Aktuelle Themen und Entwicklungen
KEK/LWB-Ausbildungsworkshop Menschenrechte in Bratislava
Vom 3. bis 7. März 2004 nahmen VertreterInnen
protestantischer und orthodoxer Kirchen aus 15 Ländern
Mittel- und Osteuropas an einem KEK/LWB-Ausbildungsworkshop
Menschenrechte zum Thema "Menschenrechte und
Religionsfreiheit" in Bratislava (Slowakische Republik)
teil. Hier finden Sie den vollen Wortlaut des Berichts
des Ausbildungsworkshops. (Link
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Illegale Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten
Angesichts der jüngsten Vorschläge des israelischen Premierministers Ariel Scharon und der Unterstützung, die sie von US-Präsident George Bush erhalten haben, wird die Problematik israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten immer bedeutender für die Friedensbemühungen im Heiligen Land. Der Lutherische Weltbund (LWB) betrachtet die illegalen Siedlungen - egal ob im Gazastreifen oder dem Westjordanland - als fundamentales Hindernis für den Frieden. Jeglicher Vorschlag, bestimmte dieser Siedlungen zu erhalten, muss mit der palästinensischen Gemeinschaft ausgehandelt werden.
Im Jahr 2001 forderte der LWB-Rat "das Ende der unrechtmässigen Besetzung und der illegalen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten . als grundlegenden und notwendigen Schritt zur Sicherung eines gerechten und tragfähigen Friedens für alle Völker der Region". 2002 beschloss der Rat, die Mitgliedskirchen zu ermutigen, die Unterstützung eines Boykotts von Produkten aus illegalen israelischen Siedlungen zu erwägen.
Eine aktualisierte Liste von Produkten aus illegalen israelischen Siedlungen finden Sie auf der Webseite der israelischen Friedensbewegung "Peace Now".
Weltsozialforum 2004 im indischen Mumbai
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Demonstration während des WSF 2002 in Porto
Alegre (Brasilien). |
"Eine andere Welt ist möglich" - unter diesem Thema fand vom 16. bis 21. Januar 2004 zum vierten Mal das Weltsozialforum (WSF) statt, das sich als eine Art Opposition zum Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos versteht.
Bis zu 100.000 VertreterInnen sozialer Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) nahmen am diesjährigen Forum in Mumbai (Indien) teil. Ziel des WSF ist es, Wege zu mehr sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit in der Welt finden.
Die Zehnte LWB-Vollversammlung hatte im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg betont, wie wichtig diese Art von Dialog und Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft sei, um gemeinsam Lösungen für die Probleme der wirtschaftlichen Globalisierung zu finden. Deshalb beteiligte sich eine 50-köpfige Delegation des LWB an den Diskussionen und Veranstaltungen in Mumbai, unter anderem zu Themen wie dem Zugang zu und der Verteilung von Wasser, der Kastenproblematik oder illegitimen Schulden.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Beteiligung des LWB am vierten Weltsozialforum in Mumbai.
Entscheidende Probleme sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit
Zu den besonders schwerwiegenden Problemen sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit, die ein ständiges Anliegen des LWB sind, gehören:
HIV/AIDS
Die Auswirkungen der HIV/AIDS-Pandemie auf Gemeinschaften weltweit sowie auch auf die Gemeinschaft des LWB dürfen nicht unterschätzt werden. Zwar ist HIV/AIDS eigentlich ein medizinisches Problem; dennoch müssen sich die Kirchen auf vielen Ebenen mit dieser Krankheit auseinandersetzen: theologisch, ekklesiologisch, seelsorgerlich, geistlich und im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies zeigt uns besonders deutlich die Rolle der Kirche als offene und solidarische Gemeinschaft.
