Zwei Teilnehmende des Mephibosheth-Projekts, Welly und Dame Maharaja, mit ihren Eltern. Foto: GKPPD
Ganzheitlicher Inklusionsansatz verändert Leben und rüstet Menschen in Christlich-Protestantischer Pakpak Dairi-Kirche zu mehr Selbstbestimmung zu
(LWI) – Von erfolgreicher Enten- und Schweinezucht bis zu einem florierenden Kunsthandwerksbetrieb: Zehn Menschen mit Behinderungen aus der Christlich-Protestantischen Pakpak Dairi-Kirche (GKPPD) in Indonesien berichten eindrücklich von ihrer Zurüstung zu mehr wirtschaftlicher Selbstbestimmung, mehr Teilhabe und wachsender Akzeptanz in ihren Familien, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und in ihren Gemeinwesen. Mit Mitteln aus einem kleinen Projekt, das mit Unterstützung des Lutherischen Weltbunds (LWB) in zwei Bezirken in der Provinz Nordsumatra durchgeführt wird, haben sie die nötigen Fähigkeiten erworben und das Selbstvertrauen entwickelt, um zu eigenständigen und geschätzten Mitgliedern ihrer örtlichen Gemeinden und Gemeinwesen zu werden.
Pfarrerin Muliathy Briany koordiniert das Mephibosheth-Projekt, benannt nach einem Enkel von König Saul, der im Buch Samuel im Alten Testament erwähnt wird. „Die Idee dazu ist aus meiner persönlichen Beobachtung entstanden, dass Menschen mit Behinderung im kirchlichen Leben oft ausgeschlossen oder übersehen werden“, sagt sie. „Viele von ihnen haben nicht wirklich das Gefühl, wirklich dazuzugehören, und das hat mich tief getroffen. Ich glaube, dass die Kirche ein Ort für alle sein sollte, ohne Ausnahme. Deshalb wünsche ich mir, dass unsere Kirche zu einem wirklich inklusiven Raum wird, in dem sich jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Behinderung, willkommen, wertgeschätzt und geliebt fühlt.“
Zu Beginn des Projekts wurden zehn Frauen und Männer ausgewählt, die mit unterschiedlichen Behinderungen leben. Bei Hausbesuchen führten professionelle Mentorinnen und Mentoren Beratungsgespräche mit ihnen und gingen dabei gezielt auf ihre emotionalen, geistlichen und praktischen Bedürfnisse ein. Auch Familienangehörige wurden miteinbezogen, um Vorurteile abzubauen und das Bewusstsein für die Rechte und Potenziale von Menschen mit Behinderung zu stärken. „Ich wollte zeigen, wie viel diese Menschen in die Gemeinschaft einbringen können: ihren Glauben, ihre Stärke und ihre Perspektiven, die uns in vielerlei Hinsicht bereichern“, erklärt Briany.
Schulungen und Startkapital
Im Anschluss an diese Gespräche erhielten die Teilnehmenden Schulungen in der Schweine- und Entenzucht, die auf den Aufbau kleiner Betriebe ausgerichtet waren: Unter anderem ging es um Fütterung, Impfungen, Produktmanagement und Vermarktung. Als Startkapital bekamen die Teilnehmenden einige Schweine und Enten, abgestimmt auf den familiären Hintergrund, da viele Familien bereits Erfahrung in der Tierhaltung mitbrachten. Ein Teilnehmer, Samuel Anakampun, erhielt statt der Tiere einen Satz Werkzeug, weil er bereits über kunsthandwerkliche Fähigkeiten verfügte und ein eigenes Geschäft in diesem Bereich aufbauen wollte.
Yundia Boangmanalu, die ihre Tage zuvor zu Hause verbrachte und auf die Unterstützung ihrer Familie angewiesen war, gehörte zu den Teilnehmenden, die 20 Enten erhielten. Dazu kamen eine praktische Anleitung zur Haltung der Tiere und Schulungen für den Verkauf der Eier. Heute hat sie ein kleines, aber florierendes Geschäft, das sie zusammen mit ihren Eltern weiter ausbaut, indem sie die Einnahmen aus dem täglichen Eierverkauf reinvestiert, um weitere Enten zu kaufen und die Zucht zu erweitern. „Mittlerweile ist sie diejenige, die sich um die Enten kümmert“, sagt Boangmanalus Mutter bei einem späteren Besuch, „und wir sind sehr stolz auf sie.“
Auch wenn abgelegene Wohnorte und schwierige Wetterbedingungen die Projektverantwortlichen vor organisatorische Herausforderungen stellten, berichten sie, dass das Selbstvertrauen aller Teilnehmenden deutlich gewachsen sei. Und auch Familienmitglieder entwickeln immer mehr Verständnis, Akzeptanz und Bereitschaft, sich aktiv in die neuen Kleinunternehmen einzubringen. Zu Ostern 2025 unternahmen alle Teilnehmenden und ihre Familien gemeinsam mit weiteren Gemeindegliedern einen Ausflug. Auf dem Programm standen ein Gottesdienst, gemeinsames Essen, kreative Angebote und Aktivitäten im Freien, die das Miteinander förderten und allen Beteiligten guttaten.
