15. November 2025, Belém, Brasilien: COP30-Delegierte des LWB und Vertreterinnen und Vertreter von anderen Kirchen und ökumenischen Partner nehmen gemeinsam mit mehreren zehntausend Menschen in der Innenstadt Beléms an einer Demonstration für Klimagerechtigkeit während des Klimagipfels der Vereinten Nationen COP30 in Belém, Brasilien, teil. Foto: LWB/A. Hillert
LWB-Delegation fordert Rechenschaftspflicht, Mut und gemeinsame Verantwortung
Als der Klimagipfel COP30 der Vereinten Nationen (UN), der vom 10. bis 21. November in Belém, Brasilien, stattgefunden hat, in die zweite Hälfte ging, haben die Delegierten des Lutherischen Weltbundes (LWB) in unterschiedlichen Verhandlungsforen nachdrücklich ihre Stimme erhoben.
Die zweiwöchige Verhandlungsrunde sollte zu Vereinbarungen über die Bekämpfung einer eskalierenden globalen Klimakrise führen und fand zehn Jahre nach Verabschiedung des wegweisenden Pariser Klimaabkommens auf der COP21 im Jahr 2015 statt. Damals war ein Aktionsrahmen festgelegt worden, damit der weitere globale Temperaturanstieg nicht zu einer Katastrophe führt.
Allerdings ist die Welt auch zehn Jahre nach der Pariser Konferenz in keiner Weise auf einem Weg, der uns dem gesetzten Ziel einer globalen Erwärmung um maximal 1,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau näherbringen könnte.
Vielmehr war schon 2024 sogar das erste Jahr, in dem die Durchschnittstemperaturen den Zielwert von 1,5 °C überschritten haben, und aktuelle Berichte der Vereinten Nationen deuten darauf hin, dass sich die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,6 °C erwärmen wird.
Unseren einen gemeinsamen Heimatplaneten bewahren
Zu Beginn der COP30 waren mehr als 100 religiöse Führungspersonen vor Ort in Belém zusammengekommen, um Bilanz zu ziehen und über Advocacy-Initiativen zu beraten, die wir brauchen, um echte und konkrete Lösungen voranzutreiben und ernsthafte Verpflichtungen von den Regierungen in den kommenden Jahren zu bewirken.
Carine Josiéle Wendland von der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), eine der zahlreichen jungen LWB-Delegierten auf der COP30, hat darauf hingewiesen, wie dramatisch die Situation ist.
„Die 1,5 °C haben wir im vergangenen Jahr bereits in mehreren einzelnen Monaten überschritten. Konkrete Maßnahmen sind also dringender erforderlich als jemals zuvor. Wir müssen mit unseren Regierungen und unseren lokalen Behörden sprechen, einen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern fordern und dafür sorgen, dass sie sich mit aller Kraft für einen gerechten Übergang einsetzen. Wir müssen begreifen, dass wir nur einen einzigen gemeinsamen Heimatplaneten haben. Es ist nicht nur die gemeinsame Heimat aller Menschen lutherischen Glaubens oder aller Menschen katholischen Glaubens, sondern unser aller Heimatplanet. Alle Menschen leben auf diesem einen Planeten, und wir sind ein Teil davon“, sagte sie.
Ein Talanoa-Dialog, der in diesem Jahr von der IECLB-Gemeinde in Belém ausgerichtet wurde, fließt durch den interreligiösen Verbindungsausschuss (ILC) zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in den COP-Prozess ein.
Gesprächsrunde während einer interreligiösen Veranstaltung im Geiste eines Talanoa-Dialogs am Eröffnungstag des Klimagipfels COP30 der Vereinten Nationen. Foto: LWB/A. Hillert
Gesprächsrunde während einer interreligiösen Veranstaltung im Geiste eines Talanoa-Dialogs am Eröffnungstag des Klimagipfels COP30 der Vereinten Nationen. Foto: LWB/A. Hillert
Im Rahmen einer interreligiösen Veranstaltung im Geiste eines Talanoa-Dialogs am Eröffnungstag des Klimagipfels COP30 der Vereinten Nationen werden Fragen gestellt. Foto: LWB/A. Hillert
„Es ist wichtig, dass wir unsere gemeinsamen moralischen Überzeugungen in mutiges und ethisches Handeln übersetzen. Und Glaubensgemeinschaften können uns dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen“, erklärte die LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit, Elena Cedillo.
