Der lutherisch-pfingstkirchliche Austausch umfasste theologische Gespräche, gemeinsame Gottesdienste mit örtlichen Gemeinden, Gespräche mit Pfarrpersonen und Studierenden sowie eine große öffentliche Vorlesung am Theologischen Seminar Jakarta. Foto: STFT/Dion Sembiring.
Gottesdienst und Rolle des Heiligen Geistes im Mittelpunkt bei lutherisch-pfingstkirchlichem Dialog in Indonesien
(LWI) – Theologische Gespräche, gemeinsame Gottesdienste mit Gemeinden vor Ort, Gespräche mit Pfarrpersonen und Studierenden sowie eine große öffentliche Vorlesung am Theologischen Seminar Jakarta standen auf der Tagesordnung einer Tagung von Vertreterinnen und Vertretern des Lutherischen Weltbundes und der Weltgemeinschaft der Pfingstkirchen vergangene Woche in Indonesien.
Das vom Seminar und dessen Präsidenten, Prof. Binsar Jonathan Pakpahan, ausgerichtete Treffen vom 10. bis 16. April stellte die jüngste Runde einer zweiten Dialogphase der beiden Glaubenstraditionen dar, die im vergangenen Jahr in Brasilien begonnen hatte. Die gemeinsame Feier von Gottesdiensten mit lokalen Gemeinden sowie ein Austausch über die Herausforderungen, vor denen lutherische und pfingstkirchliche Christinnen und Christen in vielen Teilen der Welt stehen, waren dabei zentrale Themen.
„Am ersten Tag wurden wir sehr herzlich von der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP) im Stadtteil Meteng und von Mitgliedern der El Roi-Pfingstgemeinde empfangen“, berichtete Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär des LWB für Ökumenische Beziehungen. „An beiden Orten haben wir lebhafte Gebete und Gesänge erlebt, die uns viele Denkanstöße gegeben haben, zumal wir uns in der aktuellen Phase unseres Dialogs mit den Themen Gottesdienst und christliche Bildungsarbeit in unseren jeweiligen Traditionen befassen“, so Lange.
Von Augsburg nach Azusa
Bei einer öffentlichen Vorlesung, die Lange zusammen mit der Pfingsttheologin Prof. Lisa Stephenson hielt, unterstrich er auf das Bekenntnis des LWB zur Ökumene und sprach über den Weg von Augsburg, wo die Reformatorinnen und Reformatoren 1530 im Augsburger Bekenntnis ihren Glauben bekräftigten, bis zur Azusa Street in Los Angeles, wo die moderne Pfingstbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts Fuß fasste. Luthers Reformbewegung selbst, so Lange, sei ebenfalls eine „Erweckungsbewegung“ gewesen, die sich schnell ausgebreitet habe.
„Der Heilige Geist offenbart sich auf ganz unterschiedliche Weise und lässt sich niemals auf unsere zumeist starren Definitionen oder Kategorien festlegen“, so Lange. „Luthers Reform der damaligen Kirche bestand ja darin, Raum für das Wirken des Heiligen Geistes zu schaffen“, fügte er hinzu, „denn was sonst ist das Geschenk der Rechtfertigung allein durch den Glauben?“ Das Augsburger Bekenntnis, eine zentrale lutherische Schrift, sei als „ökumenischer Vorschlag an die Kirche“ gedacht gewesen, betonte Lange mit Blick auf die Geschichte der Beziehungen zwischen lutherischen Kirchen und Pfingstkirchen in den letzten 50 Jahren.
Der derzeitige Fokus auf den Gottesdienst in den beiden Glaubenstraditionen sei ein entscheidendes Thema, sagte Lange, da „unsere doch recht unterschiedlichen Gottesdienstpraktiken“ allzu häufig zu Missverständnissen und Misstrauen führten. Ökumene, so sagte er abschließend, sei weniger eine Sammlung großer Begriffe, sondern eine Praxis der Veränderung, „wenn der Heilige Geist uns auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft, auf dem Weg der Versöhnung vorantreibt bzw. mitzieht und wir an Gottes Werk der Erneuerung der Welt teilhaben.“