Foto: LWB/Johanan Celine Valeriano
Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen diskutieren, wie Fest am 1. September zu gemeinsamem ökumenischen Festtag erhoben werden kann
(LWI) – Weltweite christliche Gemeinschaften, ökumenische Organisationen und nationale Kirchen und Ortsgemeinden haben einen wichtigen Schritt unternommen, um das alljährliche Fest der Schöpfung am 1. September zu einem liturgischen Fest zu erheben. Ein Webinar vor Kurzem unter der Überschrift „Ein neues liturgisches Fest – ein Geschenk für das 3. Jahrtausend“ hat betont, wie wichtig es für die größere Einheit im christlichen Gottesdienst und das Engagement für mehr Umweltschutz ist, ein solches Fest gemeinsam ökumenisch zu feiern.
Die Einladung zu dem Webinar am 18. und 19. März hatte ein internationaler Lenkungsausschuss ausgesprochen; moderiert wurde es vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und vertreten waren zahlreiche Kirchen und kirchliche Organisationen, so auch der Lutherische Weltbund (LWB). Insgesamt nahmen rund 400 Personen teil. Die Veranstaltung bot einen Raum, um gemeinsam über die theologischen Grundlagen für ein solches Fest nachzudenken, sich gegenseitig von den eigenen Erfahrungen zu berichten und die nächsten Schritte für die Einführung eines gemeinsam begangenen Feiertags festzulegen.
Die Wurzeln des Fests der Schöpfung sind auf eine alte christliche Tradition zurückzuführen: Insbesondere in den orthodoxen Kirchen wird am 1. September seit Langem der Beginn des Schöpfungsaktes gefeiert. Seit einigen Jahrzehnten hat diese Tradition auf Einladung der orthodoxen Kirchen ökumenisch immer mehr Anhänger gefunden und wurde zum Startschuss für die Zeit der Schöpfung erklärt, die wir jedes Jahr von diesem Tag bis zum 4. Oktober feiern.
Seit 2016 feiern immer mehr Kirchen in aller Welt diese Zeit der Schöpfung und werden dabei auch von Graswurzelbewegungen, theologischer Reflexion und internationalen Dialogen unterstützt. Die aktuelle Initiative will auf dieses Momentum aufbauen und Kirchen animieren, ein offizielles Fest der Schöpfung in ihre liturgischen Kalender aufzunehmen, damit alle christlichen Gläubigen weltweit am gleichen Tag – dem 1. September oder dem nächstgelegenen Sonntag – gemeinsam ein solches Fest feiern können.
Den Webinar-Teilnehmenden wurde eine Materialsammlung präsentiert, die die Kirchen bei der Umsetzung unterstützen soll. Sie enthielt theologische Aufsätze, Orientierungshilfen für die Gestaltung des Gottesdienstes und praktische Empfehlungen zur Unterstützung der Kirchen auf allen Ebenen – von weltweiten Gemeinschaft bis hin zu Ortsgemeinden – bei der Aufnahme eines Fests der Schöpfung in ihre liturgischen Kalender und die kirchliche Praxis. Zudem enthielt sie ein gemeinsames Schreiben von den Führungspersonen des LWB, der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, dem Weltrat Methodistischer Kirchen, dem ÖRK und dem Kirchenrat des Nahen Ostens, in dem diese Vorschläge von ihren verschiedenen ökumenischen Dialogen in Assisi seit 2024 resümierten. Die ökumenischen Feierlichkeiten zum 1.700-jährigen Jubiläum des Konzils von Nizäa hätten sie inspiriert, so schrieben sie. Zudem bezeichneten sie die Möglichkeit eines gemeinsamen liturgischen Fests der Schöpfung als „eine wertvolle Gelegenheit für die [Christinnen und] Christen des dritten Jahrtausends, den dreieinigen Gott als Schöpfer zu ehren und das Geheimnis der Schöpfung aller Dinge durch Christus zu feiern“.
