Diakonia: Menschen zurüsten für Kampf gegen Ungerechtigkeit

Diakonie-Fachleute aus verschiedenen LWB-Mitgliedskirchen sprechen über erprobte Initiativen, die Menschen für den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt und illegale Einwanderung zurüsten und ihnen Hoffnung geben.  

20 Jan 2026
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Teilnehmende einer vom LWB geförderten Schulung zur Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Gewalt und psychosoziale Unterstützung in Carabobo, Venezuela. Foto: IELV/ Judith Bracho 

Teilnehmende einer vom LWB geförderten Schulung zur Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Gewalt und psychosoziale Unterstützung in Carabobo, Venezuela. Foto: IELV/ Judith Bracho 

Diakonie-Fachleute des LWB tauschen Erfahrungen aus und setzen auf Networking 

(LWI) – Wichtig bei der Umsetzung von diakonischen Projekten durch Kirchen mit Unterstützung des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist der Austausch über bewährte Praktiken über alle LWB-Regionen hinweg. Das bekräftigt unsere Berufung, Hoffnung zu verbreiten, Gemeinwesen zu stärken und weltweit tatsächlich etwas zu bewegen. 

„Diakonisches Engagement ist nicht optional. Es zeigt vielmehr, wie Kirchen ihren Glauben praktisch leben – durch ein sichtbares und mutiges Eintreten für Liebe, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Welt, in der wir leben“, erklärt Ashenafi Haile, LWB-Programmreferent für Diakonie und Entwicklung. 

Ashenafi führt Schulungsworkshops für die Verantwortlichen von Projekten der LWB-Mitgliedskirchen durch, in denen die Teilnehmenden erfahren, wie sich solche Initiativen auf die Gemeinwesen auswirken. Dabei können sie voneinander lernen und zugleich erfahren, was sie als Mitglieder der lutherischen Kirchengemeinschaft verbindet. 

Diakonisches Engagement ist nicht optional. Es zeigt vielmehr, wie Kirchen ihren Glauben praktisch leben – durch ein sichtbares und mutiges Eintreten für Liebe, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Welt, in der wir leben.

Ashenafi Haile, LWB-Programmreferent für Diakonie und Entwicklung 

Schulung zum Thema Kinderschutz  

Bei einem Online-Workshop Ende 2025 tauschten sich 36 Diakonie-Fachleute, überwiegend aus LWB-Mitgliedskirchen in Lateinamerika und der Karibik sowie vereinzelt aus Afrika und Asien, über ihre Erfahrungen in insgesamt 14 vom LWB unterstützten Projekten aus. So erfuhren die Teilnehmenden beispielsweise, dass das Thema Kinderschutz für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kolumbien (IELCO) einen zentralen Stellenwert hat, zumal die Menschen dort auch in Friedenszeiten noch immer unter den Folgen von jahrzehntelanger Drogenkriminalität und Guerillakämpfen leiden. „Die Kirche setzt sich stark für den Schutz von Kindern und die Schaffung sicherer Räume ein, in denen Kinder ihre Rechte kennenlernen und offen reden können“, erläuterte Alexandra Nossa. 

Neben der Unterstützung im Bildungsbereich arbeitet die IELCO mit den Kindern daran, Gefahrenquellen zu erkennen, sich gegenseitig zu schützen und Selbstvertrauen aufzubauen, so Nossa. Ihre Eltern, Erziehungsberechtigten und andere Erwachsene im Umfeld werden darin geschult, schädliche Verhaltensweisen zu bekämpfen, die Kindesmissbrauch und geschlechtsspezifische Gewalt begünstigen. Ein ähnliches Projekt mit Schulungen in Seelsorge und persönlicher Hygiene für Jugendliche und Frauen führt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Venezuela (IELV) im nordwestlichen Bundesstaat Carabobo durch.

Rückkehrende unterstützen  

Pfr. Emmanuel Gabriel berichtete über Eindrücke aus dem LWB-Projekt Symbole der Hoffnung in Nigeria, das sich mit den Risiken irregulärer Migration und Menschenhandel wie sexueller Ausbeutung und Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern befasst. Die Lutherische Kirche Christi in Nigeria (LKCN) will mit dieser Initiative auf die Situation von Rückkehrenden aufmerksam machen. Menschen, die wieder nach Nigeria zurückkehren, wird geholfen, ihre Erlebnisse zu erzählen, sie bekommen psychosoziale Unterstützung, Beratung, Qualifizierungsmaßnahmen und Hilfe bei der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten.   

„Die Risiken sind verheerend, kosten unzähligen jungen Menschen das Leben und hinterlassen tiefe Narben in Familien und Gemeinwesen – insbesondere bei jungen Frauen.“ Diese seien aufgrund begrenzter Möglichkeiten im Land besonders gefährdet, sagte er.   

Zwischen 2017 und 2025 erhielten rund 3.500 zurückgekehrte Migrantinnen und Migranten – 67 % davon waren Frauen – im Rahmen des Projektes der LKCN Unterstützung zum Wiederaufbau einer Existenzgrundlage und zur psychosozialen Wiedereingliederung. Die Zahl der potenziell Ausreisewilligen, die über Radio, nationales Fernsehen und Sportveranstaltungen in Nigeria von dem Projekt erreicht wurden, dürfte noch deutlich höher liegen.  

Für Shenafi sind die Diskussionen über diese und andere Projekte der IELCO, der LKCN, und der IELV ein Zeichen dafür, dass es notwendig ist, die Kinderschutzrichtlinien in den Gemeinwesen zu stärken und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Stellen, die sich mit Migration und Menschenhandel befassen, zu verbessern.  

Mit Blick auf ähnliche Workshops im Jahr 2026 betonten die Teilnehmenden, wie wichtig der Austausch über bewährte Praktiken in den Bereichen wirtschaftliche Gerechtigkeit, Inklusion von Menschen mit Behinderungen und interreligiöser Dialog sei. „Die Online-Workshops tragen dazu bei, Mitarbeitende aus der Diakonie und Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den verschiedenen LWB-Regionen miteinander zu vernetzen. Das fördert die Zusammenarbeit zwischen Asien, Lateinamerika und der Karibik sowie globalen Partnern und stärkt so eine tragfähige, vernetzte diakonische Gemeinschaft“, fügte Ashenafi hinzu.   

LWB/E. Williams