Eintreten für Rechte und Teilhabe von indigenen Völkern

Eine Konsultation des LWB vor Kurzem hat betont, wie wichtig es ist, die Rechte von indigenen Völkern in der weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft zu schützen und die Zusammenarbeit durch konkrete Maßnahmen auszubauen. 

11 Dez 2025
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Auf dem diesjährigen Weltklimagipfel der Vereinten Nationen COP30 im November in Belém, Brasilien, singen Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen nach einer Plenarsitzung auf ihrem Marsch durch den Veranstaltungsort der Konferenz „Lieder des Widerstands“. Foto: LWB/Albin Hillert

Auf dem diesjährigen Weltklimagipfel der Vereinten Nationen COP30 im November in Belém, Brasilien, singen Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen nach einer Plenarsitzung auf ihrem Marsch durch den Veranstaltungsort der Konferenz „Lieder des Widerstands“. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Konsultation bekräftigt langjähriges Engagement für indigene Völker und gemeinsame Verpflichtungen

(LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) hat erneut bekräftigt, wie wichtig es ist, dass sich indigene Völker seit vielen Jahren mit ihren Erfahrungen und ihrem Engagement in die weltweite Kirchengemeinschaft und die Gesellschaft insgesamt einbringen.  

Eine Online-Konsultation mit Teilnehmenden aus Mitgliedskirchen in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und der Karibik sowie Nordamerika vor Kurzem bot die Möglichkeit, sich über die Erfahrungen, das Wissen und die Weisheit von indigenen Völkern sowie die in ihrem Engagement gewonnenen Erkenntnisse zu informieren.  

Die Referierenden sprachen zudem über die Sorgen und Probleme, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, zum Beispiel die in aller Welt weit verbreiteten Formen von Diskriminierung, die Hindernisse beim Zugang zu Diensten der Daseinsvorsorge wie Bildung und Gesundheit sowie Vertreibung vom Land ihrer Vorfahrinnen und Vorfahren unter Androhung von Gewalt und wirtschaftlicher Ausgrenzung.

LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt legte einen Schwerpunkt auf Ungerechtigkeit durch Wirtschafts- und Politikmodelle, die Menschen und Natur zugunsten von mehr Reichtum und Macht ausbeuteten. „Wir leben in einer Zeit, in der die Anzahl der bewaffneten Konflikte in der Welt und auch die Gewalt an Frauen und Mädchen immer weiter zunimmt“, sagte sie. „Wir sind mit Klimakatastrophen und einer Ausbeutung der Natur sowie der Zwangsvertreibungen vieler Menschen durch Konflikte oder Extremwetterereignisse konfrontiert“, fügte Burghardt hinzu.  

Die LWB-Generalsekretärin äußerte aber auch die Hoffnung, dass Prozesse zur Wahrheitsfindung und Versöhnung, die in verschiedenen Ländern angestoßen wurden, zu Heilung, Versöhnung und einem stärkeren Schutz der Menschenrechte führen werden. „Gott ruft uns auf, in allen Menschen unsere Geschwister zu sehen, die nach dem Bild Gottes geschaffen sind und von Gott geliebt werden“, so Burghardt.

Erfahrungsaustausch und Formulierung von Empfehlungen 

Die Vertreterinnen und Vertreter der LWB-Mitgliedskirchen vermittelten einen umfassenden Überblick über jene Themen, die für indigene Völker von besonderer Bedeutung sind, darunter ihr Landschafts- und Kulturerbe sowie die enge Bindung zur Natur und ihren jeweils angestammten Gebieten. Es wurde besonders auf die Aufgabe eines interkulturellen Handlungsansatzes auf der Grundlage von Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt sowie auf die Sensibilisierung nicht-indigener Menschen hingewiesen, um einen respektvollen Dialog und Verständigung zu ermöglichen. Weiterhin wiesen die Teilnehmenden darauf hin, wie wichtig es sei, Theologien in Frage zu stellen, die Unterdrückung fördern oder tolerieren. 

Auch die Bewahrung indigener Sprachen müsse ein Arbeitsschwerpunkt sein. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Bildung in indigenen Sprachen möglich sein müsse und die Übersetzung von Dokumenten und Büchern, auch der Bibel, in indigene Sprachen wichtig seien, um den Zugang zu Informationen und eine fundierte Teilhabe an Entscheidungsprozessen zu ermöglichen.  

