10 Jahre Stärkung von Gemeinwesen durch Handlungsansatz, der auf Achtung der Menschenrechte beruht

2025 feiert der LWB, dass er in seiner humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit seit nunmehr zehn Jahren einen Ansatz verfolgt, dessen Fundament die Achtung der Menschenrechte aller Menschen ist. In einem Workshop wurde vor Kurzem über den damit bewirkten Wandel berichtet, der die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

16 Dez 2025
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In der Provinz Moxico in Angola hat der LWB Landwirtschaftsbetriebe im Dorf Chindupo dabei unterstützt, sich erfolgreich für das Besitzrecht an ihrem Land einzusetzen, das für private Zwecke genutzt werden sollte. Foto: LWB/C. Kästner 

In der Provinz Moxico in Angola hat der LWB Landwirtschaftsbetriebe im Dorf Chindupo dabei unterstützt, sich erfolgreich für das Besitzrecht an ihrem Land einzusetzen, das für private Zwecke genutzt werden sollte. Foto: LWB/C. Kästner

Bei Zurüstung für Wandel stellt LWB Menschen in Mittelpunkt

(LWI) – Seit zehn Jahren verfolgt der Lutherische Weltbund (LWB) in seiner humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit einen Ansatz, der auf der Achtung der Menschenrechte aller Menschen basiert. Die Erfolgsgeschichte beschreibt er in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht, in dem er unterstreicht, dass dieser Paradigmenwechsel zu wirksameren Antwort auf die zunehmende Erosion von Menschenrechten besonders im Kontext von Konflikten und nicht endenden Krisen geführt habe. 

Seit der Einführung dieses Menschenrechtsansatzes in der Programmarbeit des LWB im Jahre 2015 und der damit verbundenen so genannten „local to global to local“-Initiative, bei der die Arbeit auf lokaler Ebene das Engagement auf globaler Ebene mitgestaltet und dieses dann wieder in die lokale Ebene zurückfließt, ist er ein Eckpfeiler des strategischen Arbeitsschwerpunktes, wie er in der globalen Strategie des LWB-Weltdienstes 2025-2031 beschrieben wird. Darum ging es auch schwerpunktmäßig in einem vor kurzem durchgeführten Online-Event mit Teilnehmenden, die sich weltweit für die Rechte von Geflüchteten, Frauen, Kindern und Gemeinwesen, die ihre Landrechte verteidigen, sowie anderen Gruppen einsetzen.

Zwar sei das Engagement für Menschenrechte nach Aussage von Maria Immonen, der Direktorin der LWB-Abteilung für Weltdienst, seit langer Zeit ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des LWB, entscheidend sei aber der vor zehn Jahren gefasste Beschluss gewesen, die Achtung der Menschenrechte als ein Grundprinzip in die Arbeit zu integrieren und diesen Ansatz zu einem Aushängeschild zu machen. „Dieser neue Fokus hat auch gezeigt, wie wichtig eine konkrete und vor Ort verankerte Programmarbeit ist, die zeigt, was Menschenrechte in der Praxis bedeuten und die dafür sorgt, dass die Menschen vor Ort selbst treibende Kräfte für Wandel sind, sich für die Achtung der Menschenrechte einsetzen und die Menschenwürde bewahren“, erklärte sie.  

Die Teilnehmenden berichteten über die Erfolge von 15 LWB-Länderprogrammen, in denen ein solcher Menschenrechtsansatz umgesetzt wird: Angola, Äthiopien, Burundi, Demokratische Republik Kongo, El Salvador, Irak, Jordanien, Kenia, Kolumbien, Mosambik, Myanmar, Nepal, Südsudan, Tschad und Uganda. Auch über die Advocacy-Arbeit des LWB-Referats Handeln für Gerechtigkeit beim Büro des Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) wurde erörtert.

