Für gerechten Wandel, indigene Rechte und konkretes Handeln vor Ort

Wenige Tage vor dem Ende des Klimagipfels COP30 der Vereinten Nationen weist der Lutherische Weltbund darauf hin, dass wir nicht nur einen gerechten Übergang zu einer Wirtschaft ohne fossile Energieträger brauchen, sondern einen gerechten Wandel. 

27 Nov 2025
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An indigenous woman blows a horn as tens of thousands gather in downtown Belém for a People's March for Climate Justice in connection with COP30 in Brazil. Photo: LWF/A. Hillert

Eine indigene Frau bläst zum Auftakt eines Demonstration für Klimagerechtigkeit mit Zehntausenden Teilnehmenden während der COP30 in Brasilien im Stadtzentrum von Belém in ihr Horn. Foto: LWB/A. Hillert

Wege zu inklusiven und gerechten Klimaschutzmaßnahmen 

Eine neue Studie von LWB und Franciscans International, die in Verbindung mit einer hochrangig besetzten Veranstaltung im Rahmen der COP30 zum Thema gerechter Übergang – ein wichtiger Punkt der diesjährigen Verhandlungen – veröffentlicht wurde, befasst sich ausführlich mit der Frage, wie ein gerechter Übergang inklusive Klimaschutzmaßnahmen fördern und wie sichergestellt werden kann, dass niemand zurückgelassen wird. 

Budi Tjahjono von Franciscans International sprach über den neuen Forschungsbericht „Just Transition and Human Rights: View of Faith-Based Communities“ (Gerechter Übergang und Menschenrechte aus der Sicht Gemeinschaften, die aus dem Glauben heraus handeln).

Bei Gesprächen mit Glaubensgemeinschaften in aller Welt hat sich als wichtigste Erkenntnis herauskristallisiert, dass die Frage eines gerechten Übergangs mehr beinhaltet, als der Begriff Übergang nahelegt. Die Studie zeige vielmehr, dass wir, so Tjahjono, eine wirkliche Transformation brauchen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein gerechter Übergang aus Sicht von Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, im Kern in ethischen Grundprinzipien – Gerechtigkeit, Gleichheit, Menschenwürde und der Schutz von Menschenrechten – verankert sein müsse. Es gehe nicht lediglich um technische Veränderungen in unserer Energieerzeugung oder unseren Wirtschaftssystemen, sondern um einen ganzheitlichen Prozess, der soziale Gerechtigkeit, Inklusion, Nichtdiskriminierung und ökologisches Gleichgewicht fördert. 

Elena Cedillo, LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit, erklärte, dass ein gerechter Übergang insbesondere im Energiesektor die Chance biete, zum Beispiel den Zugang zu Energie zu demokratisieren. „Anstatt lediglich eine Energiequelle durch eine andere zu ersetzen, ohne das vorhandene System anzutasten, müssen wir an der Zurüstung lokaler Gemeinschaften zu mehr Selbstbestimmung mitwirken, indem sie direkten Zugang zur Energieversorgung unter eigener Regie erhalten, anstatt weiterhin von großen, oft multinationalen Konzernen abhängig zu bleiben. Ein gerechter Übergang muss das Gemeinwesen in den Mittelpunkt stellen.“ 

„Damit ein gerechter Übergang Wirkung zeigt, brauchen wir nicht nur eindeutige Verpflichtungen, sondern müssen den Menschen dies auch so kommunizieren, damit die Maßnahmen für sie verständlich sind und von ihnen auch auf lokaler Ebene umgesetzt werden können. Ich meine, dass wir als Glaubensgemeinschaften eine wichtige Rolle übernehmen und dabei helfen können, diese Brücke zu bauen“, ergänzte Cedillo. 

Bei den Themen, die auf der COP verhandelt wurden, sei es um viel mehr als nur um erneuerbare Energien gegangen. 

„Es geht um Menschenrechte, um Menschenwürde, um indigene Völker und um Landrechte. Das ist besonders in Anbetracht der Tatsache wichtig, dass sich der größte Teil der Mineralien und anderen Rohstoffe, die zur Umsetzung eines so genannten ‚ökologischen Wandels‘ in der Industrie benötigt werden, auf Land von indigenen Völkern überall auf der Welt befinden“, führte Cedillo aus.

„Rund 54 Prozent der für einen Übergang zu sauberer Energie laufenden Projekte und der Bergbauunternehmen, die die dafür wichtigen Rohstoffe fördern, befinden sich auf dem Land indigener Völker. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die indigenen Völker hier auf der COP dabei sind und gehört werden“, erklärte sie. 

Eine „COP der Wahrheit“ am Rande des Amazonas

Bei den diesjährigen Verhandlungen, die offiziell am vergangenen Freitag zu Ende gehen sollten, stand als wichtiges Ergebnis ein konkreter Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern im Raum, denn die fossilen Energieträger sind der Hauptgrund für die steigenden globalen Temperaturen und der daraus resultierenden Destabilisierung der Wetterlagen auf der ganzen Welt. 