Unter Hinweis auf das Pariser Klimaabkommen und seine nach wie vor zu zögerliche Umsetzung durch praktisch alle Regierungen wies Cedillo darauf hin, dass die Nationalen Klimabeiträge in diesem Jahr einen wichtigen Schwerpunkt auf dem Klimagipfel bildeten, ebenso wie das Thema eines gerechten Ausstiegs aus einem von fossilen Energieträgern getriebenen Wirtschaftswachstums.
Gleichzeitig, so Cedillo, leiste der LWB durch seine Advocacy-Arbeit und seine Forschungsarbeit in den Mitgliedskirchen und Gemeinwesen auf der ganzen Welt, durch die er das Wissen über die gegebenen Realitäten, aber auch die vorhandenen Chancen verbessern will, einen Beitrag zu diesem Prozess.
„Tatsächlich wird immer wieder an uns herangetragen, dass wir nicht nur einen gerechten Ausstieg brauchen, sondern einen tiefergreifenden Wandel, der auf Menschenrechten und Menschenwürde aufbaut“, sagte sie.
Lindsey Fielder Cook vom Büro der Quäker bei den Vereinten Nationen unterstrich, dass „wir religiösen Führungspersonen und Stimmen des Glaubens Grenzen überschreiten können. Deshalb ist dieser Raum interreligiösen Austausch so wichtig für uns. Wir kommen hier zusammen, um uns über diese Themen auszutauschen und Verantwortung für unsere Rollen in der Vergangenheit und der heutigen Welt zu übernehmen.“
Damit Stimmen von indigenen Völkern, Frauen und jungen Erwachsenen gehört werden
Im Rahmen einer vom ILC einberufenen Pressekonferenz unter der Überschrift „Stimmen des Glaubens auf der COP30 über die ethischen Dimensionen der Verhandlungen und des Klimaschutzes“ berichtete die LWB-Delegierte Ruth Alesandra Choque Huanca von der Bolivianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche über ihre Erfahrungen als junge indigene Aymara-Frau.
LWB-Delegierte auf der COP30 unterwegs am Veranstaltungsort in Belém. Foto: LWB/A. Hillert
„Ich habe gelernt, dass Anpassung an den Klimawandel bedeutet, sich zu kümmern und Leben zu schützen, und dass wir mit konkreten Maßnahmen etwas gegen die Auswirkungen des Klimawandels unternehmen müssen. Das bedeutet, dass wir auf unsere Ältesten hören, das Wissen unserer Vorfahrinnen und Vorfahren mit den uns heute zur Verfügung stehenden Instrumenten verbinden und bei all unserem Handeln den Respekt vor der Natur wahren müssen“, erklärte sie.
Für Klimagerechtigkeit zu protestieren bedeutet, dass alle Menschen in diesem COP-Prozess gehört werden können: indigene Völker, Frauen, junge Erwachsene und zahlreiche andere vulnerable Gruppen.
Wiebke Zimmermann, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, Deutschland.
Am 13. November versammelten sich Menschen vieler unterschiedlicher Glaubenstraditionen im Stadtpark Praça Batista Campos in Belém zu einer Mahnwache für die Erde, die im Rahmen der ökumenischen und interreligiösen TAPIRI-Initiative organisiert worden war. Ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit sind ein wichtiges Merkmal der Arbeit des LWB auf der COP30.
„Ich bin der Meinung, dass es eine große Wirkung hat, wenn Menschen aus unterschiedlichen Lebenskontexten und mit unterschiedlichen Religionen zusammenkommen können, um gemeinsam zu beten, Dank zu sagen, nachzudenken und gemeinsame Wünsche zu formulieren. Hier in Belém wünschen wir uns einen gerechteren Umgang mit unserem Heimatplaneten, der Natur, der Schöpfung und den Menschen“, sagte Jorge Fernando Cunha von der IECLB. Der Koordinator des Projekts zu Klimagerechtigkeit unter der Leitung junger Erwachsener auf der COP30 gehörte zu den vielen hundert Menschen, die an der Mahnwache für die Erde teilgenommen haben.
