Heiliges Land: Aufgerufen, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten

LWB-Präsident Henrik Stubkjær beendet seinen Besuch im Heiligen Land mit einer Botschaft über Mut und Hoffnung angesichts von Unrecht und Konflikt

18 Nov 2025
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LWF president Bishop Henrik Stubkjær, Head of International Programs Caroline Tveoy, and LWF Jerusalem Representative Sieglinde Weinbrenner, listen to community leader Eid Abu Khamis of Khan Al Ahmar – a Jahalin Bedouin community of some 35 families living in the so-called E1 Area of Jerusalem, under constant threat of eviction and forced displacement because of Israeli settlement expansion in the area. Photo: LWF/Albin Hillert

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær hört Eid Abu Khamis, dem Sprecher des Dorfes Khan Al-Ahmar, zu. Die Gemeinschaft des Jahalin-Beduinenvolks mit rund 35 Familien lebt im sogenannten E1-Gebiet von Jerusalem und ist durch den Ausbau der israelischen Siedlungen in dem Gebiet ständig von Vertreibung und Zwangsumsiedlung bedroht. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær hält zum Abschluss seines einwöchigen Besuchs Predigt in Jerusalem

(LWI) – In seiner Predigt zum Abschluss seines Besuchs im Heiligen Land sprach der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Henrik Stubkjær, am Sonntag von Hoffnung und Mut angesichts von Unrecht und Gewalt.

Zusammen mit Pfarrerin Sally Azar – einem LWB-Ratsmitglied – und Pfarrer Rodny Said, beide von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELKJHL), leitete Stubkjær den Gottesdienst in der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg und hielt die Predigt.

In seiner Botschaft an die Gemeinde ging Stubkjær auf die leidvolle Realität ein, die das palästinensische Volk derzeit erfährt.

„Wir sind voller Trauer und Entsetzen über die zehntausenden getöteten Kinder, Frauen und Männer und die begangenen Gräueltaten und die in Abrede gestellte Menschlichkeit zusammengekommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und zu beten. Aber wir können nicht nur in der Vergangenheitsform spreche: Auch jetzt noch werden Menschen getötet, werden weiterhin Gräueltaten verübt, wird Menschlichkeit in Abrede gestellt“, sagte Stubkjær mit Blick auf den Krieg im Gazastreifen und das Unrecht, unter dem die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland und in Jerusalem nach wie vor leidet.

Wir versammeln uns zum Gottesdienst und zum Gebet und hören Geschichten von unglaublichem Mut.

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær

„Und doch“, so betonte er, „versammeln wir uns hier auch zum Gottesdienst und zum Gebet und hören Geschichten von unglaublichem Mut. Teenager, die sich mitten in den Trümmern um ihre jüngeren Geschwister kümmern und mit ihnen spielen. Junge Männer und Väter, die unter Lebensgefahr losgehen, um Hilfsgüter zu holen, die unter menschenverachtenden Bedingungen verteilt wurden. Erschöpfte Mütter, die nichts mehr zu essen hatten, aber ihre hungernden Kinder liebevoll im Arm hielten – bis sie starben“.

„Wir versammeln uns hier zum Gottesdienst als Mitglieder der einen weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft – von hier und aus der ganzen Welt. Das Zeugnis unserer lutherischen Schwestern und Brüder hier in Palästina erfüllt uns mit Demut und Dankbarkeit“, sagte der LWB-Präsident, und erklärte: „Ihr habt immer wieder angeboten, dieses Land mit allen zu teilen: Betna Betkum! Und ihr habt nie aufgehört, euren Unmut hinauszuschreien und den Mächtigen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.“

Nach einer Woche voller Gespräche und Begegnungen mit palästinensischen Gemeinden in Jerusalem und dem Westjordanland machte Bischof Stubkjær deutlich: Als Teil der weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft steht die ELKJHL mit ihrem Zeugnis nicht allein da.

