Humanitäre Kürzungen gefährden Leben und Zukunftsperspektiven

Am Welttag der humanitären Hilfe beschreibt das Personal der humanitären Länderprogramme des LWB, welche Auswirkungen die Kürzungen der finanziellen Hilfen auf die Menschen haben, denen sie dienen.

18 Aug 2025
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Child-friendly space in Maban, South Sudan, 2016. LWF had to completely stop the program. Photo: LWF/ C. Kästner-Meyer

Frühkindliches Bildungszentrum in Maban, Südsudan, 2016. Der LWB musste diese Arbeit infolge humanitärer Kürzungen einstellen. Foto: LWB/ C. Kästner

Am Welttag der humanitären Hilfe beschreibt das LWB-Personal vor Ort die Auswirkungen der globalen Kürzungen von Hilfsgeldern

(LWI) - Am Welttag der humanitären Hilfe 2025 schlagen die Mitarbeitenden der Länderprogramme des Lutherischen Weltbundes (LWB) Alarm: Kürzungen in der humanitären Hilfe drängen die Schwächsten in noch tiefere Not. Ob Förderzentren für frühkindliche Entwicklung im Südsudan, Hilfe für Geflüchtete im Kamerun und Uganda oder marginalisierte Gemeinschaften in Myanmar – die Kürzungen von Not- und Entwicklungshilfe gefährden das Leben derjenigen, die bereits so viel verloren haben.

Zukunftschancen in Gefahr

Im Südsudan musste das LWB-Länderprogramm, die Arbeit in 60 Förderzentren für frühkindliche Bildung aufzugeben. Die Schließungen betreffen sowohl sudanesische Geflüchtete als auch die Aufnahmegemeinschaft vor Ort. Sie beenden den Zugang zu geschützten Räumen für Vorschulkinder, die ihnen frühes Lernen, Schutz und emotionale Unterstützung ermöglicht haben.

„Zehntausend Kinder zwischen drei und fünf Jahren in der Provinz Maban gehen zurzeit nicht zur Schule“, sagt Maureen Ogutu, die für Bildungsarbeit in den vier Geflüchtetenlagern in Maban im Bundesstaat Upper Nile im Südsudan zuständig ist. In dieser Region, die eine große Zahl sudanesischer Geflüchteter aufgenommen hat, zeichnen sich bereits Konflikte und Ernährungsunsicherheiten ab.

Als die finanziellen Hilfen gekürzt wurden, haben Dutzende von Lehrkräften, viele selbst Geflüchtete, ihre Arbeit verloren. Dies, so warnt Ogutu, dürfte langfristige Folgen haben: „Diese Kürzungen werden sich auch negativ auf die Anmeldung von Kindern zur Grundschule auswirken.“ Für viele dieser Kinder ist dies die einzige Bildung, die sie jemals bekommen werden.

Auf sich allein gestellt

In Norden Kameruns muss das LWB-Büro in Maroua dieses Jahr mit einem um zwei Drittel gekürzten Budget arbeiten und sieht sich gezwungen, die Hilfen für 15.000 schutzbedürftige Menschen praktisch einzustellen. In der Region leben Geflüchtete, die der Gewalt in Nigeria entkommen sind. Viele ergriffen in ihrer Verzweiflung jetzt drastische Maßnahmen, um zu überleben, berichtet Programmkoordinator Ezechiel Kodji: „Raubbau an der Natur, Landaufgabe, Prostitution, Diebstahl – besonders Frauen und Kinder sind oft mehrfach traumatisiert: durch ausbleibende Hilfen, das Verlassenwerden durch Väter oder Ehemänner, sowie ein erhöhtes Risiko sexualisierter Gewalt und Ausbeutung. Viele von ihnen sind nun in extremer Verwundbarkeit auf sich allein gestellt.“

Viele sind jetzt in ihrer extremen Verwundbarkeit auf sich selbst gestellt. 

Ezechiel Kodj, Koordinator des LWB-Programms für Kamerun

Eine ähnliche Situation beschreibt das Team in Uganda, auch hier treffen die Kürzungen Menschen, die kaum die Möglichkeit haben, die Folgen zu bewältigen. Die Unterstützung für Kinder mit besonderen medizinischen Bedürfnissen, für ältere Menschen und für Menschen mit Behinderungen musste gekürzt werden, erklärt Patrick Kyeyune, Projektmanager beim LWB- Programm in Uganda.

Kyeyune weist darauf hin, dass diese Mittelkürzungen nicht nur die gesundheitliche Versorgung beträfen: Wiederaufforstungsprojekte, ein sicherer Zugang zu Wasser und die Lebensmittelversorgung für Menschen, die vor Krieg und Kriegsgräueln geflohen sind, seien ebenfalls zusammengestrichen worden. „Alle diese Dienste wurden aufgrund der globalen Kürzung von Hilfsgeldern eingeschränkt.“

Den Blick nicht abwenden

In Myanmar arbeitet Saw Tha Gay für einen örtlichen LWB-Partner, der die Opfer von Erdbeben unterstützt, Menschen psychologisch betreut und in Notfällen Bargeldzahlungen als Soforthilfe verteilt. Die Mittelkürzungen, so berichtet er, hätten verheerende Folgen: „In den vergangenen Jahren ist die humanitäre Hilfe für Myanmar dramatisch zurückgegangen. Die letzten Kürzungen haben die Unterstützung, die wir für vulnerable Gemeinschaften mit dringendem Hilfebedarf leisten können, erheblich eingeschränkt.“

Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) warnt davor, dass für 11,6 Millionen Geflüchtete und Binnenvertriebene die Gefahr bestehe, dass ihnen dieses Jahr nicht mehr geholfen werde – das sind etwa ein Drittel der Menschen, die das Hilfswerk unterstützt. „Das sind nicht einfach Zahlen in einer Tabelle“, erklärt der UNHCR in einem Bericht vom Juni diesen Jahres. „Das sind Familien, die sich keine Nahrungsmittel, Medikamente und Unterkünfte mehr leisten können und keine Chance mehr auf eine bessere Zukunft haben.“ Der LWB ist einer der größten konfessionell gebundenen operationellen UNHCR-Partner.

Unsere Mitmenschlichkeit verlangt von uns, dass wir den Blick nicht abwenden. Am Welttag der humanitären Hilfe rufen wir alle – Geberorganisationen, Partner, Mitgliedskirchen, Familien, ob jung oder alt – dazu auf, im Gebet und im Handeln jenen Menschen beizustehen, die am dringendsten Schutz brauchen.

Allan Calma, Koordinator der globalen humanitären Hilfe beim LWB-Weltdienst

„Wenn sich die Welt von den Menschen in größter Not abwendet, zahlen wir alle den Preis – in Form zerstörter Leben, verlorener Zukunftsperspektiven und zerbrochener Hoffnungen. Beim LWB-Weltdienst erleben wir dies täglich in den Gemeinschaften, denen wir dienen“, sagt Allan Calma, Koordinator der globalen humanitären Arbeit des LWB.

„Unsere Mitmenschlichkeit verlangt von uns, dass wir den Blick nicht abwenden. Am Welttag der humanitären Hilfe rufen wir alle – Geberorganisationen, Partner, Mitgliedskirchen, Familien, ob jung oder alt – dazu auf, im Gebet und im Handeln jenen Menschen beizustehen, die am dringendsten Schutz brauchen.“

LWB/M. Lukulu, C. Kästner-Meyer