Lutherischer Weltbund

Weltsozialforum 2004

Weltsozialforum - Eine andere Welt ist möglich


VertreterInnen der brasilianischen Luther-Stiftung und der LWB-Mitgliedskirche in Brasilien beteiligen sich an den Demonstrationen während des Weltsozialforums in Porto Alegre 2002. 
© LWB/P. Prove

"Die wirtschaftliche Globalisierung verursacht tiefgreifende Veränderungen in unserer Welt" und führt bei zahllosen Menschen zu einem starken Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Dies betonten die Delegierten der LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg und verpflichteten sich, an der Verwandlung der wirtschaftlichen Globalisierung mitzuwirken und mit der Zivilgesellschaft (etwa beim Weltsozialforum) Partnerschaften einzugehen.

Auf vielen Plakaten äussern  DemonstrantInnen in Porto Alegre ihr Missfallen am Neoliberalismus. 
© LWB/P. Prove

Um diesem Vorsatz zu entsprechen, nahm eine 50-köpfige Delegation des LWB und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien am 4. Weltsozialforum (WSF) vom 16. bis 21. Januar 2004 in der indischen Hafenstadt Mumbai teil.

Das WSF wurde im Jahr 2001 im brasilianischen Porto Alegre unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" als alternative Veranstaltung zum Weltwirtschaftsforum (WWF) in Davos (Schweiz) gegründet. Seitdem ist das einmal jährlich stattfindende WSF eine der wichtigsten Plattformen für internationale zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. 2003 kamen in Porto Alegre etwa 100.000 VertreterInnen von sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen, um Alternativen zum neoliberalen Globalisierungsmodell und neue Wege zu nachhaltiger Entwicklung sowie sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit zu suchen.

2004 fand das WSF mit bis zu 100.000 TeilnehmerInnen zum ersten Mal ausserhalb Brasiliens, aber weiterhin parallel zum WWF in Davos statt. Organisatorisch gliedert sich das Forum in zwei Teile. Zum einen bereiten die WSF-OrganisatorInnen zentrale Aktivitäten wie Konferenzen, Runde Tische und Podiumsdiskussionen vor. Zum anderen führen die teilnehmenden Organisationen selbständig Seminare und Workshops zu von ihnen vorgeschlagenen Themen durch.

Peter Prove (re.), Assistent des LWB-Generalsekretärs im Bereich Internationale Angelegenheiten und Menschenrechte, während einer der Hauptkonferenzen des WSF 2002 mit Vertreterinnen des Internationalen Bundes der Menschenrechtsligen. © LWB

In diesem Rahmen brachte der LWB auch in diesem Jahr wieder Themen in die Diskussion ein: Wie schon 2003 in Brasilien veranstaltete der LWB in Mumbai ein Seminar zum Thema "Illegitime und ökologische Verschuldung". Die LWB-Vollversammlung in Winnipeg hatte zu dieser Frage eindeutig Stellung bezogen und internationale Finanzinstitutionen aufgefordert, alle unrechtmässigen Schulden zu erlassen. Ausserdem betonte die Versammlung, dass auf internationaler Ebene dringend Mechanismen zum gerechten Schuldenmanagement gefunden werden müssten.

TeilnehmerInnen und ModeratorInnen eines vom LWB geleiteten Workshops zum Thema Menschenrechte und Handel, der während des Weltsozialforums 2002 in Porto Alegre stattfand.
© LWB

"Interreligiöse Aktion für Frieden in Afrika"  war Thema eines weiteren LWB-Seminars in Mumbai. Saliou Mbacké, Koordinator der Nacharbeit zum Johannesburger Friedensgipfel, stellte die Ergebnisse des Interreligiösen Friedensgipfels 2002 in Johannesburg (Südafrika), einschliesslich des dort erarbeiteten Aktionsplans und der bisherigen Fortschritte in dessen Umsetzung vor. Mbacké hofft, das Projekt auf diesem Wege bekannter zu machen und mehr Menschen zur Mitwirkung anzuregen.

Die LWB-Delegation, die aus MitarbeiterInnen des Genfer Generalsekretariats sowie VertreterInnen verschiedener Mitgliedskirchen besteht, beteiligt sich ausserdem an Veranstaltungen zu zentralen Themen der Arbeit des LWB. Hierzu gehören insbesondere die bhutanesische Flüchtlingskrise sowie die Kastenproblematik. Weiterhin bringtn sich die LWB-Delegation in die Diskussion zu Themen wie Zugang und Verteilung von Wasser, Gewalt gegen Frauen, internationaler Handel oder Probleme indigener Völker ein.

Die Lutherische Welt-Information (LWI) hat folgende aktuelle Nachrichten zum 4. Weltsozialforum veröffentlicht: 

Starke Präsenz lutherischer Kirchen auf Weltsozialforum im indischen Mumbai

Weltsozialforum: Religionen sollen sich nicht politisch manipulieren lassen, fordern TeilnehmerInnen an LWB-Seminar

Weltsozialforum: LWB-VertreterInnen fordern von Kirchen ein "Nein" zur Gewalt gegen Frauen

Was kommt zuerst - Interreligiöser Dialog oder Konfliktlösung?