Yundia Boangmanalu erhält einige Enten als Startkapital für ihren Eierverkauf. Foto: GKPPD
Teilnehmende des inklusiven Osterausflugs 2025. Foto: GKPPD
Gruppenfoto der Teilnehmenden des inklusiven Osterausflugs. Foto: GKPPD
Neben der Begleitung der Teilnehmenden verfolgte das Projekt ein zweites Ziel: Mit einer Inklusionskampagne sollte eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden. Persönliche Erfahrungsberichte, Fotos und Videos wurden in den sozialen Medien veröffentlicht. Zudem wurde eine Fortbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer, andere kirchliche Leitungspersonen und Vertreterinnen und Vertreter lokaler Behörden entwickelt. Ein Seminar mit 60 Teilnehmenden befasste sich sowohl mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen auf nationaler Ebene als auch mit Wegen hin zu einer inklusiveren Kirche. Derzeit werden neue Sonntagsschulbücher in die Pakpak-Sprache übersetzt, die an Kinder und Jugendliche verteilt und unter anderem im Konfirmationsunterricht eingesetzt werden sollen. Neben Anregungen für praktische Aktivitäten vermitteln die Bücher auch eine theologische Grundlage für die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in das Leben von Kirche und örtlichen Gemeinwesen.
Ich habe Hoffnung, Mut und das Vertrauen gewonnen, mein Leben besser zu gestalten.
Supriadi Nababan, Teilnehmer des Mephibosheth-Projekts für Menschen mit Behinderungen
Nach dem erfolgreichen Osterausflug organisierten die Projektverantwortlichen eine inklusive Weihnachtsfeier, bei der Teilnehmende, ihre Familien und weitere Gemeindemitglieder zusammenkamen, um Gottesdienst zu feiern, ein Festessen zu genießen und persönlich über die großen Veränderungen in ihrem Leben zu berichten. Ebenfalls im Dezember fand ein sechstägiger Gebärdensprachkurs statt, der kirchliche Mitarbeitende, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie ehrenamtlich Engagierte darin schulte, ihre Kommunikation mit hörbeeinträchtigten Menschen zu verbessern und ihnen dadurch besser dienen zu können. Außerdem wurde ein Handbuch zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen erarbeitet, das die Nachhaltigkeit des Projekts sichern soll und anderen Kirchen und Organisationen als Orientierung für ähnliche Inklusionsprogramme dienen kann.
Supriadi Nababan, der zu Beginn des Projekts zwei Schweine und eine Schulung erhielt, brachte die Erfahrungen vieler anderer Teilnehmender auf den Punkt: Sein kleines Unternehmen habe ihm geholfen, sich in seiner Gemeinschaft „angenommen, wertgeschätzt und anerkannt“ zu fühlen. „Durch die Möglichkeiten, die mir der LWB und die GKPPD eröffnet haben, habe ich viel mehr als nur materielle Unterstützung erhalten“, sagt er. „Ich habe Hoffnung, Mut und das Vertrauen gewonnen, mein Leben besser zu gestalten. Ich hoffe, dass dieses Projekt weiter wächst, nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Menschen mit Behinderungen, die sich von der Gesellschaft an den Rand gedrängt oder übersehen fühlen.“
Supriadi Nababan, ein Teilnehmer an der Inklusionskampagne des Mephibosheth-Projekts, hält ein Schild mit der Aufschrift hoch: „Jeder Mensch gehört untrennbar zur Kirche und zur Gesellschaft, unabhängig von seinen körperlichen Fähigkeiten.“ Foto: GKPPD
Teilnehmende an einem Inklusionsseminar im Rahmen des Mephibosheth-Projekts. Foto: GKPPD
Gruppenfoto der Teilnehmenden an einem Inklusionsseminar im Rahmen des Mephibosheth-Projekts. Foto: GKPPD