Amazonas schützen, Lebensgrundlagen kleinbäuerlicher Familien fördern

Kleinbäuerliche Gemeinwesen in der kolumbianischen Amazonasregion, die der LWB bereits seit einigen Jahren unterstützt, freuen sich über ein wegweisendes Abkommen, in dem ihre Rechte als Hüterinnen des fragilen Ökosystems in der Region anerkannt werden

11 Feb 2026
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‘Peasants with rights, an Amazon with a future’ are among the slogans on banners at a public hearing of the Peasant Reserve Zone “’Guardiana del Chiribiquete’ on 25 October 2025. Photo: CEALDES

Auf Bannern waren bei einer öffentlichen Anhörung zur Kleinbäuerlichen Schutzzone „Guardiana del Chiribiquete“ am 25. Oktober 2025 Slogans wie „Rechte für kleinbäuerliche Familien, Zukunft für den Amazonas“ zu lesen. Foto: CEALDES

Neues Abkommen über Landrechte in Kolumbien erkennt ländliche Gemeinwesen als Hüterinnen vulnerabler Ökosysteme an

(LWI) – Kleinbäuerliche Familien und Gemeinwesen im kolumbischen Calemar in der Amazonasregion Guaviare freuen sich über ein wegweisendes Abkommen, das die territorialen Rechte von über 4.000 Frauen und Männern anerkennt, die in 26 ländlichen Gemeinwesen organisiert sind. Erstmals in der Geschichte Kolumbiens werden damit die territorialen Rechte von bäuerlichen Gemeinwesen innerhalb eines geschützten Waldreservats offiziell anerkannt. Das Abkommen stärkt die Rechte der bäuerlichen Familien im Nationalpark Serranía de Chiribiquete, eine der artenreichsten Regionen in Kolumbien, die jedoch zugleich in besonderem Maße von Entwaldung bedroht ist.

Die Einrichtung der sogenannten Kleinbäuerlichen Schutzzone (Zona de Reserva Campesina, ZRC)„Guardiana del Chiribiquete“ ist das Ergebnis eines mehr als sechs Jahre währenden Dialogs, der federführend von den Gemeinwesen geführt wurde und an dem darüber hinaus ein breites Bündnis von örtlichen Basisorganisationen und kommunalen Gremien beteiligt war.

Zusammen mit dem Zentrum für Entwicklungsalternativen (Centro de Alternativas al Desarrollo, CEALDES) begleitet der Lutherische Weltbund (LWB) diesen Prozess seit 2022, indem er technische Unterstützung leistet und Räume für Dialog schafft.

Wir werden uns auch weiterhin für Prozesse einsetzen, die gerechte Landverteilung, Nachhaltigkeit und Frieden mit einem Schwerpunkt auf dem ländlichen Raum fördern.

Golda Ibarra, Vertreterin des LWB-Länderprogramms Kolumbien-Venezuela

„Dieser Erfolg bestärkt uns in der Überzeugung, dass territoriale Lösungen aus den Gemeinwesen selbst heraus erarbeitet werden müssen. Dazu braucht es Respekt vor ihren Lebensweisen, ihrem überlieferten Wissen und ihrer Schlüsselrolle beim Schutz vulnerabler Ökosysteme“, unterstreicht Golda Ibarra, Vertreterin des LWB-Länderprogramms in Kolumbien und Venezuela. „Wir werden uns auch weiterhin für Prozesse einsetzen, die gerechte Landverteilung, Nachhaltigkeit und Frieden mit einem Schwerpunkt auf dem ländlichen Raum fördern, und würdigen damit das Vertrauen der bäuerlichen Gemeinwesen, die dieses kollektive Engagement für das Leben und den Schutz des Amazonas angeführt haben.“ 

Kleinbäuerliche Schutzzonen wurden erstmals 1994 im Rahmen einer nationalen Agrarreform eingerichtet. Ziel war es, den Erwerb großer Landflächen zu begrenzen und kleinbäuerliche Familienbetriebe zu fördern. Als Instrument für bessere Landnutzungsplanung, das soziale und ökologische Vorteile schaffen soll, rüsten sie die Gemeinwesen zu, ihre Entwicklung kollektiv selbst in die Hand zu nehmen.

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Participants at a public hearing of the Peasant Reserve Zone ‘Guardiana del Chiribiquete’ to discuss the Sustainable Development Plan in October 2025. Photo: CEALDES.

Teilnehmende einer öffentlichen Anhörung zur Kleinbäuerlichen Schutzzone „Guardiana del Chiribiquete“ im Oktober 2025, bei der ein Plan für Nachhaltige Entwicklung diskutiert wird. Foto: CEALDES.

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Participants listen attentively at a public hearing of the Peasant Reserve Zone ‘Guardiana del Chiribiquete’ to discuss the Sustainable Development Plan in October 2025. Photo: CEALDES.

Aufmerksam hören diese Menschen bei einer öffentlichen Anhörung zur Kleinbäuerlichen Schutzzone „Guardiana del Chiribiquete“ im Oktober 2025 zu, bei der ein Plan für Nachhaltige Entwicklung diskutiert wird. Foto: CEALDES.

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Local farmers and their families attend a public hearing of the Peasant Reserve Zone ‘Guardiana del Chiribiquete’ to discuss the Sustainable Development Plan in October 2025. Photo: CEALDES.

Lokale Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mit ihren Familien nehmen an einer öffentlichen Anhörung zur Kleinbäuerlichen Schutzzone „Guardiana del Chiribiquete“ im Oktober 2025 teil, bei der ein Plan für Nachhaltige Entwicklung diskutiert wird. Foto: CEALDES.

Das jüngste Abkommen „Guardiana del Chiribiquete“, das im November 2025 unterzeichnet wurde, geht noch einen Schritt weiter: Es setzt ein Modell um, das soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz kombiniert. Und es zeigt deutlich, wie wichtig es im Kampf gegen Entwaldung ist, dass sich kleinbäuerliche Familie auf lokaler Ebene organisieren. Der Nachhaltige Entwicklungsplan der ZRC wird einen Schwerpunkt auf die Förderung nachhaltiger Produktionsweisen legen, die die Lebensgrundlagen der Bevölkerung sichern und zugleich die Umwelt schützen. 

Der Nationalpark Chiribiquete ist UNESCO-Welterbestätte, der größte Nationalpark Kolumbiens und der größte Nationalpark im tropischen Regenwald weltweit. Er ist rund 43.000 Quadratkilometer groß und umfasst die Bergformation der Serranía de Chiribiquete sowie die umliegenden Tieflandgebiete. Zusammen beherbergen diese Landschaften eine umfangreiche Sammlung prähistorischer Felsmalereien und eine außergewöhnliche Artenvielfalt, darunter viele bedrohte Arten wie Jaguare, Affen, Riesenotter und Riesenameisenbären.

LWF/S. A. Castillo and E. N. Mateus, edited by P. Hitchen