„Die Gemeinschaft hat mit euch geweint, ist ein Stück Weg mit euch gegangen und hat mit euch gearbeitet“, sagte er. Stubkjær erinnerte an die Bibelstelle mit dem Appell Jesu: „Liebt eure Feinde“ und bezeichnete ihn angesichts der aktuellen Situation als große Herausforderung. Er betonte aber auch, wie wichtig es sei, den Mut zu haben, anders zu handeln – auch im Angesicht von Unrecht und Gewalt.

„Wenn eure Feinde euch als Unmenschen sehen und behandeln, seht und behandelt sie als Menschen; wenn eure Feinde über die Realität Lügen verbreiten, dann sagt die Wahrheit; wenn eure Feinde euch die Menschenwürde absprechen, dann erkennt ihre Würde an. Wir alle nämlich sind Kinder Gottes. Oder niemand ist ein Kind Gottes. Ich muss meinen Feind nicht mögen, aber ich muss ihn lieben: die von Gott geschaffene Würde des anderen anerkennen. Diese Würde ist mit Verantwortung verbunden und gründet auf Wahrheit und Gerechtigkeit“, sagte Stubkjær.

Gemeinsam das christliche Zeugnis stärken

In der vergangenen Woche traf sich der LWB-Präsident mit Vertreterinnen und Vertretern der ELKJHL, des LWB-Weltdienstprogramms sowie mit Partnerorganisationen und verschiedenen Vertretungen aus Politik und Diplomatie und warb um Solidarität und Unterstützung für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen.

In Jerusalem sprach der LWB-Präsident mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. von Jerusalem sowie dem anglikanischen Erzbischof Hosam E. Naoum und informierte sich über die aktuelle Situation der christlichen Gemeinden im Heiligen Land.

Gemeinsam bekräftigten sie erneut die Bedeutung eines gemeinsamen Zeugnisses von Christinnen und Christen aus verschiedenen Glaubenstraditionen, die alle zum einen Leib Christi gehören.

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7 November 2025, Jerusalem, Palestine: Most Rev. Hosam E. Naoum, Anglican archbishop of the Diocese of Jerusalem welcomes Lutheran World Federation president Bishop Henrik Stubkjær of the Evangelical Lutheran Church in Denmark and his delegation as part of a visit by the LWF President to the Holy Land from 4-9 November 2025. Photo: LWF/A. Hillert

7. November 2025, Jerusalem, Palästina: Der Anglikanische Erzbischof von Jerusalem, Hosam E. Naoum, begrüßt den Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Henrik Stubkjær von der Evangelisch-Lutherischen Volkskirche in Dänemark, und seine Delegation im Rahmen des Besuchs des LWB-Präsidenten im Heiligen Land vom 4. bis 9. November 2025. Foto: LWB/A. Hillert

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His Beatitude Theophilos III, the Patriarch of Jerusalem (right) receives Lutheran World Federation president Bishop Henrik Stubkjær (left) of the Evangelical Lutheran Church in Denmark. Photo: LWF/A. Hillert

Seine Seligkeit Theophilos III, der Patriarch von Jerusalem (rechts), empfängt den Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Henrik Stubkjær (links) von der Evangelisch-Lutherischen Volkskirche in Dänemark. Foto: LWB/A. Hillert

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8 November 2025, Jerusalem, Palestine: Spokesperson and community leader Eid Abu Khamis of Khan Al Ahmar – a Jahalin Bedouin community of some 35 families living in the so-called E1 Area of Jerusalem, under constant threat of eviction and forced displacement because of Israeli settlement expansion in the area – meets the LWF delegation led by President Bishop Henrik Stubkjær. Photo: LWF/A. Hillert

8. November 2025, Jerusalem, Palästina: Eid Abu Khamis, Sprecher und Ältester des Dorfes Khan Al-Ahmar – einer Gemeinde der Jahalin-Beduinen mit etwa 35 Familien, die im sogenannten E1-Gebiet von Jerusalem leben und durch den Ausbau israelischer Siedlungen in diesem Gebiet ständig von Vertreibung und Zwangsumsiedlung bedroht sind – trifft die LWB-Delegation unter Leitung von Präsident Bischof Henrik Stubkjær. Foto: LWB/A. Hillert

