Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes, nimmt am Abschlussgottesdienst der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen teil, die vom 24. bis 28. Oktober 2025 in Wadi El Natrun, Ägypten, unter der Überschrift „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ stattgefunden hat. Foto: Albin Hillert/ÖRK
LWB-Generalsekretärin am Ende der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung über Einheit von christlichen Gläubigen
(LWI) – Die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, erklärte am Ende der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die gerade in Wadi El Natrun in Ägypten stattgefunden hat, die Aufgabe aller christlichen Gläubigen bestehe darin, die Einheit und Versöhnung Gottes sichtbar zu machen und „das Risiko einzugehen, von unseren Nächsten verwandelt zu werden“.
Sie sprach über „Shalom, Salam und Gottes allumfassenden Frieden, der Gottes Wille ist für das Volk Gottes“. Dieser Frieden stehe allerdings im Gegensatz zu den zahlreichen Konflikten, die in vielen Ländern auf der Welt wüteten – von den Kriegen im Gazastreifen, in der Ukraine und in anderen Ländern bis hin zu den sozioethischen Problemen, die weiterhin zu einer tiefen Spaltung von Familien und Gesellschaften führten. „Die Politik verschärft diese Meinungsverschiedenheiten allzu oft und trägt zu einer weiteren Polarisierung bei“, stellte sie fest.
Die Kirchen müssten einen anderen Umgang anbieten, so Burghardt, und „Respekt für die Würde der anderen und die Würde aller geliebten Kinder Gottes zeigen“. Sie fragte: „Sind wir in der Lage, einander respektvoll zu begegnen, auch wenn wir uns in zahlreichen Fragen uneinig sind? Oder wollen wir dem Beispiel zahlloser Länder folgen, die die Gräben auf beiden Seiten der Straße noch weiter zu vertiefen, obwohl uns die Straße dazwischen doch den Weg weisen könnte?“
Wir können Einheit nicht selbst schaffen; die Quelle der Einheit ist Gott.
Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, LWB-Generalsekretärin
„An der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, sollte die Welt erkennen können, dass wir Jüngerinnen und Jünger Christi sind“, sagte Burghardt weiter und sprach über die Natur der Beziehung zwischen den Menschen und Gott, der Menschen untereinander und zwischen den Menschen und der Schöpfung insgesamt. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, das ein zentrales Thema der Konferenz war, böte ein perfektes Beispiel für die drei Personen der Trinität, „die vollständig in ihrer wechselseitigen Beziehung zueinander existieren“, sagte sie. „Wir können Einheit nicht selbst schaffen; die Quelle der Einheit ist Gott“, sagte sie abschließend. „Unsere Aufgabe ist es, diese Einheit, diese Versöhnung sichtbar zu machen [...] und das Risiko auf uns zu nehmen, von den anderen transformiert zu werden – von unseren Nächsten, die Christus ebenfalls folgen und zusammen mit uns unterwegs sind.“
Ein vereinigendes Glaubensbekenntnis
Die Konferenz in Ägypten vom 24. bis 28. Oktober war die erste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung seit 1993 und wurde von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) organisiert. Pfr. Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär für ökumenische Beziehungen beim LWB, hat ebenfalls an der Konferenz teilgenommen und betont, wie wichtig es sei, dass die Konferenz anlässlich des 1.700-jährigen Jubiläums des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa stattgefunden habe. Das Konzil von Nizäa, das vom römischen Kaiser Konstantin einberufen worden war, hatte begonnen, ein Bekenntnis zu formulieren, das ein einigendes Glaubensbekenntnis darstellte, hinter dem sich alle christlichen Gläubigen der damaligen Zeit versammeln konnten. „Das Konzil von Nizäa wollte eine neue Sprache finden, um gegen irreführende Theologien vorzugehen“, erklärte Lange, „und legte damit ein in jener Zeit verständliches Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus ab. Es ist Grundlage für die lutherischen Bekenntnisschriften.“
Pfr. Prof. Dr. Dirk G. Lange, Assistierender LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen, auf der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung. Foto: ÖRK/A. Hillert
Pfr. Prof. Dr. Dirk G. Lange, Assistierender LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen, auf der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung. Foto: Albin Hillert/ÖRK
Pfarrerin Prof. Dr. Stephanie Dietrich (Norwegische Kirche), Vorsitzende der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, im Gespräch mit Seiner Eminenz Bischof Abraham von der Koptischen Orthodoxen Kirche auf der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung. Foto: ÖRK/A. Hillert
Die diesjährige Konferenz für Glauben und Kirchenverfassung wurde von der Koptischen Orthodoxen Kirche ausgerichtet und konzentrierte sich in seinen Diskussionen schwerpunktmäßig auf die Frage „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“. Teilnehmende waren vor allem Theologinnen und Theologen aus allen Weltregionen und zum ersten Mal fand mit dieser Konferenz eine solche historische Konferenz im globalen Süden statt. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops in kleinen Gruppen hätten die Teilnehmenden gemeinsam versucht, „einen Weg hin zur Einheit aller christlichen Gläubigen und vielleicht auch eine Antwort auf die Frage zu finden: Welchen Welt nun zur sichtbaren Einheit?“, berichtete Lange. Auch Gottesdienste und Andachten bildeten einen wichtigen Teil der Konferenz und machten die Teilnehmenden mit zahlreichen neuen Liedern bekannt, die in Anlehnung an das Nizänische Glaubensbekenntnis komponiert wurden. „Diese Sammlung von Glaubensliedern ist sehr wertvoll für unsere Gottesdienste“, fügte Lange hinzu.
Die Region Wadi El Natrun in Ägypten wurde als idealer Veranstaltungsort für die Konferenz ausgesucht, da sie als Wiege des Mönchtums gilt und dort noch mehrere alte Klöster zu finden sind, die im frühen dritten und vierten Jahrhundert gegründet wurden. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit dem historischen und dem politischen Kontext des ersten Konzils von Nizäa, aber auch mit der Frage, was es bedeutet und welche Auswirkungen es hat, dass sich alle christlichen Gläubigen der verschiedenen Konfessionen in der heutigen Zeit zu einem gemeinsamen Glauben bekennen.