Veränderungen finden an der Basis statt, und das ermutigt uns, weiterzumachen. Wir investieren konkret in Menschen, und es hat sich gezeigt, dass ein solcher Ansatz, der auf der Achtung der Menschenrechte aufbaut, ein Mechanismus ist, der tatsächlich Ergebnisse liefert.

Lokiru Matendo, Koordinator der Regionalprogramme, Äthiopien und Nepal, Ansprechpartner für strategische und politische Themen 

Lokiru Matendo, Koordinator der Regionalprogramme für Äthiopien und Nepal und Ansprechpartner für strategische und politische Themen, unterstrich die größten Erfolge in der Mobilisierung von Zivilgesellschaften, Gemeinwesen und Geflüchteten in den letzten zehn Jahren zur Einforderung ihrer Rechte, bei der auch auf lokaler Ebene die internationalen Menschenrechtsgrundsätze Anwendung fanden. Er erinnerte an Meilensteine wie den verbesserten Schutz von Geflüchteten im Tschad, eine Verringerung der geschlechtsspezifischen Gewalt in Uganda, neue Perspektiven für aus der Schuldknechtschaft befreite Arbeitskräfte in Nepal sowie von den Gemeinwesen vor Ort geleitete Umwelt -und Friedensprojekte in Kolumbien. „Veränderungen finden an der Basis statt, und das ermutigt uns, weiterzumachen“, sagte er. „Wir investieren konkret in Menschen, und es hat sich gezeigt, dass ein solcher Ansatz, der auf der Achtung der Menschenrechte aufbaut, ein Mechanismus ist, der tatsächlich Ergebnisse liefert.“  

Ester Wolf, leitende LWB-Referentin für Menschenrechte, berichtete über die vielfältige Advocacy-Arbeit des LWB, bei der es um Menschenrechte, geschlechtsspezifische Gewalt, Gerechtigkeit ohne Grenzen, Klimagerechtigkeit und die Rechte von Geflüchteten gehe. Diese Arbeit habe die Veröffentlichung von Erklärungen, die Organisation von Nebenveranstaltungen mit verschiedenen Partnern und die Teilnahme an UN-Tagungen in Genf und in New York sowie an Sitzungen des Menschenrechtsrates und der Afrikanischen Kommission in Tansania und Gambia umfasst.

Menschen im Mittelpunkt und inklusive Entscheidungsprozesse

Referierende aus allen Regionen haben beschrieben, dass der auf der Achtung der Menschenrechte beruhende Ansatz zu einer Verbesserung der Führungsstrukturen in den Gemeinwesen, zu mehr Rechenschaft und mehr Teilhabe in Gemeinschaften beigetragen habe. In ihren Berichten haben sie auf mehrere Erfolge hingewiesen, die alle verbindet: Stärkung lokaler Organisationen, inklusivere Prozesse der Entscheidungsfindung, neue Plattformen für die Thematisierung von Anliegen im Zusammenhang mit Menschenrechten und eine bessere Zusammenarbeit mit Regierungen und anderen Institutionen. Sie wiesen darauf hin, dass der Menschenrechtsansatz dafür sorge, dass sich die Menschen nicht nur ihrer Rechte bewusst würden, sondern sie auch zurüsteten, sie einzufordern und Programme aufzulegen, die auch nach Beendigung der externen Unterstützung weiterhin nachhaltig funktionierten.   

In anderen Beiträgen wurde detailliert beschrieben, dass der Ansatz, der auf der Achtung der Menschenrechte basiert, in zahlreichen Bereichen wie der humanitären Hilfe, dem Einsatz für Klimagerechtigkeit, die Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt, dem Schutz von Geflüchteten, dem Engagement junger Erwachsener und den inklusiven Führungsstrukturen zum Einsatz komme. Die kollektiven Erkenntnisse hätten gezeigt, dass eine langfristige Wirkung auf einem konsequenten Engagement auf lokaler Ebene, einer evidenzbasierten Advocacy-Arbeit und der Abstimmung von Prioritäten der jeweiligen Gemeinwesen mit nationalen und internationalen Systeme beruhe. Darüber hinaus wiesen die Teilnehmenden auf die zunehmende Bedeutung des Menschenrechtsansatzes in fragilen oder polarisierten Kontexten hin, in denen Menschenrechtsverletzungen zur Normalität gehörten und Gemeinwesen mit strukturellen Problemen wie Ungleichheit, Konflikten und eingeschränktem Zugang zu Dienstleistungen konfrontiert seien. 