„Wir Kirchen sind aufgerufen, die Sprache der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu sprechen und stets für den Frieden einzutreten“, sagte Stubkjær. Er sei dankbar, „vom gemeinsamen Engagement von Christinnen und Christen zu hören. Diese sei ein starkes Signal, dass wir zusammenstehen und gemeinsam für Gerechtigkeit und für Frieden arbeiten und beten.“

Die LWB-Regionalreferentin für Asien, Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, die den LWB-Präsidenten bei dem Besuch begleitete, erwähnte die vielen wichtigen Aufgabenbereiche der Christinnen und Christen vor Ort, insbesondere der ELKJHL als LWB-Mitgliedskirche. Sie seien „ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit“. Die ELKJHL könne auch weiterhin darauf zählen, dass der LWB stellvertretend für seine über 78 Millionen Mitglieder weltweit an ihrer Seite stehe und sich für sie einsetze.

„Dieser Besuch hat uns zugleich geholfen, das Leben und Zeugnis dieser Kirche besser zu verstehen. Auch wenn die Kirche zahlenmäßig klein ist, bewirkt sie durch ihre Bildungsarbeit und ihr diakonisches Engagement doch sehr viel für die Menschen vor Ort. Wie die frühe Kirche steht auch sie vor vielen Herausforderungen und bleibt dennoch standhaft in ihrem Glauben und in der Hoffnung, die sie weitergibt.“

Resilienz und Hoffnung angesichts von Unrecht

Am Samstag überzeugten sich LWB-Präsident Henrik Stubkjær und seine Delegation aus erster Hand von den Folgen des Ausbaus der Siedlungsprojekte im sogenannten E1-Gebiet. Sie besuchten die israelische Siedlung Ma'ale Adumim und die Beduinengemeinde in Khan Al-Ahmar und erfuhren, wie sich die drohende Zwangsvertreibung auf die schutzlosesten palästinensischen Gemeinwesen auswirkt.

In Khan Al-Ahmar hörte die Gruppe Berichte der 35 Familien im Dorf, die sich seit Jahrzehnten gegen die drohende Vertreibung zu Wehr setzen.

Mit Blick auf die vielfältigen Begegnungen mit den Menschen und den Einsatz der Kirche vor Ort, auf die Arbeit des LWB-Weltdienstprogramms, das trotz großer Herausforderungen und knapper Ressourcen Not lindert, und auf die Aufgabe, angesichts von großer Hoffnungslosigkeit Hoffnung zu vermitteln, betonte LWB-Präsident Stubkjær die Resilienz und das Vertrauen von Palästinenserinnen und Palästinensern, ganz entschlossen eine eigene Zukunft aufzubauen.

„Mit unserer Anwesenheit hier wollen wir sie in ihrem Kampf begleiten, damit sie wissen: Sie gehen diesen Weg nicht allein, sondern wir arbeiten zusammen. Sie wissen, dass sie den Schmerz nicht alleine ertragen müssen, sondern ihn mit unserer weltweiten Kirchengemeinschaft teilen“, sagte er.

„Ich denke, wir haben gesehen, dass es auch für das palästinensische Volk eine Zukunft gibt. Wir müssen mit ihm zusammenarbeiten und es unterstützen. Müssen den Menschen helfen, ihr Potenzial zu nutzen. Müssen sie unterstützen, diese wichtige Arbeit für die Gesellschaft zu leisten, die die Kirche hier tut. Wir haben Schulen, Berufsbildungszentren, Umweltschutzeinrichtungen, Sozialarbeit und Evangeliumsverkündigung erlebt. Und darauf gründet sich Hoffnung“, erklärte Stubkjær abschließend.

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjæer war vom 4. bis 9. November zu Besuch im Heiligen Land und hat Vertreterinnen und Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, des LWB-Weltdienstprogramms sowie Vertretungen von Partnerorganisationen und der Politik getroffen. Begleitet wurde er dabei von Pfarrerin Dr. Rospita, LWB-Regionalreferentin für Asien, Caroline Tveoy, Leiterin der internationalen Programme des LWB, und Sieglinde Weinbrenner, Vertreterin des LWB in Jerusalem.

LWF/A. Hillert
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Palästinensische Autonomiegebiete
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