Die Ausbildung von Führungskompetenzen in Kirchen und Theologie-Seminaren, die Förderung von Frauen in Führungspositionen und die Bekämpfung von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt – und auch das Thema vermisster und ermordeter indigener Frauen – wurden als essenzielle Forderungen gesehen.  

Die Konsultation fand am 25. November statt, dem Beginn der 16 Aktionstage gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt, an denen sich der LWB jedes Jahr beteiligt. Generalsekretärin Burghardt ermutigte die Teilnehmenden in ihrer Ansprache, sich mit jenen indigenen Frauen und Mädchen solidarisch zu erklären, die von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind.  

In der Diskussion über den Klimanotstand wiesen die Teilnehmenden darauf hin, dass Vertreibung, Landenteignung, Umweltverschmutzung, die Veränderungen bei den Wettermustern und der Verlust von Tierarten besonders indigene Völker treffe. Sie forderten eine kritische Auseinandersetzung mit dem „ökologischen Wandel“, der nicht zu einer neuen Form des Kolonialismus werden dürfe. Prozesse zur Wahrheitsfindung und Versöhnung wurden als wichtige Instrumente für Gerechtigkeit, Heilung und Wandel bezeichnet.  

Folgende Kirchenleitende nahmen als Podiumsgäste an der Konsultation teil: Vance Blackfox, Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika, Pfarrerin Karen Castillo, Präsidentin der Augustinischen Lutherischen Kirche von Guatemala, Bischöfin Selma (Shu-Chen) Chen, Präsidentin der Lutherischen Kirche Taiwans; Fabian Dinamarca, Evangelische Kirche am La Plata (Argentinien), Lavinia Heffernan, Lutherische Kirche Australiens, Sara Keränen, Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands, Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk, Diözese Grönland, Evangelisch-Lutherische Volkskirche in Dänemark, und Pfr. Josef Ngula, Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN).

Rechte indigener Völker in Gefahr

Die Präsentationen von Dr. Ojot Miru Ojulu, dem derzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden des UN-Expertenmechanismus für die Rechte der indigenen Völker (EMRIP), und Dr. Michael Wiener vom Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) zeigten, wie wichtig die Bereitstellung von Räumen für die Zusammenarbeit mit indigenen Völkern ist, wenn es um Angriffe auf ihre Rechte – Land, Selbstverwaltung, Sprache, Kultur und Teilhabe an Entscheidungsprozessen – und die unverhältnismäßigen Auswirkungen des Klimawandels auf diese Bevölkerungsgruppen geht. Gegenseitiges Lernen, Peer-Austausch und ein offener Dialog wurden als wichtige Ziele genannt. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, den Dialog zwischen indigenen Völkern und anderen Glaubensgemeinschaften aus der Perspektive der Religions- oder Glaubensfreiheit anzugehen und dabei immer den internationalen Menschenrechtsrahmen zu beachten, der die Menschenwürde schütze.

Wir werden weiterhin gemeinsam mit unseren Mitgliedskirchen Räume für Dialog, Zusammenarbeit und konkrete Maßnahmen für den Schutz der Rechte indigener Völker schaffen.

Fabián Wilches, LWB-Referent für Advocacy-Arbeit 

Die Konsultation war ein erster Schritt, die auf der LWB-Vollversammlung 2023 verabschiedete Resolution zu den Rechten indigener Völker sowie Beschlüsse früherer Vollversammlungen umzusetzen, die Räume für indigene Stimmen, eine Förderung von Prozessen für Wahrheitsfindung und Versöhnung sowie den stärkeren Schutz von Menschenrechten und Landrechten forderten.  

„Wir werden weiterhin gemeinsam mit unseren Mitgliedskirchen Räume für Dialog, Zusammenarbeit und konkrete Maßnahmen für den Schutz der Rechte indigener Völker schaffen“, erklärte Fabián Wilches, LWB-Referent für Advocacy-Arbeit. Die Beiträge und die vorgeschlagenen Maßnahmen „werden in den kommenden Jahren als Anleitung für die Arbeit des LWB zu den Rechten indigener Völker dienen“. Die Konsultation hat darüber hinaus die Zusammenarbeit des LWB mit den verschiedenen UN-Mechanismen wie EMPIR und OHCHR gestärkt.   

LWB/E. Williams