Im Stadtpark Praça Batista Campos in Belém versammeln sich Menschen zu einer Mahnwache für die Erde. Foto: LWB/A. Hillert
Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen gehörten zu den zehntausenden von Menschen, die sich in der Innenstadt von Belém zu einer Demonstration für Klimagerechtigkeit versammelt haben. Foto: LWB/A. Hillert
Bei einem ökumenischen und interreligiösen Gottesdienst in der Kathedrale der Heiligen Maria der Anglikanischen Episkopalkirche in Belém halten sich Menschen beim gemeinsamen Gebet an den Händen. Foto: LWB/A. Hillert
Am 15. November versammelten sich mehrere zehntausend Menschen in den Straßen von Belém zu einem Marsch für Klimagerechtigkeit – darunter auch Vertreterinnen und Vertreter verschiedener christlicher Glaubenstraditionen und nicht zuletzt auch viele indigene Menschen.
„Für Klimagerechtigkeit zu protestieren bedeutet, dass alle Menschen in diesem COP-Prozess gehört werden können: indigene Völker, Frauen, junge Erwachsene und zahlreiche andere vulnerable Gruppen“, erklärte die COP30-Delegierte des LWB Wiebke Zimmermann von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Deutschland.
„Ich hoffe, dass die Welt verstehen wird, dass es noch Hoffnung für diesen Planeten gibt, und dass die Menschen verstehen werden, dass diese Erde, unser Heimatplanet, es wert ist, dass wir für ihn kämpfen. Wir können immer noch für die Begrenzung des weiteren Temperaturanstiegs kämpfen. Wir können immer noch für einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern kämpfen. Wir können immer noch für einen gerechten Wandel kämpfen.“
„Die Zukunft, die wir wollen, beginnt jetzt“
Am Ende der ersten COP30-Woche rief der LWB eine Pressekonferenz am Austragungsort des Gipfels ein, die thematisch auf die Perspektiven von jungen Menschen auf Klimagerechtigkeit ausgerichtet war.
Maria Eduarda Müller von der IECLB spricht auf einer Pressekonferenz, die der LWB im Rahmen des Klimagipfels COP30 der Vereinten Nationen einberufen hat. Foto: LWB/A. Hillert
Luiz Henrique Seidel, nationaler Koordinator des IECLB-Jugendrates und Leiter der Pressekonferenz, erklärte, dass „wir jungen Menschen nicht mehr darum bitten, gehört zu werden, sondern dass wir konkrete Lösungen aufzeigen, Bewegungen anführen und die Zukunft in Echtzeit aufbauen. Klimagerechtigkeit wird nicht durch Versprechungen allein herzustellen sein, sondern durch Rechenschaftspflicht, Mut und gemeinsame Übernahme von Verantwortung. Wir fordern die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf der COP30 auf, mit der gebotenen Entschlossenheit zu handeln, die unsere Generation und alle künftigen Generationen verdienen.“
Maria Eduarda Müller von der IECLB, die auf der Pressekonferenz ebenfalls das Wort ergriff, unterstrich abschließend: „Unser Überleben darf nicht mehr von Versprechen oder einer nur auf dem Papier existierenden Klimapolitik abhängen. Es muss jetzt gehandelt werden, denn die Vergangenheit ist Geschichte, die Gegenwart bereits vorbei, und die Zukunft, die wir wollen, beginnt jetzt.“
Der LWB-Delegation bei der COP30 gehören Kirchenleitende – Männer, Frauen und junge Erwachsene – von allen Kontinenten an, was deutlich macht, dass die Fürsprachearbeit zu lokalen Lösungen für die Klimakrise animiert und politische Grundsatzentscheidungen zum Schutz der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen in der Welt mitgestaltet. Bei der COP30 arbeiten sie mit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien und anderen Akteuren, die aus dem Glauben heraus handeln, bei Online- und Präsenzveranstaltungen zusammen.