In ihrer seelsorgerlichen Unterstützung der von HIV/AIDS Betroffenen und deren Angehörigen sehen sich die Kirchen mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert, die weit über die medizinische Seite dieser Krankheit hinausgehen. Dazu gehören Fragen des theologischen Verständnisses, Stigmatisierung, Politik, Menschenrechte, Drogenabhängigkeit, Einwanderungsprobleme, Sexualität, sexuelle Ausbeutung von Kindern, die Geschlechterfrage und Armut. Zwar steht die praktische Begleitung und Unterstützung der Betroffenen im Vordergrund und hat oberste Priorität, doch muss die Reaktion der Kirchen und des LWB auch diese zusätzlichen Probleme berücksichtigen und ernst nehmen sowie der Auseinandersetzung mit ihnen Raum geben.
Israel/Palästina
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Bischof Munib A. Younan (Ev.-Luth. Kirche in Jordanien) erörtert mit Dalia Landau und Huda Abu Gharbieh das Thema "Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten" |
Der LWB hat wiederholt bekräftigt, dass es einer Friedensvision für das Heilige Land und Jerusalem als Stadt zweier Völker und dreier Religionsgemeinschaften bedarf. Er äussert sich zunehmend beunruhigt über die Spirale der Gewalt in Israel/Palästina. Durch seine Mitgliedskirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien (ELKJ), und das Auguste Victoria-Krankenhaus (AVK) sowie durch andere Aktivitäten im Rahmen der Länderprogramme ist der LWB in der Region vertreten und beobachtet die Entwicklung seit langem aus nächster Nähe.
Der Weltbund ist davon überzeugt, dass eine militärische Intervention die Gewalt nicht beendet, sondern nur neue Gewalt hervorbringt. Der einzige Weg zum Frieden ist der Dialog, Dialog auch zwischen den Religionsgemeinschaften. Der LWB ist bemüht, alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Friedensdialog in Christi Geburtsland zu fördern.
Hier finden Sie die Sonderausgabe
des ELKJ-Newsletters in englischer Sprache zum Thema:
Hilferuf von christlichen Gemeinschaften im Blick auf
den Sperrwall zwischen Israel und dem Westjordanland vom
24. November 2003. (Link
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Hier finden Sie weitere Informationen zur Situation in Israel/Palästina.
Diskriminierung auf Grund der Kastenzugehörigkeit
Laut Schätzungen sind 250 Millionen Menschen in Südasien von schärfster, kulturell bedingter Diskriminierung betroffen, weil sie als "Dalits" - als Kastenlose in einer Kastengesellschaft - geboren sind. Trotz der Gesetze, die in vielen Ländern dagegen erlassen worden sind, ist die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit für die betroffenen Bevölkerungsgruppen alltägliche Realität, insbesondere auf dem Land. Diese Form von Diskriminierung äussert sich häufig darin, dass Kastenlose nicht dieselben Gerätschaften benutzen dürfen, dass Gemeinwesen nach Kasten getrennt werden, dass Menschen (aufgrund ihrer Geburt) die gefährlichsten und niedrigsten Aufgaben zugewiesen werden, sowie im Verbot von Mischehen, in gesellschaftlichem Boykott, sexuellem Missbrauch und in Mord.
Die Menschenrechtsnormen verbieten allerdings die Diskriminierung unter anderem aufgrund der Abstammung, der sozialen Herkunft, der Geburt o. ä. Die Menschenrechte bieten einen Rahmen zur Analyse und zur Überwindung der Situation einer der grössten, systematisch unterdrückten Gemeinschaften der Erde.
Wirtschaftliche Globalisierung und Menschenrechte
Das Phänomen der wirtschaftlichen Globalisierung ist eines der wesentlichsten Kennzeichen unserer Zeit. Von ihr sind nahezu alle Gesellschaften betroffen - nicht nur im Blick auf die Wirtschaft, sondern auch in Kultur, Gesellschaft und Politik. Dieser Prozess hat nach den Massstäben von Gerechtigkeit und Ethik zutiefst fragwürdige Auswirkungen. Die Kirchen sind von der Globalisierung ebenso stark betroffen und darin eingebunden wie jede andere Gemeinschaft oder Institution. Die moralische Widersprüchlichkeit dieser Entwicklung ist indessen eine besondere Herausforderung für uns, der wir aus der Perspektive unseres Glaubens begegnen müssen.