Christliche Spiritualität
Die Erörterungen im Plenum hoben die vielfältigen theologischen Aspekte eines Fests der Schöpfung hervor. Verschiedene Stimmen unterstrichen, dass die Schöpfung ein trinitarisches Geheimnis sei, eine sakramentale Realität, die Gottes Gegenwart offenbare, und ein Bund mit allen lebendigen Wesen. Gleichzeitig räumten die Teilnehmenden ein, dass Feier und Wehklage angesichts der ökologischen Krisen in einem Spannungsverhältnis stünden, bekräftigten aber, dass beide zur christliche Spiritualität dazugehörten. „Während wir unseren Blick und unser Hauptaugenmerk auf die Schöpfung legen, dürfen wir sie nicht romantisieren“, erklärte Prof. Dr. Dirk Lange, der Assistierende Generalsekretär des LWB für ökumenische Beziehungen. „Auch die Schöpfung seufzt und sehnt sich nach Erlösung. Sie ist gut, aber nicht perfekt. Das Fest der Schöpfung wird auch diesen Aspekt berücksichtigen.“
Ein weiteres wichtiges Thema, das immer wieder zur Sprache kam, war die Bedeutung des Revised Common Lectionary (RCL) – ein international genutzter Leseplan für Bibeltexte im Gottesdienst – als ökumenisches Instrument, das die Eingliederung des Fests der Schöpfung in den verschiedenen Konfessionen unterstützen könnte. Für das RCL wird bereits an Plänen gearbeitet, das Fest in den liturgischen Kalender aufzunehmen.
Die Webinar-Teilnehmenden unterstrichen darüber hinaus die Notwendigkeit, für die Liturgie zuständige Gremien, Theologie-Fachleute und Kirchenleitungen einzubinden, aber gleichzeitig die Teilhabe an der Basis sicherzustellen. In kleineren themenorientierten und konfessionellen Arbeitsgruppen berichteten die Teilnehmenden von Erkenntnissen aus ihren nationalen und regionalen Kontexten und setzten sich mit der allgemeineren ökumenischen Vision auseinander.
Nationale und globale Prozesse verbinden
„Die lutherischen Stimmen betonten, wie wichtig es sei, Initiativen auf nationaler Ebene mit den globalen Prozessen zu verknüpfen. Sie schlugen vor, dass der LWB weitere Gespräche unter für die Liturgie zuständigen Fachleuten und anderen kirchlichen Gremien ermöglichen und organisieren solle, um die Umsetzung einer gemeinsamen Feier dieses Festes voranzutreiben“, berichtete Prof. Dr. Lange.
Aus Schweden wurde den Teilnehmenden berichtet, dass etablierte Traditionen rund um das Erntedankfest bereits ökologische Themen aufgreifen würden, gleichzeitig wurde aber betont, dass es wichtig sei, das Fest der Schöpfung als weltweiten Festtag zu konzipieren und nicht als lokal verankerten Brauch. In Italien könnten lutherische und andere evangelische Kirchen und Organisationen die Diskussion in andere bereits laufende Zusammenarbeit bei ökologischen Initiativen einbetten.
Für Deutschland wurde die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) als treibende Kraft für weiteres Engagement zum Thema benannt. Der vom ACK jedes Jahr für den ersten Freitag im September ausgerufene ökumenische „Tag der Schöpfung“ sei eine solide Grundlage für die Etablierung eines Fests der Schöpfung unter Einbindung der lokalen Synoden und Ortsgemeinden.
Wir hoffen, dass ein Fest der Schöpfung allgemein Zustimmung finden und als gemeinsames Fest etabliert werden kann – und damit sowohl das spirituelle Leben in den Kirchen beleben und ihnen in ihrer Antwort auf die dringenden Herausforderungen in der heutigen Welt helfen kann
Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen
Auch Teilnehmende aus Norwegen, Lettland, Indonesien und den USA meldeten sich zu Wort und skizzierten unterschiedliche Ansätze, aber ein gemeinsames Bekenntnis, den Vorschlag umsetzen zu wollen. Allgemein erörterten die Teilnehmenden mögliche nächste Schritte, darunter die Anpassung von Leseordnungen, die Einbindung von Kirchenleitungen und ökumenischen Gremien sowie die Notwendigkeit, Material und Workshops einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Als entscheidend für die tatsächliche Verankerung eines Fests der Schöpfung im Leben der Kirche wurde hervorgehoben, dass Kirchenleitungen vorangehen und Vorgaben machen müssten, aber auch dass die Menschen an der Basis eingebunden würden.
„Wir hoffen, dass ein Fest der Schöpfung nun im weiteren Verlauf allgemein Zustimmung finden und als gemeinsames Fest etabliert werden kann – und damit sowohl das spirituelle Leben in den Kirchen beleben und ihnen in ihrer Antwort auf die dringenden Herausforderungen in der heutigen Welt helfen kann“, fügte Lange hin.