Religiöse Führungspersonen tauschen sich bei der UN-Umweltkonferenz im Talanoa-Dialogformat über verschiedene Themenkomplexe aus. Foto: Shantanu Mandal
LWB-Delegation erörtert bei internationaler Umweltkonferenz Rolle von religiösen Führungspersonen
(LWI) – Akteuren, die aus dem Glauben heraus handeln, komme eine wichtige Rolle dabei zu, internationale Maßnahmen in ethischen Überlegungen, dem Gerechtigkeitsgedanken und den konkreten Lebensrealitäten von vulnerablen Gemeinwesen und insbesondere jenen Gemeinwesen, die von der Umweltzerstörung am stärksten betroffen sind, zu verankern.
„Sie schützen marginalisierte Bevölkerungsgruppen in den Gemeinwesen und Menschen, die sich für die Rechte des Planeten einsetzen, aber oft als Störenfriede dargestellt werden“, erklärte Flawa Malle, eine junge erwachsene Führungsperson aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania.
Mit Blick auf ihre Teilnahme an der siebten Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA-7) im Dezember als Teil der Delegation des Lutherischen Weltbundes (LWB) erklärte sie, der LWB und andere Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, hätten auf der internationalen Konferenz die Verantwortung betont, sich für Gemeinwesen einzusetzen, die natürliche Ressourcen besäßen und schützten, und für all jene, die ihre Stimme gegen Narrative erhöben, die gegen diese Gemeinwesen gerichtet seien. „Umweltschutz beginnt mit dem Schutz von Menschen, die sich für die Umwelt stark machten“, unterstrich sie.
Umweltschutz beginnt mit dem Schutz von Menschen, die sich für die Umwelt stark machten.
Flawa Malle, Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania
Das Thema der UNEA-7 lautete „Nachhaltige Lösungen für einen widerstandsfähigen Planeten“. Zusammen mit dem Katholischen Jugendnetzwerk für ökologische Nachhaltigkeit in Afrika (CYNESA), der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, dem Umweltinstitut der südafrikanischen Glaubensgemeinschaften (SAFCEI) und Brahma Kumaris hatte der LWB während der Konferenz eine Veranstaltung mit 80 religiösen Führungspersonen organisiert. Unter Verwendung des Talanoa-Formats erörterten die Teilnehmenden die verschiedenen Themenbereiche der UN-Konferenz anhand von drei zentralen Fragestellungen: Wo stehen wir, was wollen wir erreichen und wie schaffen wir das? Im Mittelpunkt der Gespräche standen Werte, ethische Überlegungen, bestehende Ansatzpunkte für Akteure, die aus dem Glauben heraus handeln, innerhalb der UNEA und Möglichkeiten für mehr gemeinsames Handeln und Koordination.
Die religiösen Führungspersonen tauschten sich über ihr Engagement in multilateralen Umweltprozessen aus und betonten dabei die große Bedeutung eines Ansatzes, bei dem die Menschen im Mittelpunkt stehen, die Bedeutung von ethischem Führungswirken und der sinnvollen Einbindung in die internationalen Umweltschutzbemühungen. Sie unterstrichen das Potenzial eines Engagements aus dem Glauben heraus, um auf politischer und praktischer Ebene Einfluss auszuüben, und betonten aber auch, wie schwierig es sei, die Zusagen der internationalen Staatengemeinschaft in spürbaren Wandel auf lokaler Ebene zu übersetzen.
Gemeinsame Verantwortung
Collins Omondi, Referent für den Schutz von Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhalt im LWB-Länderprogramm in Kenia/Somalia, erklärte, die Umwelt- und Klimakrise erfordere Mut, Zusammenarbeit und eine Achtung aller Wissensformen. „Von der Wiederherstellung grenzüberschreitender Gewässer über die Förderung indigenen Wissens bis hin zur Zurüstung von Gemeinwesen zu mehr Selbstbestimmung und multilateralem Engagement – all das erinnert uns daran, dass der Aufbau von Resilienz unsere gemeinsame Verantwortung ist. Ob wir es schaffen, die Zukunft so zu gestalten, die wir uns wünschen, hängt von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen, und von unserem gemeinsamen Engagement für den Schutz des Planeten, den wir für unser aller Überleben brauchen“, betonte er.
Zusammen mit einer Reihe von Partnern organisierte der LWB erstmals eine Nebenveranstaltung bei einer UNEA, die unter der Überschrift „Ethisch verantwortliche Wege hin zu einem gerechteren und resilienten Planeten“ stand. Die Podiumsteilnehmenden bei dieser Veranstaltung zeigten, dass Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, die Resilienz von Gemeinwesen angesichts von klimatischen und ökologischen Problemen verbessern können. Sie tauschte sich aus über Initiativen, die die Verbindung zwischen ökologischen und gesellschaftlichen Krisen zu bewältigen versuchen, über Fürsprachearbeit für den Schutz von Menschen, die durch Klimaereignisse aus ihrer Heimat vertrieben wurden, und ihre Einbindung in die Entwicklungsplanung, sowie über ethisches Führungswirken und Grundsatzstrategien, bei denen Gerechtigkeit im Mittelpunkt steht.
Flawa Malle, Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania. Foto: Brian Nderitu
Delegierte des LWB vor dem UN-Gebäude in Nairobi, Kenia. Foto: Brian Nderitu
Jean de Marie Kabunga verdeutlichte bei der Nebenveranstaltung anhand eines Projekt zur Anpassung an den Klimawandel, das vom LWB-Länderprogramm in Kamerun und im Tschad umgesetzt wird, dass lokale Lösungsansätze greifbare Ergebnisse lieferten. „Das Projekt hat die Resilienz der Gemeinwesen verbessert, indem es die Haushaltseinkommen gesteigert, degradierte Böden durch naturnahe Lösungen erneuert und die lokalen Ökosysteme geschützt hat“, erklärte er. „Durch Maßnahmen zur Konfliktlösung hat es die Sicherheit der Menschen verbessert und Frauen zu mehr Selbstbestimmung zugerüstet.“
Elena Cedillo, die LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit, unterstrich, die UNEA-7 habe gezeigt, dass Ansätze, bei denen die Menschen im Mittelpunkt stehen und die naturnah sind, helfen können, die Auswirkungen des Klimawandels zu lindern und gleichzeitig insbesondere in Entwicklungsländern vor Biodiversitätsverlust und Bodendegradation zu schützen.
Die Umweltversammlung habe eine Reihe von Resolutionen zu verschiedenen Themen verabschiedet, darunter beispielsweise Korallenriffe, Flächenbrände, Gletscher und die Kryosphäre insgesamt, Koordination und Synergien, Künstliche Intelligenz, Teilhabe junger Menschen, Mineralien und Metalle, Chemikalien und Müll. Mehrere Resolutionen seien allerdings in den Verhandlungen „abgeschwächt“ worden, so Cedillo. „Die Formulierungen zu verbindlichen Zusagen und Fristen wurde vielfach möglichst vage gehalten, um einen Konsens zu erzielen, und anhaltende Meinungsverschiedenheiten zu Verantwortung, Gleichberechtigung und konkreten Umsetzungsstrategien verhinderten eine bessere Rechenschaftspflicht“, erklärte sie.
„Die Übersetzung der Resolutionen in konkrete Maßnahmen auf nationaler Ebene wird eine große Herausforderung sein, da viele Ergebnisse auf Freiwilligkeit ohne klare Überwachung oder Durchsetzungsmechanismen abstellen“, führte Cedillo aus.