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Landlose Menschen in Kolumbien |
In einem Diskussionsprozess über "Engagement
einer Gemeinschaft von Kirchen angesichts der wirtschaftlichen Globalisierung"
werden
die Mitgliedskirchen des LWB aufgefordert, über Dynamik und Auswirkungen der
wirtschaftlichen Globalisierung nachzudenken. Ferner soll geklärt werden, wie
auf die Globalisierung zu reagieren ist - entsprechend dem Glauben, den wir
bekennen, den Werten, für die wir einstehen, und der
Gemeinschaft, zu der wir gehören.
Die Kirchen müssen stets daran festhalten, dass die Menschenwürde Vorrang vor wirtschaftlichem Profit hat. Die lutherische Tradition präzisiert diese Botschaft, indem sie sie in einen historischen Zusammenhang von wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen stellt, die in vieler Hinsicht der Situation in unserer heutigen Zeit gleichen. Diese Tradition fordert eine Rahmensetzung für die wirtschaftliche Macht und eine Kanalisierung dieser dynamischen Kräfte, um dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen. Die Menschenrechtsnormen stützen diese Position und geben den Kirchen die erforderlichen Instrumente und Analysestrukturen an die Hand, mit denen Regierungen und andere Beteiligte im Zeitalter der Globalisierung in die Verantwortung zu nehmen sind.
Frieden in Afrika
Entgegen den Hoffnungen der frühen 90er Jahre auf eine "afrikanische Wiedergeburt" und eine neue afrikanische Führungsgeneration, die den sich in Afrika endemisch ausbreitenden Konflikten ein Ende setzen würde, sind diese Konflikte in den letzten zehn Jahren auf dem gesamten afrikanischen Kontinent wieder aufgeflammt. In jüngster Zeit hat jeder der zahlreichen aktuellen Konflikte in Afrika zu grossem Leid unter der unbeteiligten Zivilbevölkerung geführt: ob durch Tod und Verwundung in bewaffneten Auseinandersetzungen, die schleichende Bedrohung durch Landminen, den Verlust der Existenz, die Zerstörung von Gemeinwesen oder die Auslöschung jahrelanger Entwicklungsanstrengungen. Erneut ist die Weltgemeinschaft aufgerufen, die Ursachen der Konflikte in Afrika (einschliesslich der sozialen und wirtschaftlichen Ursachen) zu ergründen und praktikable und wirksame Instrumente zu entwickeln, mit denen sie beigelegt oder verhindert werden können.
Kirchen und Religionsgemeinschaften kommt die wesentliche Rolle zu, sich für die Schaffung einer Kultur des Friedens in Afrika einzusetzen. Kirchen und Religionsgemeinschaften sind selbst auf vielfältige Weise direkt in die Konfliktsituationen verwickelt und davon betroffen. Die Präsenz der Kirchen und Religionsgemeinschaften überall an der Basis der Gesellschaften macht ihr Engagement in diesem Prozess zu einem entscheidenden Element für den letztlichen Erfolg.
Der LWB ist bestrebt, für einen interreligiösen Dialog und für gemeinsame Friedensarbeit in Afrika zu werben und die Konzeption und Umsetzung konkreter interreligiöser Reaktionen auf den Konflikt zu fördern.
Interreligiöser Dialog für den Frieden
Der LWB fördert beständig Gewaltlosigkeit, interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit. In jüngster Zeit verfolgt der Weltbund die "Instrumentalisierung" der religiösen Vielfalt für politische oder militärische Zwecke mit wachsender Sorge. Der LWB lehnt jeden Missbrauch der religiösen Vielfalt für derartige Absichten grundsätzlich ab und versteht Frieden und Versöhnung als gemeinsames Anliegen der Völker unterschiedlicher Glaubensrichtungen.







