelsturm mehr als 1.000 Menschen das Leben gekostet und über 175.000 Häuser zerstört hatte, erklärte der indonesische Präsident Prabowo Subianto, dass die große Zellstofffabrik Toba Pulp Lestari sowie weitere Unternehmen aus der Holz-, Bergbau- und Wasserkraftindustrie künftig nicht mehr im Land tätig sein dürften. Die HKBP und andere Kirchen hatten in den vergangenen Monaten Proteste angeführt und ein Ende der Aktivitäten gefordert, die seit Jahrzehnten das Leben der Menschen vor Ort und ihre Umwelt beeinträchtigen.
„Anfang der 1990er Jahre, als Toba Pulp seine Tätigkeit aufnahm, gab es in unserer Bevölkerung starken Widerstand“, erinnerte sich Sinaga. „In dieser ersten Phase wurden einige unserer Pfarrer während der Proteste sogar verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Mehr als 35 Jahre später dienen einige von ihnen noch immer in der Kirche, und sie sind überglücklich, diese historische Entscheidung zu erleben“, sagte er. Im vergangen Jahr hat die HKBP mit Unterstützung anderer christlicher Kirchen und weiterer Glaubensgemeinschaften ihre Forderungen verstärkt und den Handlungsdruck auf die Regierung erhöht.
Monokulturelle Eukalyptus-Plantagen
„Die Mehrheit der Menschen, die rund um den Tobasee von den Tätigkeiten der Zellstofffabrik betroffen sind, sind Mitglieder der HKBP“, berichtet Sinaga. „Es gibt zahlreiche Studien zu den von diesem Unternehmen verursachten Umweltschäden, doch eine der sichtbarsten und verheerendsten Auswirkungen ist der monokulturelle Anbau von Eukalyptusbäumen auf Hunderttausenden Hektar Land, der den Boden zerstört und das Land auf lange Sicht schädigt“, erklärte er.
Sinaga verwies auf weitere Katastrophen, darunter Sturzfluten und Erdrutsche rund um den Tobasee Ende 2023, bei denen ein Dutzend Menschen ums Leben kam. „Bäume und Pflanzen können aufgrund der Bodenerosion nicht mehr wurzeln. Deshalb rutschten Schlamm und Felsen so groß wie Autos die Berghänge hinunter in den See. Dabei wurden Häuser zerstört und Menschen getötet“, sagte er. „Die betroffenen Familien, die wir besuchten, waren von der Tragödie zutiefst erschüttert. Doch das Unternehmen bestritt jede Verantwortung“, fügte er hinzu.
Es bleibt noch viel zu tun. Aber heute freuen wir uns darüber, dass unsere Stimmen gehört und unsere Gebete erhört wurden.
Pfr. Dr. Deonal Sinaga, Leiter der Koinonia-Abteilung der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche
Nachdem der Wirbelsturm Senyar im November 2025 internationale Aufmerksamkeit erregt hatte, leitete die Regierung eine Überprüfung der Auswirkungen unternehmerischer Aktivitäten in Nordsumatra sowie in Westsumatra und in der Provinz Aceh ein. Lokale Gruppen rund um den Tobasee protestierten gegen die Zerstörung des Regenwaldes und die Verschmutzung der Seen und Flüsse. Sie demonstrierten außerdem gegen Landraub und gewaltsame Angriffe auf indigene Batak, die sich gegen die illegale Besetzung ihres angestammten Landes wehren.
„Das hat die Protestbewegung im vergangenen Jahr ausgelöst, nachdem die Zellstofffabrik unseren Leuten Land entrissen hatte, um noch mehr Eukalyptusbäume anzupflanzen“, sagte Sinaga. „Wir haben uns mit den örtlichen Regierungsbehörden verständigt, und auch sie erkannten, dass dieses Unternehmen ihnen mehr schadet als nutzt: Mit seinen riesigen Lastwagen zerstörte es die Straßen, reparierte sie aber nicht. Wir alle fragten uns, wohin das Geld aus den Gewinnen fließt, denn es gab keinerlei Transparenz“, ergänzte er.
„Die Erklärung des Präsidenten ist bedeutsam, doch es gibt noch viele Fragen, die zwischen der Regierung und den Unternehmensinhabern zu klären sind, darunter auch die Möglichkeit von Wiedergutmachung für die verursachten Schäden“, betonte Sinaga. „Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir von unserer weltweiten lutherischen Familie erhalten haben, ebenso wie von den anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die unsere Proteste unterstützt haben“, sagte er. „Es bleibt noch viel zu tun“, schloss er, „aber heute freuen wir uns darüber, dass unsere Stimmen gehört und unsere Gebete erhört wurden.“