Stärkere lokale Organisationen

In Kolumbien und Venezuela seien Armut, Konflikte und Ungleichheit strukturelle Symptome einer ungleichen Verteilung von Ressourcen und Macht sowie der mangelnden Achtung der Menschenrechte, so Golda Ibarra, Vertreterin des LWB für beide Länder. Die humanitäre Arbeit des LWB helfe Frauen, Kindern, Überlebenden von Grubenunglücken, Unterzeichnenden von Friedensabkommen, indigenen Gruppen und Gemeindeverwaltungen, für die Rechte und die Würde der Menschen einzutreten und Frauen und Kinder gleichzeitig vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen. „Wir stellen die Menschen in den Mittelpunkt dieses Prozesses und sorgen für ihre legitime und sinnstiftende Teilhabe an allen Phasen der Projekte“, erklärte sie. Diese Vorgehensweise stelle sicher, dass es konkrete und realistische Initiativen gibt, die durch die Stärkung lokaler Organisationen in den Gemeinwesen langfristige Wirkung zeigen.

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Eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten setzt sich für das Recht der Menschen auf Land und Ressourcen und für den Schutz des River Atrato in Kolumbien ein. Foto: Tierra Digna 

Eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten setzt sich für das Recht der Menschen auf Land und Ressourcen und für den Schutz des River Atrato in Kolumbien ein. Foto: Tierra Digna 

Yagya Gautam berichtete über Erfolgsgeschichten und bewährte Praktiken eines Schulungsprogramms in Nepal, das Wandel bewirkt und marginalisierte Gruppen und Arbeitskräfte, die aus Schuldknechtschaft befreit wurden, unterstützt. Diese Initiativen tragen dazu bei, dass Menschen ihre Rechte verstehen und sich gegen Diskriminierungen zur Wehr setzen können. Einige der unterstützten Menschen wurden inzwischen in öffentliche Führungspositionen gewählt.  

Dieser auf der Achtung der Menschenrechte basierende Handlungsansatz bleibt auch in Zukunft ein zentraler Aspekt der Arbeit des LWB. „Es ist ganz klar, dass dieser Ansatz, der auf der Achtung Menschenrechte beruht, heute eine noch zentralere Bedeutung hat als früher. Wir wollen unser Verständnis und die Umsetzung dieses Menschenrechtsansatzes in den Programmen in allen Arbeitsfeldern weiter vertiefen“, unterstrich Caroline Tveoy, Leiterin des Arbeitsbereichs Internationale Programme beim LWB. Sie ermutigte die Länderprogramme, über ihre vielfältigen Erfahrungen und bewährten Praktiken zu berichten, damit andere davon profitieren können.  

„Die Methode, das Engagement auf globaler Ebene von der Arbeit auf lokaler Ebene bestimmen zu lassen, ist eine der großen Erfolgsgeschichten der Advocacy-Arbeit des LWB, denn sie verschafft den Stimmen der Mitgliedskirchen und der Länderprogramme Gehör“, erklärte Isaiah Toroitich, Leiter der globalen Advocacy-Arbeit des LWB. „Die Erkenntnisse aus diesen ersten zehn Jahren werden auch in Zukunft bestimmend für unsere Arbeit und unseren Einsatz für Gerechtigkeit und Würde auf lokaler, regionaler und globaler Ebene sein.“

LWF/E. Williams