Botschaft zum Karfreitag 2026
Jesus zieht mit seinen Freunden hinauf nach Jerusalem. Welche Hoffnungen, welche Erwartungen hatten sie da. Mit diesem Jesus bricht eine neue Welt an. Jetzt wird es bald gerechter, solidarischer, liebevoller zugehen in unserer dunklen Welt. Die neue Welt ist die Welt Gottes, von der Jesus erzählt und die er in seiner Zuwendung zu den Menschen gelebt hat. Doch dann das: Gefangennahme, Prozess, Verurteilung, Hinrichtung. Damit waren alle Hoffnungen, alle Erwartungen, die Jesu Freunde mit ihm verbunden haben, plötzlich in Frage gestellt. Statt Hoffnung auf Liebe, Gerechtigkeit und Leben nur Hass, Verachtung und Tod.
Daran erinnern wir bis heute am Tag der Kreuzigung Jesu. Doch erstaunlich ist dabei, dass dieser Tag auf Englisch „Good Friday“ heißt. Was ist an diesem Tag voller Schmerzen, Leid und Tod gut? Der Schreiber des Hebräerbriefs (Hebräer 4, 14-16) gibt uns einen Hinweis. „Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir“ (Hebr 4,15).
Das ist also das Gute an diesem Todestag Jesu. Jesus kommt uns ganz nahe. Er ist einer von uns – auf der Seite derer, die leiden, die angefochten sind, ratlos, hoffnungslos, am Ende mit ihrer Kraft, ausgeliefert an die Mächtigen, ohne jede Perspektive. Jesus kommt in die tiefsten Tiefen menschlicher Existenz. Er leidet. Er stirbt. Genau diese Solidarität mit uns ist das Gute an diesem traurigen Tag des Todes. Jesus kennt uns und er erträgt, was uns belastet. Wenn wir meinen am Ende zu sein, wenn wir nicht mehr ein noch aus wissen, wenn wir ohnmächtig und hoffnungslos sind, dann ist Jesus an unserer Seite. Er ist nicht ein jenseitiger Gott. Er steht nicht über den Dingen. Sondern er ist mittendrin in unserer Welt, in unserem Leben, in unseren Herausforderungen. Jesus kennt die Einsamkeit und die Angst. Er weiß wie es ist, ohnmächtig zu sein und von allen verlassen. Er kennt die Tränen, die Verzweiflung. Er hat sie selbst durchlebt. So ist er, der mitleidende Gott, auf unserer Seite. Gibt uns Kraft und Mut mitten in allen unseren dunklen Erfahrungen.
„An dem Bekenntnis“ zu diesem Herrn „halten wir fest“ (Hebr 4,14). Er stärkt uns auf unserem Weg, er ermutigt uns zu Schritten auf dem Weg des Friedens, er gibt uns Kraft mitten in allen unseren Bedrängnissen. Deshalb ist der Todestag Jesu ein „Good Friday“ und sein Tod eine Ermutigung zum Leben.
Oberkirchenrat i.R. Michael Martin ist ein Mitglied im Rat des Lutherischen Weltbundes. Er ist ehemaliger Leiter der Abteilung „Ökumene und Kirchliches Leben“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Deutschland.