Die COP30 wurde auch als „COP der Wahrheit“ bezeichnet und vom Gastgeberland Brasilien zu jener COP erklärt, die konkrete Maßnahmen und echte Lösungen für die eskalierende Klimakrise auf den Weg bringen sollte. Allerdings wurde zum Ende der Verhandlungen immer deutlicher, dass in wichtigen Punkten kein Konsens erreicht wurde.

Dies ist die COP der Wahrheit, und die Menschen verdienen es, die Wahrheit zu hören, und die Wahrheit ist, dass wir einen gerechten Übergang brauchen, der für die lokalen Gemeinschaften gerecht ist. 

Maro Micah Maua, KELK 

Die diesjährige COP fand am Rande des Amazonas statt und stellte damit ins Rampenlicht, wie wichtig unsere Wälder und die Eindämmung ihrer Abholzung sind, und wie wichtig es ist, indigenen Völkern zuzuhören und etwas über ihre Lebenswirklichkeit zu erfahren – denn viele von ihnen sind oft am stärksten von Klimaungerechtigkeit betroffen. 

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Indigenous peoples stand up to demand climate justice, at COP30 in Brazil. Photo: LWF/A. Hillert

Indigene Völker fordern auf der COP30 in Brasilien Klimagerechtigkeit. Foto: LWB/A. Hillert

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Alongside tens of thousands of civil society representatives, indigenous people march through Belém. Photo: LWF/A. Hillert

Zusammen mit Zehntausenden Vertretern der Zivilgesellschaft marschieren indigene Völker durch Belém. Foto: LWB/A. Hillert

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Indigenous people rally at the conclusion of a People's March for Climate Justice organized in connection with the United Nations climate summit in Brazil. Photo: LWF/A. Hillert

Indigene Völker versammeln sich zum Abschluss eines Volksmarsches für Klimagerechtigkeit, der im Zusammenhang mit dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in Brasilien organisiert wurde. Foto: LWB/A. Hillert

Adriana Lisbeth Alvarado Rodríguez, eine junge Frau aus der Salvadorianischen Lutherischen Kirche, hat im Rahmen einer ökumenischen ÖRK-Delegation an der zweiten COP30-Woche teilgenommen und erklärt, dass „die COP30 deshalb so wichtig ist, weil sie am Rande des Amazonas stattfindet – einer für den Schutz unseres Planeten sehr wichtigen Region. Und weil die Regierungen dieses Jahr daran arbeiten sollten, die für den Klimaschutz geschlossenen Abkommen konkret umzusetzen.“ 

„Wir hoffen, dass sich die Staaten zur finanziellen Unterstützung der schutzbedürftigsten Menschen verpflichten, dass sie konkrete Schritte hin zu einem gerechten Übergang weg von fossilen Brennstoffen unternehmen und dass sie den Schutz des Amazonas und der indigenen Menschen verbessern“, sagte sie. 

Maro Micah Maua von der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der an früheren COP persönlich und virtuell als Delegierter des LWB teilgenommen hat, war dieses Jahr mit Unterstützung seiner eigenen Regierung in Belém. 

Er berichtete über das bewegende Zeugnis von indigenen Menschen auf der diesjährigen COP, die sich erhoben und gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit gewehrt haben. 

„Dies ist die COP der Wahrheit, und die Menschen verdienen es, die Wahrheit zu hören, und die Wahrheit ist, dass wir einen gerechten Übergang brauchen, der für die lokalen Gemeinschaften gerecht ist. Es geht darum sicherzustellen, dass die Abkommen und Pläne, die auf den Weltgipfeln beschlossen werden, letztlich von den lokalen Gemeinschaften mitgetragen werden müssen“, sagte er. 

„Ich glaube, dass die beste weitere Vorgehensweise darin besteht, anzuerkennen, dass die Menschen den Mächtigen gegenüber für die Wahrheit eintreten müssen, und es sind vor allem die jungen Menschen, auf die es bei der Durchsetzung der Veränderungen, die wir brauchen, ankommt. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass die indigenen Gemeinschaften mit eingebunden werden und ihr Wissen genutzt wird. Und nicht zuletzt möchte ich auch auf unsere Gemeinschaft zurückkommen und daran erinnern, dass es bei der Advocacy-Arbeit des LWB nicht nur um globale Input geht, sondern dass auch lokale Maßnahmen wichtig sind“, erklärte Maua abschließend. 

Der LWB-Delegation bei der COP30 gehören Kirchenleitende – Männer, Frauen und junge Erwachsene –  von allen Kontinenten an, was deutlich macht, dass die Fürsprachearbeit zu lokalen Lösungen für die Klimakrise animiert und politische Grundsatzentscheidungen zum Schutz der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen in der Welt mitgestaltet. Bei der COP30 arbeiten sie mit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien und anderen Akteuren, die aus dem Glauben heraus handeln, bei Online- und Präsenzveranstaltungen zusammen.

LWF/A. Hillert