Engagement für gerechte globale Steuerregeln

LWB und Partnerorganisationen: globale Steuerstrukturen verschärfen Ungleichheit und untergraben Entwicklung

19 Dez 2025
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Silje Margrete Ander von Norwegian Church Aid (links) und Bischof Nelson Kisare von der Mennonitischen Kirche von Tansania während eines interreligiösen Gebets am Rande der Sitzung zur UN-Steuerkonvention in Nairobi. Foto: Catherine Namnyak/ACT

Silje Margrete Ander von Norwegian Church Aid (links) und Bischof Nelson Kisare von der Mennonitischen Kirche von Tansania während eines interreligiösen Gebets am Rande der Sitzung zur UN-Steuerkonvention in Nairobi. Foto: Catherine Namnyak/ACT

(LWI) – Angesichts ungerechter globaler Steuerstrukturen, die Ungleichheit verschärfen und Entwicklung untergraben, müssen Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, ihre Advocacy-Arbeit intensivieren und auf Reformen drängen, die Gerechtigkeit fördern und die Menschenwürde schützen.  

Diese Einschätzungen teilten Vertreterinnen und Vertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) und anderer Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, sich in multilateralen Prozessen zur Entwicklung eines globalen Steuersystems engagieren und kürzlich an einer Sitzung des Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses für eine Rahmenkonvention der Vereinten Nationen (UN) zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich Steuern teilgenommen haben. 

Die Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, äußerten ihre große Sorge darüber, dass die derzeitigen globalen Steuerregeln weiterhin Steuervermeidung im großen Stil, illegale Finanzströme und ungleiche Machtverhältnisse begünstigen. Dadurch würden Ländern mit niedrigem Einkommen dringend benötigte Mittel für grundlegende öffentliche Fürsorge entzogen. Ohne Reformen, so warnten sie, werde sich die Ungleichheit weiter verschärfen, und Regierungen wären dauerhaft außerstande, die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Krisen zu bewältigen, von denen die vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen besonders stark betroffen sind.  

Silje Margrete Ander von Norwegian Church Aid (NCA) wies darauf hin, dass das globale Steuersystem vor nahezu einem Jahrhundert für eine völlig andere Welt geschaffen worden sei und den heutigen wirtschaftlichen Realitäten nicht mehr entspreche. Es habe multinationalen Konzernen und wohlhabenden Staaten ermöglicht, auf Kosten von Ländern mit niedrigem Einkommen zu profitieren.  

Heute gehen enorme Geldsummen durch Steueroasen und Gewinnverlagerung verloren. Das führt dazu, dass Regierungen nicht über die Mittel für eine öffentliche Grundversorgung der Menschen in ihrem Land verfügen.

Silje Margrete Ander, Norwegian Church Aid

„Das globale Steuersystem wurde vor nahezu einem Jahrhundert für eine völlig andere Welt entworfen“, betonte Ander. „Heute gehen enorme Geldsummen durch Steueroasen und Gewinnverlagerung verloren. Das führt dazu, dass Regierungen nicht über die Mittel für eine öffentliche Grundversorgung der Menschen in ihrem Land verfügen. Steuern sollten die Finanzierung von Gesundheitsversorgung, Bildung und Katastrophenhilfe ermöglichen – anstatt Ungleichheit weiter zu verschärfen.“  

Verantwortung und Gerechtigkeit

„Es ist an der Zeit, die globale Finanzordnung neu zu gestalten, damit sie allen Menschen und dem Planeten dient – und nicht nur einer privilegierten Minderheit“, sagte auch der LWB-Delegierte Ignatius Michael Uhuru Dempers von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia.  

Dempers, der dem LWB-Ratsausschuss für Advocacy-Arbeit und öffentliche Meinung als beratendes Mitglied angehört, betonte, dass extreme Ungleichheit die wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Krisen unserer Zeit weiter verschärfe. Die Konzentration von Reichtum habe ein destabilisierendes Ausmaß erreicht. Viele Länder, darunter auch einige in Afrika, seien nicht in der Lage, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren, da durch das globale Steuersystem erhebliche Finanzmittel abflössen.

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Die derzeitigen globalen Steuerregeln begünstigen Steuervermeidung im großen Stil. Foto: Catherine Namnyak/ACT

Die derzeitigen globalen Steuerregeln begünstigen Steuervermeidung im großen Stil. Foto: Catherine Namnyak/ACT

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Ignatius Michael Uhuru Dempers (im gemusterten Hemd) vertrat den LWB bei den Verhandlungen zur UN-Steuerkonvention im November 2025 in Nairobi. Foto: LWB/I. Toroitich

Ignatius Michael Uhuru Dempers (im gemusterten Hemd) vertrat den LWB bei den Verhandlungen zur UN-Steuerkonvention im November 2025 in Nairobi. Foto: LWB/I. Toroitich

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AACC-Generalsekretär Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki. Foto: Catherine Namnyak/ACT

AACC-Generalsekretär Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki. Foto: Catherine Namnyak/ACT

Über sein Heimatland Namibia, das reich an mineralischen Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen ist, sagte Dempers, es belege derzeit Platz zwei der Länder mit der größten sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit. Die Verpflichtung, Kredite an internationalen Finanzmärkte zu bedienen, führe dazu, dass „dringend notwendige Investitionen in Grundsicherung, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau und Sanitärversorgung immer wieder verschoben werden“, führte er aus.  

Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC), sprach mit Blick auf die Verhandlungen in Nairobi von einer moralischen Bewährungsprobe. Besteuerung sei Ausdruck eines Gesellschaftsvertrags, der auf Gerechtigkeit und Verantwortung beruhe. Die gegenwärtigen globalen Praktiken höhlen diese Prinzipien jedoch aus, indem sie Gewinnverlagerung ermöglichten und ärmere Länder daran hinderten, wirksame soziale Sicherheitsnetze aufzubauen.  

„Wenn Steuersysteme die Mächtigen begünstigen, wenn multinationale Konzerne Gewinne vertuschen und wenn Reiche sich ihren Verpflichtungen entziehen, während die Armen die Last tragen, verraten wir das göttliche Prinzip der Gerechtigkeit“, sagte er.  

Begleitend zu den Lobbygesprächen luden Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, – a darunter die AACC, Norwegian Church Aid (NCA), der LWB, Christian Aid und der Ökumenische Rat der Kirchen – zu einem interreligiösen Gebet ein.  

Isaiah Toroitich, Leiter der globalen Advocacy-Arbeit des LWB, unterstrich die Notwendigkeit, das Engagement des LWB und anderer Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, in den Foren zur globalen Steuerreform konsequent fortzusetzen. Auch wenn die dritte Sitzung im November 2025 in Nairobi nicht beschlussfassend gewesen sei, habe sie „den Rahmen für weiterführende Arbeiten von Regierungen und anderen maßgeblichen Akteuren geschaffen, um die gemeinsame Verpflichtung zu einer gerechten und inklusiven UN-Steuerkonvention auf der Grundlage von Gleichberechtigung und demokratischer Verantwortlichkeit zu bekräftigen“. Der LWB werde auch bei den kommenden Sitzungen im Jahr 2026 Advocacy-Arbeit betreiben und habe gemeinsam mit anderen Organisationen, die aus dem Glauben heraus arbeiten, eine schriftliche Stellungnahme mit zentralen Anliegen eingebracht, die in einer künftigen steuerpolitischen Rahmenkonvention berücksichtigt werden sollten.

LWF/P. Mumia
Land:
Schweiz
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