Glaube und Wisenschaft verbinden

In dieser Ausgabe von "Voices from the Communion" spricht Diakonin Yee Shan Ku über ihren Weg in die Leitung, die Situation ihrer Kirche und die Beziehung zwischen Wissenschaft und Glauben.

14 Nov 2025
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Yee Shan Ku at the LWF lay leader’s meeting in Bossey near Geneva, Switzerland. Photo: LWF/ C. Kästner-Meyer

Yee Shan Ku beim Treffen für Kirchenleitende in Führungspositionen in Bossey bei Genf, Schweiz. Foto: LWF/C. Kästner-Meyer

Yee Shan Ku, Lutherische Kirche in Hongkong und Macau

(LWI) – Der Weg in eine Leitungsposition war für Yee Shan Ku eine Reise der Entdeckung. Die Molekularbiologin dient ihrer Gemeinde als Diakonin. Im Frühjahr 2025 nahm sie am Seminar für nicht ordinierte Kirchenleitende in Genf teil, wo sie über ihre Gaben zur Gemeindearbeit sprach – und über DNA-Extraktion in der Kirche.

Erzählen Sie uns von Ihrer Kirche

Ich gehöre zur Lutherischen Kirche Hongkong und Macau, deren Wurzeln in der Arbeit norwegischer Missionare liegt. Diese brachten das Evangelium nach China und unterstützten dann Menschen in Hongkong beim Aufbau und der Leitung einer eigenen Kirche. So entstand unsere Kirchenstruktur mit derzeit neun Kapellen in Hongkong und einer in Macau. Heute ist die HKMLC eine von vielen christlichen Kirchen in der Region.

Was sind Ihre Hauptaufgaben in der Gemeinde?

Ich diene seit 2024 als Diakonin in der Hsin On Kapelle. Da ich noch neu in dieser Rolle bin, befinde ich mich im Lernprozess, wachsend in meinem Verständnis, wie ich der Gemeinde am besten dienen kann.

Unsere Kapelle liegt auf dem Gelände einer Grundschule, die von der HKMLC betrieben wird. Dadurch haben wir eine besondere Verbindung zu Kindern und ihren Familien. Jedes Wochenende bieten wir Nachhilfe und Gemeinschaftsangebote für Kinder an. Ich unterstütze diesen Dienst und helfe bei den Aktivitäten, wann immer ich kann.

Warum sind Sie Diakonin geworden?

Das ist eine lange Geschichte. Viele junge Familien ziehen aus Hongkongweg, auch aus unserer Kirche. Es braucht neue Leiterinnen und Leiter, und ich glaube, ich kann helfen.

Ich arbeite als Molekularbiologin in einem Forschungslabor und bin täglich mit Menschen konfrontiert, die selbstbewusst unterschiedliche Meinungen vertreten. Ich habe gelernt, zuzuhören, zu reflektieren und verständlich zu kommunizieren. Diese Fähigkeit wollte ich auch in der Kirche einsetzen – um Brücken zu bauen, Menschen zu verbinden und das Gemeindeleben zu stärken.

Viele sehen Wissenschaft und Glauben als Gegensätze. Wie sehen Sie das?

Als ich etwa sechs Jahre alt war, sah ich DNA-Modelle im Fernsehen. Ich war fasziniert. Wie kann ein Molekül wie ein Kunstwerk aussehen? Das hat mich tief beeindruckt. Ich träumte davon, Molekularbiologin zu werden.

Aus biologischer Sicht bestehen Organismen aus Molekülen. Moleküle formen Zellen, Zellen bilden Gewebe, Gewebe bauen Organe, und daraus entstehen Lebewesen. Aber wir sind mehr als Moleküle. Was gibt uns Sinn, Identität und Zweck? Ich glaube, das kommt von Gott.

Jedes Mal, wenn ich beobachte, wie Zellen und Moleküle zusammenarbeiten, sehe ich die Hand eines Schöpfers. Es ist keine Kleinigkeit, dass sich diese Moleküle drehen und detaillierten Prozessen folgen. Für mich weist diese Komplexität nicht vom Glauben weg – sondern hin zu ihm. Ich glaube, hinter diesem komplexen Design steht Gott.

Jedes Mal, wenn ich beobachte, wie Zellen und Moleküle zusammenarbeiten, sehe ich die Hand eines Schöpfers. Ich glaube, hinter diesem komplexen Design steht Gott.

Yee Shan Ku, Diakonin und Molekularbiologin, Hongkong und Macau Lutherische Kirche

Diese Feinabstimmung der Prozesse, diese Komplexität, das zeigt mir nicht einen Widerspruch zum Glauben, sondern einen Hinweis auf den Schöpfer.

Sie haben DNA-Extraktion in der Kirche gezeigt?

Mein Pastor erinnerte mich daran, dass nicht jede und jeder Zugang zur Universitätsbildung hat. Er fragte, wie ich mein Wissen in der Gemeinde einbringen könnte. Da fiel mir sofort Biologie ein. Wir sind in einem Bildungsumfeld, also schlug ich einen DNA-Workshop vor. Ich führte ein einfaches Experiment mit Banane, Spülmittel, Salz und Alkohol durch. Es war ein voller Erfolg.

Ist das Christentum in Hongkong eher eine Minderheit?

Ja. In vielen chinesischen Gemeinschaften ist das Christentum relativ neu. Missionare aus aller Welt haben dazu beigetragen, dass der christliche Glaube in unserer Region Fuß fasste.

Unsere Kirche ist stark mit Bildung verbunden. Wir betreiben einen Kindergarten, drei Grundschulen und eine weiterführende Schule. So erreichen wir mit dem Evangelium viele Kinder und Familien. Neben dem Unterricht bieten wir auch Nachhilfe, Gemeinschaftsangebote und Abschlussfeiern für die Schülerinnen und Schüler an. Anschliessend gibt es ein Essen und Austausch. So schaffen wir Beziehung und Raum für das Evangelium.

Wie hat sich die politische Lage auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Viele junge Familien verlassen Hongkong. Einige davon waren tragende Säulen in der Gemeindearbeit. Ihr Weggang hinterlässt eine Lücke – personell, aber auch geistlich und gemeinschaftlich. Das ist eine große Herausforderung.

Welche Rolle spielt die Kirche im Alltag?

Die Kirche lehrt Werte, gerade für junge Menschen. Unsere Arbeit in der Grundschule zeigt das deutlich. Kinder nutzen beispielsweise sehr früh technologische Geräte, sie haben Zugang zu sozialen Medien, aber sie lernen noch, was richtig und falsch ist.

Wir vermitteln christliche Werte, respektvolles Miteinander, gegenseitige Fürsorge. Wenn zwischen Menschen Liebe ist, sehen wir das Antlitz Gottes. Das ist das Fundament, das wir ihnen mitgeben wollen.

Was bedeutet es für Sie, Teil des Lutherischen Weltbundes zu sein?

Es bedeutet mir sehr viel. Auch wenn Hongkong klein ist, sehe ich, wie Gott in der Welt wirkt. Wir sind Teil von etwas Größerem. Keine Kirche ist zu klein, um etwas beizutragen, und keine zu groß, um noch etwas zu lernen.

Es tut gut zu sehen, wie Menschen weltweit unter einem Glauben verbunden sind. Wir lesen dieselbe Bibel, beten zu demselben Gott. Das bedeutet mir viel.

LWF/C. Kästner-Meyer