Auf dem Weg zu voller Kirchengemeinschaft: anglikanische und lutherische Kirchen ziehen Bilanz

Die Vertiefung der lutherisch-anglikanischen Beziehungen in verschiedenen Weltregionen führt zu mehr Verständnis auf dem Weg zur vollständigen, sichtbaren Einheit aller christlichen Gläubigen 

13 Mär 2026
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Mitglieder der Internationalen Anglikanisch-Lutherischen Kommission für Einheit und Mission nahmen an einem abendlichen Evensong in der Westminster Abbey, London, teil. Foto: Anglikanische Kirchengemeinschaft/Neil Vigers

Mitglieder der Internationalen Anglikanisch-Lutherischen Kommission für Einheit und Mission nahmen an einem abendlichen Evensong in der Westminster Abbey, London, teil. Foto: Anglikanische Kirchengemeinschaft/Neil Vigers

Internationale Anglikanisch-Lutherische Kommission für Einheit und Mission tagt in London und spricht über missionarische Ökumene 

(LWI) – Die Kirchengemeinschaft unterschiedlicher christlicher Konfessionen ist „kein zu einem bestimmten Zeitpunkt durch Texte oder Maßnahmen erreichter statischer Zustand“, sondern vielmehr „ein vielschichtiger Prozess, der über einen längeren Zeitraum hinweg passiert“. Diese Überzeugung bildet die Grundlage für die Arbeit von lutherischen und anglikanischen Führungspersonen aus verschiedenen Ländern weltweit, die in der Internationalen Anglikanisch-Lutherischen Kommission für Einheit und Mission (ALICUM) auf eine vollständige und sichtbare Einheit der christlichen Kirchen hinarbeiten. 

Die Mitglieder der Lenkungsgruppe dieser internationalen Kommission sind vom 4. bis 7. März in der britischen Hauptstadt London zusammen, um sich über die Arbeit der verschiedenen Tandems aus jeweils einer Bischöfin oder einem Bischof der anglikanischen und der lutherischen Kirche zu informieren. Dabei ging es auch um die Frage, wie sich das Missionsverständnis in verschiedenen lokalen Kontexten auf die Gestaltung der ökumenischen Aktivitäten und Beziehungen der Kirchen dort auswirken. „Eine wesentliche Erkenntnis aus diesen Gespräche ist, dass Kirchengemeinschaft an verschiedenen Orten unterschiedliche Formen annehmen kann“, heißt es in einem am Ende des Treffens veröffentlichten Communiqué. 

Es entsteht ein neues Verständnis von der engen Verbindung zwischen Einheit und Mission.

Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär des LWB für ökumenische Beziehungen 

Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär für ökumenische Beziehungen des Lutherischen Weltbundes (LWB) und Co-Vorsitzender der Lenkungsgruppe, sagte, die Teilnehmenden seien von den Berichten der Zweiergruppen aus lokalen Kirchenleitenden über die Fortschritte des vergangenen Jahres begeistert gewesen. „Kirchengemeinschaft sieht an verschiedenen Orten ganz unterschiedlich aus“, bekräftigte er, „doch sie entwickeln sich im Laufe der Zeit stetig weiter. Es entsteht ein neues Verständnis von der engen Verbindung zwischen Einheit und Mission, bzw. von missionarischer Ökumene.“  

Die Lenkungsgruppe tagte am Sitz der weltweiten Anglikanischen Kirchengemeinschaft, feierte gemeinsam Gottesdienst, besuchte Sonntagsgottesdienste in Gemeinden vor Ort und nahm an einem abendlichen Evensong in der Westminster Abbey teil. Zudem fanden während des Treffens auch Online-Gespräche mit Bischöfinnen und Bischöfen der ALICUM aus Deutschland, Finnland, dem Heiligen Land, Irland, Kamerun, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Tansania und den USA statt.

Vom lokalen Kontext lernen  

Die Mitglieder der Lenkungsgruppe, die die Tandems aus zwei Kirchenleitenden planen und betreuen, berieten über die Erfahrungsberichte aus verschiedenen Kontexten, insbesondere aus Kanada, wo anglikanische und lutherische Kirchen seit fast 25 Jahren auf allen Ebenen immer enger zusammenarbeiten – von der Kirchenleitung bis zur Basis. Sie wiesen darauf hin, dass sich in dem wachsenden Kreis von inzwischen über 60 gemeinsamen anglikanisch-lutherischen Ortsgemeinden praktische Fragen ergeben haben, etwa in Bezug auf Gottesdienstordnung, Sakramente und Leitungsstrukturen.  

Auch das im Juni 2025 in München unterzeichnete neue „Augsburger Abkommen“ zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Episkopalkirche in Europa wurde diskutiert. Beide Kirchen, so heißt es in dem gemeinsamen Communiqué, „erkennen in der jeweils anderen Kirche das Fortbestehen der auf das Evangelium bezogenen historischen Nachfolge“ an – eine Grundlage für die volle Kirchengemeinschaft. Darüber hinaus blickte die Gruppe auf die bevorstehenden Ereignisse wie die nächste Sitzung des Anglikanischen Konsultativrats im Juni und Juli dieses Jahres sowie die Vorbereitungen für die nächste LWB-Vollversammlung 2030 in Augsburg, Deutschland. 

„Die Begegnung unter dem gemeinsamen Vorsitz des anglikanischen Bischofs von Kondoa in Tansania, Dr. Given Gaula, und der emeritierten Bischöfin Cindy Halmarson von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada war sehr fruchtbar und hat Mut gemacht“, unterstrich Prof. Lange. „Wenn wir den kontextuellen Charakter unserer Kirchengemeinschaft anerkennen, können wir unsere ökumenischen Dialoge und unsere bi- und multilateralen Beziehungen besser gestalten, strukturieren und pflegen.“ 

LWB/P. Hitchen
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Vereinigtes Königreich
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